Von Petra Kirchhoff
05. Mai 2008 Gemischtwarenladen war einmal. Wer heute die Frankfurter Filialen der beiden Warenhauskonzerne betritt, sucht Wühltische mit Sonderangeboten vergebens. Vielmehr betritt er im Fall der Galeria Kaufhof an der Hauptwache ein schickes, frisch renoviertes Weltstadthaus, das im Erdgeschoss mit hochwertigen Parfüm-, Schmuck- und Brillenmarken aufwartet. So ist es auch beim Konkurrenten Karstadt an der Konstablerwache, der seit längerem daran arbeitet, ein Premium-Kaufhaus zu werden. Beide Entrees muten sehr ähnlich an.
Gewaltige Summen haben die Konzerne wechselseitig in die Sanierung ihrer Frankfurter Filialen gesteckt. Kaufhof hat sich bereits vor acht Jahren für 28 Millionen Euro aufgehübscht - die jetzige Sanierung samt neuer Außenfassade dürfte deutlich mehr gekostet haben. Karstadt zog 2003 mit einem 30 Millionen teuren Umbau nach und hat schon Pläne für das nächste Lifting in der Schublade.
Trading-up - gehobene Marken, noblere Ausstattung - heißt diese Aufwertungsstrategie, mit der die Konzerne Metro und Arcandor (früher Karstadt-Quelle) versuchen, dem Niedergang der Branche zu trotzen. Um die Warenkaufhäuser alter Prägung ist es nicht gut bestellt. Seitdem auch Aldi und Tchibo Unterhemden und Bratpfannen verkaufen, laufen ihnen die Kunden davon. Die Rolle des klassischen Grundversorgers funktioniert nicht mehr. Inzwischen macht Bekleidung zwei Drittel des Sortiments der einstigen Allrounder aus. Mit der ursprünglichen Philosophie Alles unter einem Dach hat das nicht mehr viel gemein.
Rückläufige Umsätze plagen Warenhäuser
Dabei war es mal richtig schick, bei Karstadt und Kaufhof einzukaufen. In der Blütezeit der siebziger Jahre lag der Anteil der Warenkaufhäuser am gesamten Einzelhandelsumsatz bei knapp 15 Prozent. Inzwischen sind es nur noch 3,5 Prozent. Das vergangene Jahr war besonders hart. Knapp sechs Prozent haben die Warenkaufhäuser an Umsatz eingebüßt - und damit deutlich mehr als der Einzelhandel insgesamt. Wie ernst die Lage ist, zeigt nicht zuletzt die Entscheidung des Handelskonzerns Metro vom März, die einst stolze Marke Kaufhof zu verkaufen.
Wie es um die Häuser in Frankfurt bestellt ist, ist nur schwer zu ermitteln, denn Zahlen für einzelne Standorte geben die Mutterkonzerne nicht bekannt. Frank Albrecht, Präsident des Landesverbandes des Hessischen Einzelhandels, geht jedoch davon aus, dass die negative Entwicklung an der Zeil nicht ganz vorbeigegangen ist. Norbert Richter, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof, sieht sein Haus dagegen gut aufgestellt: Wir sind mit der Entwicklung absolut zufrieden. Für Frankfurt sehe ich keine Warenhauskrise.
An der Einkaufsmeile Zeil, die zu den bestbesuchten deutschen Einkaufsstraßen zählt, scheint in der Tat noch zu funktionieren, was andernorts in Frage gestellt wird - ob nämlich in den Warenkaufhäusern überhaupt noch Geld verdient wird. Es ist davon auszugehen, dass beide Häuser rentabel geführt werden, sagt etwa Karsten Burbach, Leiter des deutschen Retail-Geschäfts beim weltweit führenden Immobiliendienstleister CB Richard Ellis. Burbach bescheinigt beiden Kaufhäusern in dieser sehr guten Lage auch auf lange Sicht eine Existenzberechtigung. Gleichwohl werde die Luft dünner, stellt der Branchenfachmann fest.
Innenstadt statt grüne Wiese
Denn in Frankfurt passiert nun genau das, was in anderen Städten schon Realität ist: Nachdem die Einkaufszentren auf der grünen Wiese den Warenkaufhäusern Kunden und damit Umsatz weggenommen haben, kehren sie jetzt in die Innenstadt zurück und machen ihnen in unmittelbarer Nachbarschaft Konkurrenz. Für Frankfurt heißt das: 48.000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche im Palais Quartier hinter der Zeil, in einem Shoppingcenter, das alles das, was die Warenhaushäuser können, auch oder sogar noch besser kann, wie die Branchenzeitung Textil-Wirtschaft feststellt. Besser insofern, als die Einkaufszentren das komplette Warensortiment - von Bekleidung über Unterhaltungselektronik bis zu Büchern und Geschirr - unter einem Dach bündeln mit einer deutlich größeren Auswahl, als sie die Kaufhäuser bieten können.
Schon jetzt finden Kaufhaus-Kunden in Frankfurt mehr Pfiff im wenige Schritte entfernten Esprit-Flaggschiff an der Hauptwache und mehr junge, günstige Mode in den Häusern von Zara und H&M. Wer einen Top-Markenanzug, etwa von Boss, sucht, geht zu Wormland oder Peek & Cloppenburg, denn richtige Premiummarken haben beide Häuser nicht im Angebot. Auch mit Saturn und Hugendubel können sie nicht mithalten. Einzig bei Wäsche und Socken sind sie kaum zu toppen. Das gilt auch für die exquisiten Lebensmittelabteilungen.
Kaufhof-Chef freut sich auf Palais Quartier
Bleibt die Frage, ob das reicht. Unbestritten ist, dass die Frankfurter Innenstadt mit dem Palais Quartier und den damit einhergehenden Schönheitsoperationen an der Zeil deutlich an Attraktivität und damit an Kunden und Umsatz gewinnen wird. Nur, wie viel von diesem Kuchen werden sich die Kaufhäuser abschneiden können?
Die Unternehmen äußern sich optimistisch. Er sehe im Palais Quartier weniger eine Bedrohung als eine Chance. Ich freue mich darauf, sagt Kaufhof-Chef Richter, auch mit Verweis auf ein neues Parkhaus mit 1000 Kundenparkplätzen. Richter spricht von einer wunderschönen Portfolioergänzung. Das neue Einkaufszentrum werde ein Magnet sein für Frankfurt und die Frequenz auf der Zeil deutlich erhöhen. So sieht man es auch bei Karstadt: Alles, was die Einkaufsstraße stärkt, stärkt auch uns, sagt ein Unternehmenssprecher.
Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Fakt ist: Wenn das auf Hochglanz polierte Shoppingcenter im nächsten Jahr eröffnet, könnten Kaufhof und Karstadt schnell wieder ganz alt aussehen. Retail-Experte Burbach stellt fest: Die Modernisierungsrhythmen werden immer kürzer. Was in der Vergangenheit passiert ist, wird schon mittelfristig nicht genügen. Will sagen: Nach dem Umbau ist vor dem Umbau.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Daniel Pilar
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