Von Thorsten Winter
07. Mai 2007 Wenn an diesem Montag die Gase.de Vertriebs-GmbH in Sulzbach den Betrieb aufnimmt, meldet sich gleichsam ein alter Bekannter auf dem Markt für Industriegase in Deutschland zurück. Denn hinter der jungen Firma steht der Frankfurter Unternehmer Stefan Messer. Bis zum Jahr 2004 war er Geschäftsführer der Messer Griesheim GmbH, die zu einem Drittel der Familie Messer und zu zwei Dritteln der Hoechst AG gehörte.
Dieses Unternehmen spielte hierzulande bei Produktion und Vertrieb der vielfältig genutzten Industriegase jahrzehntelang eine führende Rolle. Bevor die Familie das Deutschland-Geschäft vor drei Jahren an den französischen Konkurrenten Air Liquide verkaufte, um die von der Hoechst AG an Finanzinvestoren veräußerten Anteile zu erwerben und das Unternehmen zu entschulden, hatte Messer Griesheim einen Marktanteil von 37 Prozent gehabt.
Deutschland ist größter Markt für Industriegase
Mit Gase.de will Geschäftsführer Stefan Messer ein Industriegase-Geschäft in Deutschland aufbauen, ohne gleich die alte Größe ins Visier zu nehmen. Schließlich ist Deutschland der größte Markt in Europa für diese Branche, deren Produkte von Stahlwerken ebenso benötigt werden wie der Lebensmittelindustrie, Automobilherstellern oder Maschinenbauern. So bleiben Erdbeeren oder Birnen durch Stickstoff länger frisch; zudem wird dieses Gas eingesetzt, um Autolacke zu härten oder Gewürze zu mahlen. Mit Kohlendioxid lässt sich etwa Koffein aus Kaffee herauslösen, während medizinischer Sauerstoff zum Beispiel in Krankenhäusern unabdingbar ist.
Um dem Wiedereintritt in den Markt den Weg zu bereiten, sind die Voraussetzungen seit Oktober vergangenen Jahres geschaffen worden, wie Vertriebsleiter Hartmut Böse erläutert. Böse hatte 1980 bei Messer Griesheim angefangen und war 2004 mit zu Air Liquide gewechselt, bevor er zu Stefan Messer zurückfand. Ihm stehen 34 Mitarbeiter in Vertrieb und Verwaltung zur Seite, die in Sulzbach angesiedelt sind. Sämtliche Beschäftigten sind neu eingestellt worden und kommen alle aus dem Gase-Geschäft, wie er hervorhebt.
Da die junge Firma die eigene Produktion erst noch aufbauen will, kauft sie Gase im Ausland – bei Herstellern, die uns zugeneigt sind“, wie Böse lächelnd sagt. Zudem kann die Firma auf Lieferverträge mit Konkurrenten zurückgreifen, wie Stefan Messer sagt, der zusammen mit Hans-Gerd Wienands die Geschäfte führt.
Zehn Millionen Euro an Investitionen geplant
Für den Vertrieb kann Gase.de auf ein Logistikzentrum in Siegen zurückgreifen. Dieser Standort diente schon Messer Griesheim und zuletzt Air Liquide, wurde aber von den Franzosen zum 31. März aufgegeben. Alte Kundenkarteien von Messer Griesheim kann Gase.de dagegen nicht nutzen. Allerdings hatten sich ehemalige Kunden bei Stefan Messer gemeldet, nachdem er im Zuge des Verkaufs an Air Liquide bei Messer Griesheim ausgeschieden war – und deren Namen haben wir uns gemerkt“.
Zudem bringen die neuen Vertriebsmitarbeiter laut Messer gute Beziehungen in alle Branchen“ mit, die Gase.de für sich in Lieferverträge ummünzen will. Dabei schaut die Firma besonders auf Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland – jene Regionen, die Gase.de als strategisch wichtig gelten und in denen die Firma letztlich ihre Produkte über Vertriebspartner ausliefern lassen will. Zehn an der Zahl sollen es nach den Worten von Böse bis Jahresende sein.
Zehn Millionen Euro will Gase.de in diesem Jahr investieren: in Flaschen für rund 200 Euro das Stück, Ausrüstung und Auflieger für Tankwagen, die jeweils etwa 250.000 Euro kosten und dem Gastransport dienen. Bis die Investitionen wieder eingespielt sind, wird einige Zeit ins Land gehen. Messer und Böse rechnen damit, dass sie drei bis fünf Jahre benötigen, um eine schwarze Null“ zu schreiben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Daniel Pilar
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