Chemie

Geohumus baut Produktion in Frankfurt aus

Von Thorsten Winter

Kann gut das Dreißigfache des Eigengewichts an Wasser speichern: Geohumus-Granulat

Kann gut das Dreißigfache des Eigengewichts an Wasser speichern: Geohumus-Granulat

18. September 2006 Für Geohumus International in Frankfurt beginnt es sich auszuzahlen, beim hessischen Existenzgründer-Wettbewerb Science4Life unter den Siegern gelandet zu sein. Geschäftsführer Wulf Bentlage hat inzwischen mehr als 200 Anfragen aus aller Welt von Unternehmen und Institutionen erhalten, die sich für das von der Firma entwickelte wasserspeichernde Granulat Geohumus interessieren. Außerdem steht die erst 2005 gegründete Geohumus International GmbH vor dem erheblichen Ausbau ihrer Produktion in Frankfurt. Dies sagte Bentlage, dessen Unternehmen gerade mit den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Konzept“ geehrt worden ist dieser Zeitung.

Ursprünglich hatte Bentlage geplant, eine größere Produktionsanlage in naher Zukunft auf der Arabischen Halbinsel hochziehen zu lassen. Allerdings will Geohumus International nun zuerst auf dem Gelände der Allessa-Chemie in Frankfurt-Fechenheim bleiben, wo die Firma bisher 1000 Tonnen Geohumus in Jahr herstellen kann - eine Menge, die einem Umsatz von etwa sechs Millionen Euro entspreche. Künftig sollen es 20.000 bis 30.000 Tonnen sein. Zu diesem Zweck wolle der Betrieb in ein größeres Gebäude auf dem Gelände des Chemie-Unternehmens umziehen, wobei die bisherige Anlage in Betrieb bleiben solle. Er sei in Gesprächen mit der Allessa-Chemie, so Bentlage. Die neue Produktionsstätte will der Unternehmer schon im nächsten Frühjahr anlaufen lassen.

In Frankfurt günstiger als im arabischen Raum

Er gebe derzeit Frankfurt aus Kostengründen den Vorzug vor der Arabischen Halbinsel. Entgegen seiner Annahmen sei es günstiger, die hier bestehende Infrastruktur mit dem für die Produktion notwendigen vollentsalzten Wasser, Notstrom, Dampf- und Energieversorgung und Klimaanlagen zu nutzen als dort eine Fabrik vollständig aus dem Boden zu stampfen. Das Ziel, künftig im arabischen Raum zu produzieren, hat der Geschäftsführer nach eigenen Worten aber nicht aufgegeben. Mittelfristig solle dort eine Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen entstehen. Schließlich biete diese Region sowohl den für die Produktion von Geohumus notwendigen Rohstoff Öl als auch wichtige Abnahmemärkte.

Geohumus wird in einigen arabischen Ländern schon eingesetzt. So auf einem Golfplatz in Dubai: Um die Grüns tatsächlich grün zu halten, muß der Betreiber die Anlage für rund 250.000 Euro wässern. „Unser Produkt kostet für den Platz etwa 320.000 Euro“, so Bentlage. In den Vereinigten Arabischen Emiraten habe ein Betreiber einer Dattelpalmen-Plantage den wasserspeichernden Stoff in den Boden eingearbeitet.

Modellprojekt mit Biodiesel-Herstellern

Die Fortschritte beim Geschäftserfolg schlagen auch auf die Personalplanung durch. Zum 1. Oktober nimmt ein Vertriebsleiter seine Arbeit auf. Für die Produktion will Bentlage etwa 20 Mitarbeiter einstellen, da der Ein-Schicht- auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt werden soll, wie er weiter ausführte. Derzeit stellen elf Beschäftigte das Granulat her.

Noch in diesem Jahr soll laut Bentlage ein Modellversuch beginnen, bei dem das Unternehmen mit der Hessen-Agentur und Herstellern von Biodiesel, bei dessen Produktion Glycerin anfällt, kooperiert. Bei diesem Versuch solle der beste Weg ermittelt werden, wie Glycerin in Acrylsäure umgewandelt werden kann, um mit diesem Stoff statt mit Ölprodukten dann Geohumus herzustellen. Auch erhofften sich die Beteiligten eine Antwort auf die Frage, wie eine Anlage gestaltet werden muß, in der das Abfallprodukt aus dem Biodieselgeschäft umgewandelt wird.

Bentlages Kalkül: Zum einen würde seine Firma unabhängiger von Rohöl und Geohumus auf Basis nachwachsender Rohstoffe attraktiver für Bio-Landwirte und -Gärtner, die sich grundsätzlich für wasserspeicherne Stoffe interessierten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: geohumus

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