Von Thorsten Winter
29. Februar 2008 Das Fundament steht. Auch die Gebäudehülle ist schon in Angriff genommen worden – und jetzt kann der Industriepark-Betreiber Infraserv Höchst auch mit den tatsächlichen Arbeiten für die Ersatzbrennstoff-Anlage auf dem Gelände der einstigen Hoechst AG beginnen. Nachdem das Regierungspräsidium Darmstadt schon im Mai 2007 die Vorarbeiten für das umstrittene Großprojekt gestattet hatte, liegt Infraserv seit gestern auch der endgültige Genehmigungsbescheid der Aufsichtsbehörde vor.
In dem Kraftwerk will der Industrieparkbetreiber vom nächsten Jahr an vorsortierten Bau- und Gewerbemüll verbrennen und dadurch in Strom und nicht zuletzt Dampf gewinnen, den eine Reihe von Unternehmen am Standort braucht. Auf diese Weise will Infraserv die Eigenversorgung mit Energie ausbauen. Zudem will das Unternehmen mit dem mehr als 200 Millionen Euro teuren Großprojekt 40 Arbeitsplätze schaffen.
Energie reicht für einige zehntausend Häuser
Die für den Betrieb benötigten Abfälle werden auf dem Markt erworben; zu den Zulieferern zählt das Frankfurter Unternehmen Sperzel. 675.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe wird die mit rund 70 Meter hohen Schloten ausgestattete Anlage im Jahr aufnehmen können. Sie soll die größte ihrer Art in Deutschland werden. Die Leistung von 70 Megawatt reicht aus, um einige zehntausend Einfamilienhäuser mit Energie zu beliefern. Zum Vergleich: Die neue Biogasanlage leistet vier Megawatt, was nach Unternehmensangaben für 7000 solcher Eigenheime ausreicht.
Ein zukunftsweisendes Projekt wird Realität“, freute sich Infraserv-Geschäftsführer Roland Mohr angesichts der Übergabe des Genehmigungsbescheids. Die neue Anlage werde ein Eckpfeiler des ganzheitlichen Energieversorgungskonzepts“ des Standortbetreibers sein und den Bedarf an fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas verringern. Dadurch werde der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid ebenfalls verringert.
Keine Bedenken bei der EU-Kommission
Dessen ungeachtet hatte sich nach der Bekanntgabe der Baupläne im Umfeld des Industrieparks massiver Widerstand formiert. Anlieger befürchteten nicht nur überbordende Belastungen durch den Anlieferverkehr. Sie führten vielmehr auch den Ausstoß von Schwermetallen, Giften und anderen Schadstoffen wie Stickoxide durch die Anlage ins Felde. Auch der Frankfurter Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Die Grünen) hatte sich in die Diskussion eingeschaltet. Angesichts der Verpflichtung, die Belastung durch Stickoxide bis 2010 zu verringern, bat er die Europäische Kommission zu überprüfen, ob mit der Ersatzbrennstoff-Anlage EU-Recht verletzt werde. Die Kommission teilte diese Bedenken aber nicht.
Wie Mohr mehrfach versprochen hat, werden die Bewohner Sindlingens und Kelsterbachs nicht unter dem Lieferverkehr rund um das Kraftwerk, das im Südwesten des Industrieparks errichtet werden soll, leiden. Der vorbehandelte Gewerbemüll werde über die Autobahn südlich des Industrieparks angeliefert. Zudem rieche er nicht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Frank Röth, Infraserv
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