Messe Frankfurt

Viel Optimismus trotz rückläufigen Gewinns

Von Manfred Köhler

Zog ein letztes Mal die Jahresbilanz der Messe Frankfurt: Michael von Zitzewitz, der Ende März in Pension geht

Zog ein letztes Mal die Jahresbilanz der Messe Frankfurt: Michael von Zitzewitz, der Ende März in Pension geht

30. November 2009 

Nach dem Rekord der Absturz: Im vergangenen Jahr hatte die Messe Frankfurt GmbH mit einen Gewinn vor Ertragssteuern in Höhe von 51,6 Millionen Euro so viel verdient wie niemals zuvor – doch im laufenden Jahr wird es mit 29,9 Millionen Euro weitaus weniger sein. Wie Michael von Zitzewitz, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Unternehmens, am Montag berichtete, sinkt der Gewinn damit weitaus stärker als der Umsatz des Konzerns, der lediglich von 440 auf 423,5 Millionen Euro zurückgeht. Zur Begründung verwies er auf die beachtlichen Fixkosten, die auch bei bei verkleinerten Ausstellungen anfielen. Damit schlägt sich die sinkende Zahl von Ausstellern und Besuchern nun auch deutlich im Ergebnis der Gesellschaft nieder, die zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt, zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört.

Vor allem die Konsumgütermessen haben 2009 gelitten. Zur Ambiente im Februar waren sechs Prozent weniger Aussteller gekommen als 2008, bei der Herbstmesse Tendence betrug der Rückgang gar 28 Prozent. Die Heizungs- und Sanitärmesse ISH zählte hingegen zu den Ausstellungen, die der Rezession trotzten. Der deutliche Rückgang der Ausstellerzahl bei der Internationalen Automobil-Ausstellung wirkt sich allenfalls indirekt auf das Ergebnis der Messegesellschaft aus. Denn diese Schau wird vom Verband der Automobilindustrie veranstaltet, nicht von der Messegesellschaft selbst – sie vermietet dafür lediglich die Hallen. So ist es auch bei der Buchmesse.

Auftrieb in China, dank Konjunkturspritze

Doch geht es bei der Messegesellschaft schon lange nicht mehr allein um Frankfurt. Auch im Ausland gingen die Umsätze zurück, wie Zitzewitz berichtete. In China habe im zweiten Halbjahr dann das dortige Konjunkturprogramm Wirkungen gezeitigt; die Anmeldezahlen hätten seitdem bei fast allen dort veranstalteten Messen sogar über denen des Jahres 2008 gelegen. Alles in allem organisierte der Frankfurter Konzern 2009 weltweit 92 Messen mit 63.000 Ausstellern und 3,2 Millionen Besuchern.

Es war die letzte Wirtschaftspressekonferenz von Zitzewitz’, der am 31. März in den Ruhestand tritt. Der scheidende Messechef sagte, in den elf Jahren seiner Amtszeit habe sich der Konzern zu einem Global Player gewandelt, der fit sei für den internationalen Wettbewerb. 2010 werde aber ein schwieriges Jahr. Zitzewitz berichtete zum einen von einer Straffung der Organisation. So werde die Wiesbadener Tochtergesellschaft MFA in den Konzernteil Exhibition überführt, die Mitarbeiter könnten im Konzern bleiben. Zum anderen sprach der Messechef vom Zukauf weiterer Messeveranstalter oder Messen. Dafür stünden seit längerem 15 Millionen im Jahr bereit, doch seien im Durchschnitt nur acht Millionen ausgegeben worden.

Wella nach längerer Pause wieder dabei

Die Investitionen in Frankfurt gelten mit der Eröffnung der Halle 11 zur Automobil-Ausstellung als zunächst einmal abgeschlossen. Der Konzern habe in den vergangenen zehn Jahren 800 Millionen Euro an seinem Sitz investiert, berichtete Zitzewitz. Bis 2018 solle der Schuldenstand in Höhe von 212 Millionen auf Null zurückgeführt werden. Die Halle 11 sei sicherlich für längere Zeit das letzte größere Bauprojekt gewesen, sagte Uwe Behm, der auch der Geschäftsführung angehört.

Über 2010 hieß es, die Zahl der Anmeldungen für die Fachmesse Heimtextil im Januar stimme zuversichtlich, zur Hair & Beauty habe sich erstmals wieder auch Wella angemeldet, für die Light and Building im April sei das Messegelände schon jetzt nahezu ausgebucht. In Herne werde die Messe Frankfurt GmbH für den Axel-Springer-Verlag eine Verbrauchermesse namens „Bild-Stadt“ ausrichten. Geschäftsführer Detlef Braun äußerte die Hoffnung, derlei werde es dereinst auch in Frankfurt geben.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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