Von Manfred Köhler
12. Oktober 2006 Mann Mobilia probiert es heute schon einmal. Um 22 Uhr wird es an der neuen Filiale in Eschborn ein Feuerwerk geben, und irgendwie sollen bis dahin die Ladentüren geöffnet bleiben. Schließlich könne man doch niemanden hinauskomplimentieren, wenn er kurz vor acht Uhr noch eine komplizierte Küchenplanung wünsche, heißt es.
Künftig soll es aber auch ohne solch gewagte Interpretationen des Ladenschlußgesetzes möglich sein, sein Geschäft bis in die Abendstunden, eigentlich sogar rund um die Uhr zu öffnen. Die hessische Landesregierung will für die Tage von montags bis samstags jedwede Beschränkung aufheben; wenn der Gesetzentwurf der CDU-Fraktion wie geplant im nächsten Monat alle Hürden im Landtag überwindet, könnte die Neuregelung schon Anfang Dezember Wirklichkeit werden.
Unentschlossenheit bei den Einzelhändlern
Allenthalben hat nun im Einzelhandel ein heftiges Nachdenken eingesetzt, ob man die neue Freiheit nutzen sollte und wenn ja, wie. Der Karstadt-Quelle-Konzern hat sich am Mittwoch als erster vorgewagt und angekündigt, zumindest die großen Kaufhäuser wie in Frankfurt sollten versuchsweise bis 22 Uhr geöffnet sein. Auch der Metro-Konzern, zu dem der Kaufhof sowie die Ketten Media-Markt und Saturn gehören, will die neuen Chancen nutzen, ebenso wie C & A und Ikea - stets mit dem Vorbehalt, es müsse sich rechnen.
Doch den Vorkämpfern der Einkaufsabende bläst ein starker Wind ins Gesicht. Ein Treffen der Anlieger der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil zu diesem Thema soll vor kurzem ohne einen Beschluß geendet haben - was den großen Geschäften gefällt, mögen die kleinen noch lange nicht. Einige Schritte weiter, an der Goethestraße, ist man sich sogar jetzt schon recht sicher, daß es das Einkaufen am Abend keinesfalls geben wird, wie es heißt.
Ganz anders sieht es im Main-Taunus-Zentrum aus. Dessen Manager Gerhard Baur hebt zwar hervor, noch sei nichts entschieden. Doch sagt er zum Weihnachtsgeschäft, jede Stunde zusätzlicher Öffnungszeit nutze dem Handel. Für die Zeit danach bezeichnet es Baur als denkbar, daß die Geschäfte zumindest von donnerstags bis samstags länger öffnen, vielleicht bis 21 Uhr, vielleicht noch eine Stunde länger. Das Main-Taunus-Zentrum hatte auch während der Fußball-Weltmeisterschaft die vorübergehende Aufhebung des althergebrachten Ladenschlusses weidlich ausgenutzt, wenn auch nicht immer zur Freude der einzelnen Geschäfte. H & M sowie P & C machten eine Zeitlang abends zu wie immer und nahmen offenbar die Konventionalstrafe in Kauf.
Langer Donnerstag im Gespräch
Im Frankfurter Nordwestzentrum war man damals zurückhaltender und ist es auch jetzt wieder. Geschäftsführer Georg Lackner hält es allenfalls für möglich, daß es einen einzigen langen Abend in der Woche gibt, wobei er an den Donnerstag denkt. Damit würde er an alte Zeiten anknüpfen: In den neunziger Jahren, als der gesetzliche Ladenschluß noch bei 18.30 Uhr lag, durften die Geschäfte eine Zeitlang zumindest donnerstags bis 20.30 Uhr öffnen.
Dieter Schoenfeld, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Frankfurt-Hochtaunus-Maintaunus, denkt in die gleiche Richtung. Er rate den Einzelhändlern im Umland, sich für einen Tag der Woche zu entscheiden, an dem dann die Geschäfte eines Ortes länger geöffnet seien, berichtete er gestern. Auch Schoenfeld bekundete Sympathie für den Donnerstag, der zum Teil umsatzstärker sei als der Freitag.
Zumindest in Bad Homburg, einer der wichtigsten Einkaufsstädte im Taunus, wird es soweit aber wohl nicht kommen. Bad Homburg funktioniert nicht wie ein Einkaufszentrum, sagt Eberhardt Schmidt-Gronenberg von der örtlichen Aktionsgemeinschaft. Die Geschäfte mit ihrem hochwertigen Angebot würden abends nicht besucht. Wie die Diskussionen im Einzelhandel ausgehen, läßt sich derzeit noch nicht einmal im Ansatz übersehen. Schoenfeld vom Einzelhandelverband über die Reaktionen seiner Mitglieder auf das rasche Vorgehen des Landes: Die sind ja alle noch im Schockzustand.
Text: F.A.Z., 13.10.2006
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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