Von Manfred Köhler
13. März 2008 Es war im Jahr 2006, als die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud, deutliche Worte für den Ist-Zustand fand: Das Eigenmarketing für das deutsche Finanzzentrum ist Kraut und Rüben“, äußerte sie damals. Es gibt viele Initiativen, aber keinen gemeinsamen Auftritt.“
Eine Klage, die oft zu hören ist, wenn die Rede auf den Bankenplatz kommt. Nun soll ein neuer Anlauf unternommen werden, dem abzuhelfen. Nach Informationen dieser Zeitung ist für die nächsten Wochen die Gründung eines Vereins geplant, der sich speziell um das Marketing für den Finanzplatz kümmern soll.
Land und Großbanken beteiligt
Die wichtigsten Frankfurter Kreditinstitute, darunter die Großbanken, die Landesbank und Morgan Stanley, sollen ihre Unterstützung bereits ebenso zugesagt haben wie die Deutsche Börse. Neben weiteren Geldhäusern soll auch die Stadt Frankfurt noch als Unterstützer für die neue Interessenvertretung gewonnen werden. Fest steht hingegen bereits seit Anbeginn, dass das Land Hessen dabei sein wird.
Die Landesregierung hat überhaupt erst gemeinsam mit einem Kreis Frankfurter Banker dazu beigetragen, dass die Überlegungen so weit gediehen sind. Schon im Juni 2006 hatte ein Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums von Plänen für eine solche Organisation berichtet; das Konzept sei bereits den Chefs der 30 wichtigsten Frankfurter Finanzdienstleister vorgestellt worden, berichtete er seinerzeit.
Wettbewerb mit Paris und London
Die damalige Hoffnung, derlei lasse sich binnen weniger Monate auf die Beine stellen, erfüllte sich jedoch nicht. Im März 2007 stellte Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) lediglich die Internetseite www.finanzplatz-frankfurt.de vor, die von einer Tochtergesellschaft der Frankfurt School of Finance & Management, der früheren Hochschule für Bankwirtschaft, betreut wird und einen Überblick über Institutionen und Veranstaltungen gibt.
Rhiel bezeichnet dieses Angebot als Startschuss für ein gemeinsames Marketing aller Finanzplatzakteure“. Er rief die Branche dazu auf, durch einen gemeinsamen Auftritt mehr Gas“ im Wettbewerb mit London und Paris zu geben.
Das Logo und die Story
Der neue Verein soll Frankfurt Main Finance“ heißen, ursprüngliche Überlegungen, ihn German Financial Engineering“ zu nennen, wurden verworfen. Es gehe darum, ein Logo, überhaupt ein einheitliches Erscheinungsbild und eine Story“ für den Finanzplatz zu entwickeln, sagte gestern ein Beteiligter.
Eingebunden werden sollen auch die Hochschulen, neben der privaten Frankfurt School of Finance & Management die Goethe-Universität. Die Initiatoren hoffen, dass die Unternehmen und Körperschaften, die den Verein tragen, zusammen ein bis zwei Millionen Euro im Jahr aufbringen, so dass neben den eigentlichen Marketingaktivitäten auch eine Geschäftsstelle finanziert werden kann, die die Arbeit koordiniert.
Der zweite Anlauf
Es ist nicht der erste Anlauf dieser Art. 1997 war von verschiedenen Banken der Verein Finanzplatz“ gegründet worden. Bei der Vorstellung hatten damals Rolf Breuer, seinerzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse, und Werner Seifert, zu diesem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzender dieses Konzerns, gemeint, es müsse eine Antwort auf die Franzosen gefunden werden, die die Interessen des Finanzplatzes Paris geschlossen verträten. 2002 löste sich der Verein allerdings auf.
Kurz darauf entstand die Initiative Finanzplatz Deutschland“, hinter der ebenfalls die wichtigsten Kreditinstitute sowie die Bundesbank und das Bundesfinanzministerium stehen. Sie widmet sich speziellen Problemen der Branche wie der Zulassung neuer Produkte und Steuerfragen. Zuletzt hatte man sich dort unter anderem mit dem Wachstumsmarkt Public Private Partnership befasst.
Nachholbedarf beim Marketing
Wie es gestern hieß, soll der neue Verein nicht zu einer Konkurrenz für die Initiative Finanzplatz Deutschland“ aufgebaut werden. Zum einen gehöre Marketing nicht zu deren Aufgaben, zum anderen spreche sie nicht speziell für Frankfurt.
Die Lobbytätigkeit der Finanzplätze London und Paris wird nach wie vor von Frankfurt aus neidvoll betrachtet. Diese Städte treten unter anderem in Brüssel sehr stark auf; in Frankreich etwa wurde dafür der Verein Paris Europlace“ gegründet. Die Franzosen klopfen bei mir häufiger an als die Deutschen – sowohl die Unternehmer als auch die Verbände“, hatte kürzlich der frühere Frankfurter IHK-Präsident Wolf Klinz berichtet, der seit 2004 für die FDP im Europaparlament sitzt. Die City of London Corporation“ unterhält sogar ein Büro in Brüssel.
Eine solche Vertretung ist allerdings für die Initiatoren des neuen Frankfurter Vereins bestenfalls ein Fernziel. Vorerst wäre man schon froh, wenn Frankfurter Spitzenbanker auf Reisen zumindest moderne Unterlagen über die Stärken des führenden deutschen Finanzplatzes mitnehmen könnten.