Von Christian Siedenbiedel
25. April 2007 Der Stellenabbau in der Versicherungsbranche hört offenbar nicht auf. Nach Kürzungen bei der Allianz in Frankfurt und der DBV-Winterthur in Wiesbaden will nun die Alte Leipziger Lebensversicherung fast jede fünfte Stelle streichen. Dies sei Teil eines Kostensenkungsprogramms bei Sach-, Vertriebs- und Personalkosten in Höhe von 30 Millionen Euro, teilte das Unternehmen in Oberursel mit. Von den knapp 1250 Stellen sollten 200 bis 250 abgebaut werden. Dabei werden betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Ziel der bis 2009 laufenden Schritte sei es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Zu den Gründen für die Einsparungen wollten weder die Unternehmensführung noch der Betriebsrat Angaben machen. Ein Sprecher verwies auf die Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 31. Mai. Bei der Vorstellung der letzten bislang veröffentlichten Geschäftszahlen für 2005 hatte der Unternehmensverbund Alte Leipziger-Hallesche, zu dem die Lebensversicherung gehört, mitgeteilt, nur die Hallesche Krankenversicherung habe die Beitragseinnahmen steigern können, bei den anderen Verbundunternehmen, also auch der Lebensversicherung, seien sie rückläufig gewesen.
Mitarbeiterzahl schon rückläufig
Die Mitarbeiterzahl bei der Alte Leipziger Lebensversicherung war laut Geschäftsbericht schon in den vergangenen Jahren leicht rückläufig gewesen, im Innendienst von 1189 im Jahresdurchschnitt 2003 auf 1150 im Jahr 2005; im Außendienst im selben Zeitraum von 92 auf 78. 2006 sollen es noch etwas weniger gewesen sein.
Die Gewerkschaft Verdi machte einen mörderischen Wettbewerb in der Versicherungsbranche für den Stellenabbau verantwortlich. Bei der Alte Leipziger Lebensversicherung war 2005 das Neugeschäft nach dem Boom des Vorjahres um gut ein Drittel zurückgegangen. Offensichtlich eifert die Alte Leipziger dem nach, was die Großen der Branche wie die Allianz in negativer Weise vormachen, kritisierte Verdi-Versicherungsexperte Walter Kaufmann die Pläne.
Der Versicherungsriese Allianz betreibt trotz Milliardengewinnen den Abbau von gut 5700 Stellen in Deutschland. Auch der Versicherungskonzern Axa hatte Anfang April angekündigt, nach der Übernahme der DBV-Winterthur bis Ende 2009 insgesamt 1200 seiner 10 380 Stellen in Deutschland zu streichen. Besonders betroffen davon ist Wiesbaden als bisheriger Hauptsitz der DBV-Winterthur. Dort sollen in den nächsten drei Jahren 750 bis 900 der gut 2000 Stellen wegfallen.
Schatten auf Versicherungsstandort
Die hessische Landesregierung hatte sich bereits vor zwei Wochen besorgt über diese Entwicklung am Versicherungsstandort Rhein-Main geäußert. Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) hatte gesagt, der drohende Verlust hunderter Arbeitsplätze werfe einen Schatten auf den starken Versicherungsstandort Rhein-Main. Dennoch bleibe die Region ein europäischer Spitzenstandort der Versicherungsbranche. Sie verfüge über eine große Dynamik und eine hervorragende Infrastruktur. Rund 60 Prozent aller in der hessischen Versicherungsbranche Beschäftigten arbeiteten im Rhein-Main-Gebiet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
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