Von Manfred Köhler
21. Februar 2008 Für eine Fusion der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Frankfurt mit der West LB in Düsseldorf sieht es schlecht aus. Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen will ein solches Zusammengehen nicht; die Skepsis ist zu groß. Wie ein Sprecher des hessischen Finanzministeriums sagte, hat der Sparkassenverband wissen lassen, dass er an weiteren prüfenden Gesprächen nicht mehr interessiert sei.
Die hessische Regierung wäre zur weiteren Prüfung einer Fusion bereit gewesen, äußerte der Ministeriumssprecher. Man habe angesichts der Risikolage der West LB jedoch Verständnis für die Haltung des Sparkassenverbands, zumal dieser mit einem Anteil von 85 Prozent an der Helaba die wirtschaftliche Hauptverantwortung für dieses Haus trage.
Gespanntes Verhältnis zwischen Sparkassenverband und Landesregierung
Das im Herbst von den beiden Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen und Hessen, Jürgen Rüttgers und Roland Koch (CDU), angestoßene Vorhaben war von den Sparkassen von Anfang an kritisch gesehen worden. Sie sorgen sich, dass die Helaba durch ein Zusammengehen selbst in Schwierigkeiten gerät. Bisher ist das Frankfurter Kreditinstitut glimpflich durch die Finanzkrise der vergangenen Monate gekommen – ganz anders als die West LB. Hinzu kommt, dass noch keineswegs zu übersehen ist, welches Geschäftsmodell das Düsseldorfer Haus und welche Eigentümer es haben soll. Der Sparkassenverband hatte gleichwohl im Dezember zugestimmt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Chancen eines solchen Zusammengehens auslotet. Die Ergebnisse sollen bisher nicht vorliegen.
Vom Sparkassenverband gab es keine Stellungnahme. Zu hören ist in Frankfurt, dass die Meinungsbildung weit fortgeschritten ist, ein Beschluss der Verbandsgremien über die Beendigung der Gespräche jedoch aussteht. Dieser könnte frühestens am Donnerstag nächster Woche fallen, wenn der Verbandsvorstand tagt. Das Verhältnis zwischen dem Verband und der Landesregierung gilt freilich seit längerer Zeit als gespannt. Der Verband hält zwar die Mehrheit an der Helaba, verfolgt aber andere Interessen als das Land Hessen, das mit zehn Prozent an diesem Haus beteiligt ist. Fünf Prozent liegen beim Land Thüringen.
Der hessische Ministerpräsident wollte in den vergangenen Jahren, dass die Helaba gestärkt wird, indem sie auch in das Geschäft mit Privatkunden einsteigt. Gemeinhin besteht zwischen Sparkassen und Landesbanken insofern eine Arbeitsteilung, als sich Letztere um Großkunden kümmern. Das Privatkundengeschäft ist jedoch weniger für konjunkturelle Wechsellagen anfällig. Der Sparkassenverband will aber genau eine solche Vertikalisierung nicht, weil er um die Selbständigkeit der örtlichen Sparkassen fürchtet.
Landtagswahl in Hessen schafft neue Konstellationen
Zudem würde der Einfluss der Verbandsspitze schrumpfen, je mächtiger der Helaba-Konzern würde. Die Übernahme der Frankfurter Sparkasse durch die Helaba wurde vom Verband lediglich als Einzelfall akzeptiert, weil das traditionsreiche Frankfurter Haus in beträchtliche Schwierigkeiten geraten war. Als die Landesregierung das Sparkassengesetz in ihrem Sinne novellierte, kam es sogar zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen der Landesregierung und der Verbandsspitze.
Wie es heißt, war der Sparkassenverband keineswegs von Anbeginn an in die Gespräche über ein Zusammengehen der Helaba und der West LB eingebunden. Er soll erst zu einem relativ späten Zeitpunkt davon informiert worden sein. Die erste offizielle Stellungnahme stammte ohnedies weder von der hessischen Landesregierung noch vom Sparkassenverband Hessen-Thüringen, sondern von den Anteilseignern der West LB – das sind auch dort, vereinfacht gesagt, das Land und die Sparkassen – als Teil eines Zehn-Punkte-Plans, um das schwer angeschlagene Kreditinstitut aus der Krise zu führen.
Ohnedies hat sich die Konstellation durch die Landtagswahl in Hessen völlig geändert. Zwar hat sich auch die SPD für Gespräche über ein Zusammengehen mit der West LB ausgesprochen, doch ist keineswegs sicher, ob sich die nächste Landesregierung mit vergleichbarem Einsatz überhaupt der Sparkassen und der Helaba annimmt. Andererseits wächst der Druck auf die Landesbanken, sich zusammenzuschließen. Zuletzt hatte das Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gefordert. Generell herrscht auch bei den Sparkassen durchaus die Ansicht vor, eine einzige Landesbank für Deutschland reiche aus. Derzeit sind es noch elf.
Die Volks- und Raiffeisenbanken haben die Zahl ihrer Spitzeninstitute in den vergangenen Jahren immerhin bis auf zwei reduziert, von denen die DZ Bank in Frankfurt eines ist. Es ist die enge Verflechtung mit der Politik, die Fusionen erschwert. Eine fusionierte Helaba zum Beispiel zählte womöglich auch Nordrhein-Westfalen zu ihren Trägern. Einfacher würde es am Finanzplatz Frankfurt dadurch sicher nicht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP