Fraport

Frankfurt wächst langsamer als die Konkurrenz

Von Jochen Remmert

06. März 2007 Eine Umsatzsteigerung um 2,6 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro und eine Gewinnsteigerung um 41,7 Prozent auf 228,9 Millionen Euro: Was die vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen für 2006 betrifft, steht der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG glänzend da. Allerdings ist das Ergebnis eher trotz des Verlaufs im ursprünglichen Kerngeschäft Flugbetrieb gut, nicht wegen diesem.

Denn der besonders deutliche Gewinnanstieg hat seine Ursachen auch in Einmaleffekten aus einer geänderten Steuergesetzgebung, einer Ausgleichszahlung für das gescheiterte Flughafenprojekt in Manila und aus dem Verkauf einer Tochterfirma. Und vor allem wächst der Frankfurter Flughafen, das „Flaggschiff des Konzerns“, deutlich langsamer als die deutsche Konkurrenz. Insgesamt verzeichneten die 19 großen Verkehrsflughäfen in Deutschland im vergangenen Jahr ein Wachstum der Passagierzahlen um 5,3 Prozent, Frankfurt fällt mit lediglich 1,1 Prozent deutlich hinter diesen Durchschnittswert zurück – auch wenn Fraport das vergangene Jahr mit einem Passagierrekord von gut 52,8 Millionen Fluggästen abschloss.

„Airport City Frankfurt“ wächst

Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, ließ keinen Zweifel daran, dass er mit dem vergleichsweise geringen Wachstum der Passagierzahlen nicht zufrieden ist. Die Entwicklung des Flughafens werde zunehmend von Kapazitätsengpässen gebremst, der Ausbau sei längst überfällig. Mit der Inbetriebnahme der geplanten Nordwestlandebahn rechnet Bender nun zum Winterflugplan 2011. Wenn ein Flughafen wie Frankfurt wegen einer mehr als zehnjährigen Vorlaufzeit für bedeutende Infrastrukturprojekte derart beschränkt werde, riskiere man, dass sich die Luftverkehrsströme irgendwann andere Wege suchten, sagte er. Und wenn in Frankfurt immer öfter Nachfragen nach Slots – den Zeitfenstern für Starts und Landungen – negativ beantwortet werden müssten, sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich potentielle Kunden ein anderes Luftdrehkreuz in Europa suchten, um ihre Flüge abzuwickeln.

Die Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr ist Bender zufolge den höheren Erlösen aus Sicherheitsdienstleistungen zuzuschreiben und den Mehreinnahmen aus dem Einzelhandel am Flughafen sowie der sonstigen Immobilienbewirtschaftung inklusive des Geschäfts mit den Parkhäusern. Das alles entwickle sich sehr erfreulich. Im Immobiliengeschäft sieht Bender denn auch in Zukunft den wichtigsten „Werttreiber“.

Die Cargo City Süd, das nun begonnene Airrail Center auf dem Dach des ICE-Bahnhofs am Flughafen, der Ausbau der Einzelhandelsflächen in den beiden bestehenden Terminals und das geplante dritte Terminal sind Teil des Konzeptes „Airport City Frankfurt“, mit dem Fraport auch künftig Ertragswachstum erzielen will. Teil dieser Strategie soll auch die Nutzung des Mönchhofgeländes und des ehemaligen amerikanischen „Gateway Gardens“-Areals sein. Auf dem Ticona-Gelände, das spätestens 2015 ganz an Fraport fallen soll, kann sich Bender Bürogebäude vorstellen, genauere Pläne gibt es offiziell aber noch nicht.

Rund 1100 neue Mitarbeiter eingestellt

Abgesehen vom Geschäft mit den Immobilien, das der Fraport AG heute schon mehr als die Hälfte des operativen Gewinns bringt, setzt die Betreibergesellschaft verstärkt auf das Auslandsgeschäft – mit dem Knowhow als Flughafenbetreiber: Bender rechnet damit, dass noch im Laufe des ersten Halbjahres 2007 ein Kooperationsvertrag für einen großen Flughafen in China geschlossen wird.

Im peruanischen Lima soll die Beteiligung am dortigen Flughafen aufgestockt werden. Als besonders positiv für das Auslandsgeschäft des Jahres 2006 bewertete Bender die erfolgreiche Bewerbung um den Betrieb des indischen Hauptstadtflughafens Delhi und jene für den Ausbau und Betrieb der bulgarischen Schwarzmeer-Flughäfen Varna und Bourgas.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Fraport allein am Standort Frankfurt die Zahl der Mitarbeiter um rund 1100 auf 17.500 im Jahresmittel erhöht. Der gesamte Konzern beschäftigt inzwischen zirka 28.300 Menschen. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit seines Unternehmens wertete Bender schließlich auch den anstehenden zweiten Besuch des Airbus A380, der in Frankfurt am 17. März zum Linienflugtest landen und hier mehrere Tage – mit Unterbrechungen – zu sehen sein wird. Aus diesem Anlass wird auch erstmals seit langer Zeit die Besucherterrasse am Terminal II geöffnet werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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