20. März 2007 Die Lufthansa Cargo AG werde wie geplant am Standort Frankfurt erst dann einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, wenn die Frage eines Nachtflugverbotes endgültig entschieden sei und die aus ihrer Sicht wirtschaftlich notwendigen“ Flüge möglich blieben.
Das sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Lufthansa-Frachttochter, Carsten Spohr, als er Zahlen für 2006 vorlegte und einen Ausblick für 2007 gab. Lufthansa Cargo will das rund 25 Jahre alte Frachtzentrum im Norden des Flughafens durch einen Neubau ersetzen und im Süden ein noch nicht näher beschriebenes Infrastrukturprojekt errichten.
Wirtschaftsminister Rhiel entscheidet
Spohr erwartet noch 2007 eine verbindliche Zusage aus Wiesbaden für wirtschaftlich notwendige“ Nachtflüge. Zu treffen hat die Entscheidung der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU). Flughafenbetreiber Fraport AG hat ein Nachtflugverbot im Zusammenhang mit der Erweiterung des Flughafens um die Nordwestlandebahn im Zuge des Planfeststellungsverfahrens selbst beantragt. Diese Betriebseinschränkung hat Fraport aber erst auf Druck aus der Landespolitik beantragt, um eine ausreichende Akzeptanz für den Ausbau zu ermöglichen.
Wenn es tatsächlich zu einem strikten Nachtflugverbot kommen sollte, sei die Lufthansa Cargo, so wie sie derzeit existiere, in Frankfurt nicht mehr zu betreiben, sagte Spohr. Das sei eine existentielle Bedrohung und eine Gefahr für etliche tausend Arbeitsplätze. Lufthansa-Konzern-Chef Wolfgang Mayrhuber hat vor kurzem von mehr als 7000 Stellen gesprochen, die im Konzern und bei anderen Unternehmen der Branche durch ein absolutes Nachtflugverbot bedroht seien.
Als laienhaft bezeichnete Spohr die Vorstellung, die Fracht-Airline, die alleine in Frankfurt rund 3000 Mitarbeiter zählt, könnte ihre Geschäfte auch anderswo genauso gut abwickeln. Tatsächlich transportieren die Frachtflieger die Güter ihrer Kunden zu beinahe 50 Prozent in den Bäuchen der Lufthansa-Passagierflugzeuge als sogenannte Bellyfracht, sind auf die enge örtliche Verbindung von Fracht- und Passagiermaschinen angewiesen. Nur die andere Hälfte des Geschäfts wickelt Lufthansa Cargo mit ihrer 19 Flugzeuge zählenden Frachter-Flotte ab.
Rund 50 Nachtflüge in der Woche
Die Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens mit dem Bau einer Nordwestlandebahn helfe den Frachtfliegern bei der Lösung der Nachtflugprobleme überhaupt nicht, sagte Spohr weiter. Denn Lufthansa Cargo fliege nicht deshalb nachts, weil am Tag die Kapazität knapp sei, sondern weil die Kunden die Zeitverschiebung nutzen wollten, um Güter schon am nächsten Morgen Ortszeit etwa in den Vereinigten Staaten von Amerika ausliefern zu können oder am übernächsten Morgen in Asien. Um diesen Nachtsprung“ nutzen zu können, ist Lufthansa Cargo darauf angewiesen, eine gewisse Zahl von Flügen auch zwischen 23 Uhr und fünf Uhr früh abzuwickeln. Zurzeit sind das rund 50 Flüge in der Woche.
Spohr hält es für ausreichend, wenn weiterhin 1,7 Prozent aller Flugbewegungen auf dem Frankfurter Flughafen in der Nacht zwischen 23 Uhr und fünf Uhr früh stattfinden dürfen. Legt man die 489.000 Starts und Landungen zugrunde, die 2006 von der Flugsicherung in Frankfurt gezählt wurden, wären das insgesamt, also nicht nur für die Frachtflieger, rund 20 Flugbewegungen je Nacht.
Was die Geschäftszahlen betrifft, lag das operative Ergebnis bei der Lufthansa Cargo 2006 bei 81,2 Millionen Euro, im Jahr zuvor noch bei 108,2 Millionen. Stark gestiegene Treibstoffkosten und einmalige Vergleichszahlungen in den Vereinigten Staaten und Kanada im Zusammenhang mit Sammelklagen wegen angeblicher Preisabsprachen sind den Angaben zufolge der Grund für diesen Rückgang. Finanzvorstand Roland Busch sieht aber gute Voraussetzungen dafür, in diesem Jahr das Ergebnis 2005 zu übertreffen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp