Airport City

Wenn der Flughafen zur Stadt am Rand der Stadt wird

Von Rainer Schulze

20. April 2008 Mit doppelseitigem Klebeband hatten Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport den Plan für die „Airport City“ am Messestand in Cannes befestigt. Mit der zwei Meter breiten Übersicht, dem „Immobilienmasterplan 2025“, wollte Fraport auf der Immobilienmesse Mipim im März Mieter für die „Airport City“ werben. In Frankfurt werden diese Bemühungen noch für reichlich Diskussionen sorgen: Denn der Plan, an dem das Büro Albert Speer und Partner beteiligt gewesen sein soll, enthält Vorhaben, die für die Entwicklung der Innenstadt durchaus pikant sind.

Schon im März konnten sich Besucher der Immobilienmesse en détail anschauen, wie der Flughafen in den nächsten Jahren wachsen soll. Neben dem Logistik- und Gewerbezentrum auf dem Mönchhofgelände und anderen Vorhaben, die mit dem Flughafenausbau einhergehen, sind dort nämlich auch östlich des geplanten Terminals 3 und zwischen Terminal 1 und 2 Büroflächen eingezeichnet, die in Konkurrenz zur Innenstadt treten könnten. Dass Fraport auf der Mipim weit gediehene Planungen für Projekte wie „Airport Office Center“ vorstellte, von denen die Stadt nach deren Angaben nichts wusste, war ein diplomatisches Missgeschick. Die Oberbürgermeisterin und der Planungsdezernent waren in Cannes einigermaßen überrascht.

Deutsche Börse soll interessiert gewesen sein

Über den „diplomatischen Fauxpas“, wie Michael Kummer, Leiter der Bauaufsicht, das Missgeschick nennt, sei man hinweg. Doch er sei „ein kleiner Auslöser für ein fundamentales Problem“. Denn es geht nicht nur um 45.000 Quadratmeter Bürofläche mehr oder weniger, die in dem knapp 60 Meter hohen „Airport Office Center“ zwischen Terminal 2 und A 3 entstehen sollen. Es geht um etwas Grundsätzliches: Fraport präsentiert seine Pläne als „Airport City“. Sollte sich der Flughafen zu einer Stadt mit allen Funktionen (außer Wohnen) entwickeln, könnten sich lukrative Mieter gegen die Innenstadt entscheiden. Wie interessant für große Unternehmen die Flughafennähe ist, verdeutlicht der geplante Umzug der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ins Airrail-Center über dem Fernbahnhof, das derzeit gebaut wird. Zuverlässige Branchengerüchte besagen, dass sich auch die Deutsche Börse für eine Fläche auf dem Neubaugebiet Gateway Gardens am Frankfurter Kreuz interessierte, bevor sie sich für einen Umzug nach Eschborn entschied.

Umstritten ist vor allen Dingen das Vorhaben, das Fraport zwischen den Terminals 1 und 2 und plant: die sogenannte „Airport City Mitte“. Im Kern der Airport City sollen nach Willen der Fraport neue Bürogebäude und Freiräume entstehen, das städtebauliche Umfeld soll neu geordnet werden. Bis 2020 werden laut Fraport insgesamt rund zehn Milliarden Euro am Standort Flughafen investiert. Dazu zählen die Erschließung von Gateway Gardens mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro und die Baukosten des Airrail-Centers in Höhe von 700 Millionen. Das Ausbaupaket (Landebahn, Vorfelder, Terminal 3, Erweiterung der bestehenden Terminals) beläuft sich auf sieben Milliarden Euro. Im Zuge des Ausbaus sollen bis 2018 mehr als 300 000 Quadratmeter Bürofläche entstehen - Gateway Gardens mit weiteren 700 000 Quadratmetern nicht mitgerechnet.

Planungsrechtlich ist die Lage recht kompliziert. Es gilt kein Bebauungsplan, neue Bauten müssen aber von der Stadt genehmigt werden. Am Flughafen gilt die Planfeststellung nach dem Luftverkehrsrecht. Das Gelände wird als „Verkehrsanlage mit Nebenanlagen“ behandelt. Ergänzend gilt Paragraph 34 des Baugesetzbuches, der die Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb eines Ortsteils regelt. Im Gesetz steht, dass ein Vorhaben zulässig ist, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.

Für die Stadt bedeutet dies, dass die Nutzung „flughafenaffin“ zu sein hat. Mit anderen Worten: Büros für Fluggesellschaften und Fraport sind in Ordnung, nicht aber Geschäftsflächen, die auf andere Mieter zielen. „Büros, die hier entstehen, entstehen nicht in der Innenstadt. Sollte die Gefahr bestehen, dass das Vorhaben in Konkurrenz zur Innenstadt tritt, muss ein Bebauungsplan her“, sagt Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). Über einen Bebauungsplan könnte die Art der Nutzung genau geregelt werden. Der Vorteil für den Flughafen: Er hätte Planungssicherheit und wäre gegen Klagen von Anrainerkommunen gewappnet.

„Weiterer Immobilienbedarf“

Fraport wünscht hingegen keinen Bebauungsplan. Außerdem interpretiert das Unternehmen „flughafenaffine Nutzung“ anders: Nach Darstellung von Christoph Hommerich, Bereichsleiter Immobilien bei Fraport, der die Planung gestern Abend vor der CDU-Sachsenhausen präsentierte, ist eine Nutzung dann „flughafenaffin“, wenn sie sich aus dem Flugverkehr ableitet: „Die zusätzlichen Passagiere und Flugbewegungen erzeugen einen weiteren Immobilienbedarf.“ Dazu zählt er nicht nur Aufenthaltsräume, Kantinen und Büros für die eigenen Mitarbeiter und die der Airlines. Die Passagiere erwarteten neben Restaurants, Parkflächen und Hotels auch Konferenzcenter und Büros. „Der Schwerpunkt des Flughafens liegt auf Geschäftsreisen und auf Luftfracht. Wir müssen den Passagieren einen vernünftigen Standort anbieten.“ Die Entwicklung einer Airport City lasse sich im Zuge des Ausbaus nicht aufhalten.

Nach Ansicht von Hommerich wird der Flughafen keine Anziehungskraft auf Banken entwickeln, da diese die Innenstadtlage bevorzugten. Allerdings wolle Fraport Unternehmen einen Standort bieten, die besonders „flughafenaffin“ sind, also die viel Wert auf Mobilität ihrer Mitarbeiter legen müssen. „Wir ergänzen lediglich mit unserer sehr attraktiven Lage das Angebot der Stadt, wo attraktive Flächen knapp werden.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 

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