Luftfahrt

Dicke Luft bei der Lufthansa-Cityline

Von Jochen Remmert

16. Mai 2008 Die Lufthansa würde womöglich das Gros von 30 neuen Jets bei der Tochter Cityline einsetzen. Dem müsste aber die Pilotenvertretung Cockpit zustimmen. Die will aber erst mehr für die Cityline-Piloten herausholen, was dem sparsamen Lufthansa-Vorstand missfällt. Die Gespräche sind abgebrochen. Die Gewerkschaft Verdi, die die meisten der 2500 Cityliner vertritt, hält vor allem die Jobs des Bodenpersonals für akut gefährdet.

Zurzeit besteht die Flotte der Cityline aus 73 Flugzeugen, von denen acht in Frankfurt stationiert sind. Etliche der Flugzeuge sind in die Jahre gekommen, nicht mehr komfortabel genug und – aufgrund ihrer zu geringen Kapazität – auch nicht mehr rentabel genug. Deshalb hat die Lufthansa schöne neue Flieger namens Embraer bestellt, die ersten sollen im nächsten Jahr geliefert werden. Das schönste aus Sicht der Airline an den Flugzeugen des brasilianischen Herstellers Embraer ist, dass sie nicht nur als sehr sparsam im Vergleich zu älterem Fluggerät gelten, sondern gleichzeitig mehr Passagieren Platz bieten. Sie sind also deutlich rentabler zu betreiben.

Pilotenvereinigung bricht Gespräche ab

Gerade an diesem Kapazitätsgewinn hat sich aber der Ärger entzündet, denn eine Vereinbarung zwischen der Vereinigung Cockpit (VC) und dem Lufthansa-Vorstand von 1992 setzt fest, dass für den Fall des Einsatzes von Maschinen mit mehr als 70 Sitzplätzen bei der Cityline oder einer anderen Fluggesellschaft, an der die Lufthansa die Mehrheit der Anteile hält, erst mit der VC die dort geltenden Tarifverträge neu zu verhandeln sind oder die Maschinen nur von Piloten der Lufthansa-Passage geflogen werden dürfen, die deutlich mehr verdienen als die der Cityline. Und genau dieser Fall ist mit der Entscheidung eingetreten, die alten Jets durch die Embraer-Maschinen zu ersetzen.

Da die Verhandlungen aus Sicht der Pilotenvereinigung nicht weitergeführt haben, brach sie die Gespräche ab, wie eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte. Der Lufthansa-Vorstand überlege nun, an welcher Stelle der Konzern die bestellten Flieger einsetzen könnte.

Verdi vermutet: Neue Flugzeuge werden nicht bei Cityline eingesetzt

Das könnte beispielsweise bei Fluggesellschaften der Fall sein, die unter dem Namen „Lufthansa Regional“ eine Allianz von Regionalfluggesellschaften bilden. Dazu gehören nicht nur die Töchter und Beteiligungen Cityline, Air Dolomiti und Eurowings, sondern auch die Augsburg Airways und Contact Air. Wie die Sprecherin weiter mitteilte, werden die ersten sechs Embraer-Jets auf jeden Fall bei der italienischen Lufthansa-Tochter Air Dolomiti in Dienst gestellt.

Für die übrigen sei es nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass sie unter dem Lufthansa Cityline-Logo dereinst flögen – sofern doch noch eine Einigung mit der Pilotenvereinigung Cockpit erzielt werden könne. Es sehe nur auf den ersten Blick so aus, als ob die Tür zu neuen Gesprächen verschlossen sei, äußerte die Sprecherin vielsagend weiter.

Die Einschätzung der Cityline-Geschäftsführung klang dagegen unlängst noch sehr viel weniger ermutigend. Sie hatte die Belegschaft nach dem Scheitern der Gespräche offiziell darüber informiert, dass die neuen Flugzeuge nicht bei der Cityline eingesetzt würden, wie es bei Verdi heißt. Die Lufthansa-Sprecherin widersprach dieser Darstellung nicht, schränkte aber ein, dass das nur den Stand zum Zeitpunkt des Abbruchs der Gespräche wiedergebe.

Der Wettbewerb der Fluglinien ist hart

Eine Chance auf weitere Gespräche sieht offenbar auch VC-Sprecher Markus Kirschneck. Zumindest zeigte er sich ziemlich ungehalten darüber, dass die Gewerkschaft Verdi mit öffentlich geäußerten Befürchtungen über den Fortbestand der Cityline die Beschäftigten, von denen das Gros in Köln und München, aber auch 170 in Frankfurt stationiert sind, in Panik versetzte. Er sieht die Cityline, die 2007 rund 7,3 Millionen Passagiere befördert hat, nicht in Gefahr. „Verdi sollte sich lieber um das kleiner werdende Feld kümmern, das sie bestellt“, sagte er weiter. Dem hielt allerdings der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Cityline, Wilfried Schmitz, entgegen, dass er immer wieder von besorgten Belegschaftsmitgliedern darin bestärkt worden sei, sich für eine Einigung der seit Monaten ringenden Kontrahenten Vorstand und VC einzusetzen.

Abgesehen von dem offensichtlichen Konkurrenzkampf der beiden Gewerkschaften gilt als sicher, dass der Konzernvorstand auf keinen Fall ähnlich komfortable Entgeltbedingungen, wie sie für Piloten der Lufthansa-Passagierflotte gelten, auch in den Konzerntöchtern zu schaffen gedenkt. Der Wettbewerb der Fluglinien ist hart, wird durch die Kerosinpreise immer härter, und Airlines setzen alles daran, die Kosten nach Kräften zu dämpfen. Wie andere Industrien schauen sie dabei auch ganz genau auf die Personalkosten.

Für Aerologic schon acht neue Frachtmaschinen geordert

Und weil das so ist, befürchten inzwischen auch Piloten der Lufthansa Frachttochter Lufthansa Cargo AG, dass das Joint-Venture der Lufthansa mit der Post-Logistik-Tochter DHL namens Aerologic am Sitz des DHL-Frachtdrehkreuzes in Leipzig nicht einfach nur eine schöne neue Airline ist, sondern auch ein Mittel, um auf Dauer die Entgelte für Piloten abzusenken. Diese Befürchtungen werden dadurch genährt, dass für Aerologic schon acht von elf geplanten neuen Frachtmaschinen des Typs Boeing 777-200 geordert sind, die Lufthansa Cargo dagegen mit 19 MD 11-Langstreckenfrachtern gegen die Konkurrenz fliegt, von denen die jüngste Ende der neunziger Jahre gebaut wurde.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 

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