Postdienstleister

Ärger und Hoffnung bei gescheiterter Pin Mail

Von Tim Kanning

01. April 2008 Der Postmarkt in Frankfurt verliert wieder an Farbe. Die „grüne“ Post, die als Pin Mail Frankfurt GmbH & Co. KG an den Start gegangen war, um der großen „gelben“ ihren ehemaligen Monopolmarkt streitig zu machen, stellt an diesem Dienstag ihren Geschäftsbetrieb ein. Schon seit Freitag Nachmittag werden keine Briefe mehr abgeholt, Sendungen, die noch unterwegs sind, wurden – wie aus der Belegschaft zu hören war – an die Deutsche Post übergeben.

Das Aus kommt überraschend. Wie ein Mitarbeiter gestern sagte, hätten viele der 130 Mitarbeiter am Samstag von ihrem Kündigungsschreiben erfahren, während sie die Pin-Post austrugen. Noch am Mittwoch hatte ihnen die Geschäftsführung gesagt, dass die Chancen gut stünden, dass sich ein Investor für die angeschlagene Gesellschaft finde. Seit Ende Januar läuft für die Frankfurter Tochter der Pin Group AG ein Insolvenzverfahren, bis Ende März erhielten die Mitarbeiter ihr Gehalt von der Bundesagentur für Arbeit.

Übernahmeangebot ausgeschlagen

„Uns ist am Freitag der sicher geglaubte Investor abgesprungen“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Andreas Ringstmeier. Nach seinen Angaben musste den Mitarbeitern fristgerecht zum Monatsende gekündigt werden, damit die auslaufenden Zahlungen der Arbeitsagentur nicht aus der zu schützenden Insolvenzmasse ge zahlt werden müssten.

Thomas Kirschner, geschäftsführender Gesellschafter von Pin Frankfurt, zeigte sich betroffen von der überraschenden Absage des Investors. Bei der Mitarbeiterversammlung gestern Morgen sei die Stimmung „katastrophal und total niedergeschlagen“ gewesen. Für ihn ist die Kausalkette klar: „Hauptgrund ist der im Dezember eingeführte Mindestlohn. Daraufhin hat der Hauptinvestor kein Geld mehr in die Gesellschaft gesteckt.“ Er zeigte sich aber auch selbstkritisch: „Uns ist es nicht gelungen, große regionale Kunden zu gewinnen.“

Kirschner hatte nach eigenen Angaben schon am Mittwoch eine neue Firma gegründet, die Frankfurter Briefdienste, über die er dem Insolvenzverwalter ein eigenes Angebot für die Übernahme der Pin Mail Frankfurt unterbreiten wollte. „Das war Ringstmeier aber zu schlecht“, sagte Kirschner. Der Sprecher des Insolvenzverwalters wollte sich hierzu nicht äußern und berief sich auf die Investoren-Geheimhaltungspflicht.

Aufgeben will Kirschner indes nicht. Mit seiner neuen Firma will er nun noch einen Versuch starten, einen privaten Postdienstleister in Frankfurt zu etablieren. Der Unternehmer zeigte sich zuversichtlich, dass die operative Führung sowie entlassene Mitarbeiter der Pin Mail Frankfurt ihm dabei helfen werden, so dass schon in einigen Wochen die ersten Aufträge angenommen werden könnten. Auch seitens bisheriger Pin-Kunden habe er positive Resonanz bekommen. In dem neuen Konzept sei der Mindestlohn für Postzusteller von vornherein einzukalkulieren, sagte Kirschner. Von der Presse-Vertriebs-Gesellschaft KG, bei der Kirschner ebenfalls als geschäftsführender Gesellschafter zeichnet, solle das neue Unternehmen unabhängig sein.

„Unternehmerische Fehlentscheidungen“

Zu den großen Kunden von Pin Mail Frankfurt hatten die Süwag Energie AG und die Alte Oper gehört. Vom 1. Mai an sollte der „grüne“ Zustelldienst auch die externe Post der Mainova AG erledigen, zum Beispiel an die Kunden des Hauses. Die Pin Mail hatte sich bei dem auf 900.000 Euro lautenden Auftrag nach Angaben des Energieversorgers in einer europaweiten Ausschreibung gegen zwei weitere Bewerber durchgesetzt – weil sie das günstigste Angebot gemacht habee.

Aus der ehemaligen Pin-Belegschaft in Frankfurt war neben Ärger über die abrupten Kündigungen auch Kritik an der Geschäftsführung zu vernehmen. Schuld an dem Scheitern sei nicht allein der Mindestlohn, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter, auch unternehmerische Fehlentscheidungen habe es gegeben. So sei trotz des finanziellen Engpasses eine teure Sortiermaschine angeschafft worden. Der Sprecher des Insolvenzverwalters konnte zu diesen Vorwürfen noch nichts sagen. „Woran es jetzt in Frankfurt im Detail gelegen hat, werden wir noch prüfen.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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