Messegesellschaften

Messegeschäft in Frankfurt stößt an Grenzen

Von Manfred Köhler

29. November 2007 Wieder einmal scheint alles gut gelaufen zu sein. 423 Millionen Euro Umsatz hat die Messe Frankfurt GmbH im zu Ende gehenden Jahr erzielt. Damit hat sie ihr beeindruckendes Wachstum, das seit Jahren anhält, fortsetzen können. Und Michael von Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung, ist auch überzeugt, dass es so weitergeht. Im nächsten Jahr wird ein Umsatz von 450 Millionen Euro angepeilt, wie er sagte. Ende des Jahrzehnts sollen es gar 500 Millionen sein.

Doch ist es ein Wachstum, das vor allem vom Auslandsgeschäft getragen wird. Seit zwei Jahrzehnten veranstaltet das Unternehmen Messen in der Ferne. Die Zulieferermesse Automechanika zum Beispiel, die im Wechsel mit der Internationalen Automobil-Ausstellung alle zwei Jahre in Frankfurt stattfindet, gibt es leicht abgewandelt auch in Moskau, Schanghai und Buenos Aires. Inzwischen trägt das Auslandsgeschäft fast ein Viertel zum Konzernumsatz bei – zum Gewinn sogar noch mehr.

In Frankfurt hingegen sind die Wachstumsraten weitaus bescheidener. 2006 hatten die am Sitz des Unternehmens erzielten Umsätze kaum höher gelegen als 2003, und auch wenn die für 2007 vorgelegten, vorläufigen Zahlen noch nicht so differenziert sind wie bei der Vorlage der Bilanz im Sommer nächsten Jahres, so lässt sich doch erkennen, dass sich der Zuwachs auch in diesem Jahr in Grenzen hielt. Beim gesamten Deutschlandgeschäft einschließlich dem an anderen Orten durch kleinere Tochtergesellschaften und mit Katalogen sowie der Gastronomie kam der Konzern 2007 auf ein Plus von 2,5 Prozent, während es im Ausland stolze 9,9 Prozent betrug.

Die einzige Messe mit regelmäßigem Gewinn

Für die Schwierigkeiten am Heimatmarkt gibt es allerhand Gründe. Die Messebranche stagniert in Deutschland generell – die übers Jahr vermietete Fläche aller Standorte lag 2006 sogar etwas niedriger als etwa 2002. Trotzdem wächst die Zahl der zur Verfügung stehenden Hallen immer weiter. Erst vor wenigen Wochen hat Stuttgart ein neues Gelände eröffnet. In der Regel sind die Messegesellschaften hochsubventioniert, weil den Bundesländern oder Städten als Besitzern die sogenannte Umwegrendite für Hotels, Restaurants und Taxiunternehmen wichtiger ist als die Rentabilität der Hallen selbst.

Trotz all dieser guten Gründe – allmählich steigt doch die Nervosität, weil es in Frankfurt seit Jahren immer nur so wenig vorangeht. Schon vor Jahresfrist bekam Zitzewitz dem Vernehmen nach einen Ordnungsruf aus dem Kreis seiner Anteilseigner, als er auf einer Auslandsreise wieder einmal voller Begeisterung nur von seinem Geschäft in Übersee sprach. Die Messe Frankfurt GmbH gehört zu 60 Prozent der Stadt und zu 40 Prozent dem Land Hessen, und auch wenn die Kommunalpolitiker sich freuen, dass ihr Unternehmen das einzige der Branche in Deutschland ist, das regelmäßig einen Gewinn erwirtschaftet und abführt, so erwarten sie doch, dass bei allem Engagement in der Welt die Heimat nicht vergessen wird.

Inzwischen ist der Messechef selbst unruhig geworden. Bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen für 2007 bestätigte Zitzewitz gestern, dass er in einem Schreiben an das Management die fehlenden Wachstumsziele für Frankfurt bemängelt habe. Michael Peters, einer der drei Geschäftsführer neben Zitzewitz, gab unumwunden zu, dass mit der Tendence und der Paperworld zwei Fachmessen erheblich unter Besucherrückgängen leiden. Zur Tendence – als Weiterentwicklung der Herbstmesse die älteste Veranstaltung in Frankfurt überhaupt – kamen in diesem Jahr gerade noch 80.000 Besucher. Fünf Jahre zuvor waren es 100.000 gewesen. Die Zahl der Aussteller ging in dieser Zeit von 4400 auf 3000 zurück. Die zusätzlich für die Einkäufer von Kaufhäusern und Handelsketten entwickelte Fachmesse Collectione war 2005 mit 488 Ausstellern gestartet, in diesem Jahr bauten gerade noch 207 einen Stand auf. Die beiden größten und populärsten Frankfurter Messen, die Internationale Automobil-Ausstellung und die Buchmesse, werden ohnedies seit eh und je von den jeweiligen Branchenverbänden organisiert.

„Kümmern uns um Heimatstandort“

Die Entwicklung neuer Messen ist schwierig. Die 2006 etablierte Design Annual, auf der aufwendig gestaltete Produkte von der Küche bis zum Auto zu sehen sind, wurde zwar allgemein gelobt, füllt jedoch gerade einmal die Festhalle. Die offenbar erfolgreiche Airtec für die Luft- und Raumfahrtbranche, die ebenfalls 2007 zum zweiten Mal stattfand, hat ein privater Veranstalter entwickelt. Aber auch dabei handelt es sich um eine überschaubare Veranstaltung. Bei der Kunstmesse musste man erkennen, dass andere Städte Frankfurt weit voraus sind – derzeit weiß niemand, was es 2008 überhaupt geben wird.

So bleibt auch Frankfurt nur die Hoffnung, andernorts Messen abzuwerben. Doch wenig ist auf dem Markt. Dabei ist in Frankfurt durch die Vorverlegung der Tendence der attraktive August-Termin frei. Gerne hätte man die Kölner Möbelmesse, doch daran ist im Moment nicht zu denken. Ein heftiger Wettbewerb ist hingegen um die Computerspiele-Messe entbrannt, aber nicht nur zwischen Leipzig, wo sie derzeit stattfindet, und Frankfurt. Vielmehr wollen alle Messestandorte diese attraktive Ausstellung einer Wachstumsbranche haben.

„Vor allem kümmern wir uns um unseren Heimatstandort Frankfurt“, gelobte Zitzewitz gestern und schilderte die beachtlichen Investitionen ins Gelände. Unterdessen hat man den Ausstellungstermin Anfang Juli völlig neu geordnet – Tendence, Collectione und Design Annual sollen fortan gleichzeitig stattfinden. So könne die Tendence zu alter Größe wachsen, sagte Peters gestern. Und wenn es schon nicht gelingt, die Möbelmesse aus Köln wegzulocken, dann will man die Domstadt wenigstens ein bisschen ärgern. Bei der neuen Dreifach-Messe, so verkündete Peters, würden künftig auch junges Wohnen und überhaupt Möbel und Leuchten gezeigt. Klein beigeben will die Geschäftsführung nicht. Manfred Köhler



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

 

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