Versandhandel

Neckermann baut 175 Logistik-Stellen ab

Von Thorsten Winter

“Überkapatität in der Logistik“: Frankfurter Versender Neckermann

"Überkapatität in der Logistik": Frankfurter Versender Neckermann

03. Juli 2009 Die Neckermann.de GmbH in Frankfurt wird die Zahl der Arbeitsplätze im Versand weiter verringern. Nachdem im vergangenen Jahr am Stammsitz schon etwa 50 Mitarbeiter der Logistiktochtergesellschaft das Unternehmen verlassen mussten, sollen nun weitere Beschäftigte folgen. „Aufgrund von Mengenrückgängen haben wir am Frankfurter Logistikstandort eine Überkapazität von rund 175 Vollzeitstellen“, bestätigte das Unternehmen. Neckermann hat zuletzt binnen Jahresfrist rund 30 Prozent Umsatz mit Textilien verloren. Deshalb fehlen entsprechende Mengen, die von Frankfurt aus versendet werden könnten.

Der Umsatzrückgang im Bekleidungsgeschäft ist durchaus gewollt: Nach einer Vorgabe der früheren Geschäftsführung, die Ende 2008 überraschend abtrat, nahm das Unternehmen bestimmte Waren aus dem Programm. Auf diese Art und Weise will der seit Jahren Verluste schreibende Versand den nicht rentablen Umsatz zurückfahren. Dies geht nach Angaben von Thomas Schmidt, dem Betriebsratsvorsitzenden der Neckermann Logistik GmbH, zu Lasten des Versands in Frankfurt-Fechenheim. Von dort aus versendet Neckermann Artikel, die von Postdiensten zu den Kunden gebracht werden – also gerade Textilien.

„Ernten schlechte Früchte des vergangenen Jahres“

Der Stellenabbau ist laut Unternehmen „unvermeidlich“. Sachliche Gründe zum Stellenabbau liegen vor, räumt Schmidt ein. Der Betriebsrat habe zwar mit Kurzarbeit geliebäugelt, auch habe die Arbeitsagentur Unterstützung signalisiert. Es fehle aber der positive Ausblick auf die Zeit nach der Kurzarbeit – in diesem Fall wieder anschwellende Mengen für den Versand ab Frankfurt. Deshalb biete sich Kurzarbeit nicht an. Für die Logistik-Mitarbeiter sei dies bitter, da sie den Lauf der Dinge nicht beeinflussen könnten. „Wir ernten nun die schlechten Früchte des vergangenen Jahres, das suboptimal verlaufen ist“, sagt Schmidt – nicht zuletzt angesichts der monatelangen Vakanz nach dem Abgang der früheren Geschäftsführung.

Der Betriebsrat fordert nun, die Expansion im Internet konsequent zu verfolgen. Wenn Neckermann besonders über das Internet Kunden erreichen und Umsatz erzielen wolle, müsse der Versender die Mitarbeiter entsprechend schulen und in die EDV investieren. „Dann habe ich auch die stille Hoffnung, dass die Mengen wieder steigen“, sagt Schmidt.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z. vom Samstag, 4. Juli 2009.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: DIETER RÜCHEL

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