Von Thorsten Winter
05. August 2004 Was der Chef verdient, darf bei der Altana AG in Bad Homburg jeder wissen. Nikolaus Schweickart läßt schon seit 2002 sein Jahressalär im Geschäftsbericht des Pharma- und Spezialchemiekonzerns und somit auch im Internet veröffentlichen. Dort steht auch, was seine drei Vorstandskollegen und die Mitglieder des Aufsichtsrats in Euro und Cent erhalten. Damit wird Altana dem Deutschen Corporate-Governance-Kodex gerecht, der unter Leitung des Aufsichtsratschefs von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, erarbeitet worden ist. In diesem Regelwerk sind Leitlinien für eine gute Unternehmensführung enthalten. Unter anderem sieht der Kodex eben vor, Managergehälter freiwillig zu veröffentlichen.
Allerdings halten sich längst nicht alle der börsennotierten Unternehmen an diese Vorgabe. Nur knapp ein Drittel der im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne legt die Manager-Gehälter offen (F.A.Z. vom 3. August). Deshalb ist von einem Schweigepakt die Rede. Auch einige im Rhein-Main-Gebiet ansässige Unternehmen weisen nicht nach, was die einzelnen Vorstände überwiesen bekommen.
Wall Street verlangt Offenlegung
Die Spitze der Altana AG hat sich schon im Oktober 2002 zum Corporate-Governance-Kodex bekannt: Dieses neue Regelwerk für börsennotierte Gesellschaften ist eine gute Grundlage, die Informationspolitik der Unternehmen internationalen Standards anzupassen und die Transparenz zu erhöhen, hob Schweickart seinerzeit hervor und verwies darauf, daß das Unternehmen nicht nur im Dax, sondern auch an der New Yorker Börse an der Wall Street gelistet ist. Und folglich die Höhe der Bezüge veröffentlicht. Demnach hat der Vorstandschef im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Euro verdient, Altana-Pharmavorstand Hans-Joachim Lohrisch 1,26 Millionen Euro, Finanzvorstand Hermann Küllmer eine Million Euro und der für die Chemiesparte verantwortliche Matthias Wolfgruber 700.000 Euro.
Mit der Linde AG ist ein anderes im Dax gelistetes Unternehmen verschlossener. Der in Wiesbaden ansässige Konzern teilt der Öffentlichkeit nicht mit, wer an der Spitze wieviel verdient. Linde beläßt es dabei, die Gesamtvergütung für die fünf Vorstandsmitglieder mit Wolfgang Reitzle an der Spitze zu nennen: 6,9 Millionen Euro bekam das Quintett nach Angaben eines Sprechers im vergangenen Jahr. Damit liegen wir im Dax-Vergleich im unteren Drittel, sagte der Sprecher dieser Zeitung.
D.Logistics: Debatte überspitzt
Er führte zwei Argumente an, nur die Gesamtvergütung zu publizieren: zum einen die Gesamtverantwortung des Vorstands, auf die auch BASF verweist, und zum zweiten die Möglichkeit, daß die Vergütung nivelliert werden könnte, falls sie für jeden Einzelnen genannt würde. Und anders als etwa bei Daimler-Chrysler, wo Mercedes-Mitarbeiter gerade auf Gehaltsbestandteile verzichten mußten, sei bei Linde eine höhere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich oder ähnliches kein Thema. Damit sei bei dem Autobauer eine klare Verbindung zur Corporate-Governance-Debatte gegeben, bei Linde indes nicht.
Auch der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck in Darmstadt, D.Logistics in Hofheim und der Headset-Hersteller Ceotronics in Rödermark veröffentlichen die Bezüge der Konzernspitze nicht individuell. Bei dem Unternehmen wird die aktuelle Debatte in Deutschland als überspitzt angesehen. Zu sagen, wer was verdiene, bringe keinen starken Zusatznutzen für die Aktionäre, meinte ein Sprecher.
Merck: Mitglieder der Geschäftsleitung keine angestellten Manager
Bei uns werden die Bezüge nicht individuell darstellt, weil die Mitglieder der Geschäftsführung keine Angestellten sind, sondern persönlich haftende Gesellschafter und damit Unternehmer, hob ein Sprecher von Merck hervor. Der Darmstädter Konzern, Ceotronics und D.Logistics halten es wie Linde und benennen die Gesamtvergütung. Demnach flossen den drei D.Logistics-Vorstandsmitgliedern zuletzt 954.000 Euro zu; die beiden neuen Vorstände erhielten jeweils 16.667 Aktienoptionen, die seinerzeit fünf Ceotronics-Vorstände kamen gemeinsam auf 726.000 Euro. Der Merck-Vorstand erhielt insgesamt ein Gehalt von 2,5 Millionen Euro plus eine Gewinnbeteiligung von 5,7 Millionen Euro.
Flughafenbetreiber Fraport und Pharmakonzern Stada zählen dagegen wie Altana zu jenen Unternehmen, die frühzeitig die Manager-Gehälter offengelegt haben. Bei Fraport, wie Stada und Merck im Mittelwerte-Index MDax gelistet, haben Aufsichtsrat und Vorstand schon im September 2002 das Regelwerk verabschiedet. So hat Fraport-Chef Wilhelm Bender im vergangenen Jahr 584.000 Euro sowie 20.000 Aktienoptionen bekommen. Sein Stellvertreter Manfred Schölch verdiente 493.000 Euro plus 17.000 Aktienoptionen. Insgesamt erhielten die Fraport-Vorstände 2,2 Millionen Euro plus Aktienoptionen.
Celanese verfährt wie in Amerika üblich
Knapp 3,4 Millionen Euro hat die Stada AG in Bad Vilbel im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht dem Quartett an ihrer Spitze bezahlt. Vorstandschef Hartmut Retzlaff kam auf 1,376 Millionen Euro, wobei das Fixgehalt genau bei 571.851,06 Euro lag. Der für die Produktion zuständige Peter Niemann verdiente gut 677.000 Euro, Finanzvorstand Wolfgang Jeblonski 664.000 Euro und der für Forschung & Entwicklung verantwortliche Klaus-Peter Reich knapp 681.000 Euro. Zum Vergleich: Aufsichtsratschef Eckhard Brüggemann erhielt 43.000 Euro.
Vorbildlich hat sich auch die Kronberger Celanese AG mit Blick auf die Corporate-Governance-Vorgaben zu Manager-Gehältern verhalten und diese in ihrem Finanzbericht 2003 aufgeschlüsselt. Vorstandschef Claudio Sonder konnte sich über ein Jahressalär von knapp 5,6 Millionen Euro vor Steuern freuen, wovon rund 910.000 Euro fix waren. Die Summe enthält aber eine zurückgestellte Sonderleistung in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die beim vereinbarten Ausscheiden des Vorstandschefs im Oktober dieses Jahres ausgezahlt wird. Sonders Stellvertreter David Weidmann erhielt 1,35 Millionen Euro. Die Frage, ob die Bezüge offengelegt werden oder nicht, stellte sich für Celanese nicht. Denn 2003 war der Chemiekonzen noch an der Wall Street gelistet - und dort ist diese Art der Transparenz üblich.
Ebenso wie bei der Deutschen Euroshop AG, die sich Einkaufszentren beteiligt und zu der unter anderem das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach zählt. Vorstand Claus-Matthias Böge wurden im vergangenen Jahr 294.000 Euro ausgezahlt, sein zum 1. Juli besteller Vorstandskollege Dirk Hasselbring bekam für den Rest des Jahres 60.000 Euro.
Text: @thwi
Bildmaterial: Altana, dpa
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