Pharma

Früherer Merck-Chef geht zu Merz nach Frankfurt

Von Thorsten Winter

Bernhard Scheuble

Bernhard Scheuble

27. September 2006 Gut zehn Monate nach seinem aufsehenerregenden Abgang als Chef des Arzneimittel- und Spezialchemiekonzerns Merck in Darmstadt kehrt Bernhard Scheuble in die Pharmabranche im Rhein-Main-Gebiet zurück - und wird wieder die Führung eines Unternehmens übernehmen. Von 1. Oktober an zeichnet Scheuble als sogenannter Chief Executive Officer (CEO) der Merz GmbH & Co. KGaA.

Wie das an der Eckenheimer Landstraße in Frankfurt ansässige Unternehmen weiter mitteilte, wird der Merz-Miteigentümer und bisherige Vorstandschef Jochen Hückmann fortan dem Gesellschafterrat der Merz-Gruppe vorstehen. Die Verpflichtung von Scheuble stellt für Merz „einen entscheidenden Schritt“ dar, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, wie es weiter hieß.

Alleinstellung bei Alzheimer-Mittel

Der Hersteller von Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten ist einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch die „Merz Spezial Dragees“ und die „Tetesept“-Produkte bekannt. Gutes Geld verdient Merz aber vor allem mit einem Alzheimer-Mittel: Das Medikament „Axura“ ist weltweit das einzige Pharmaprodukt, das gegen schwere Demenz zugelassen ist. Zudem darf es bei mittelschweren Verlaufsformen sowie seit dem Herbst 2005 auch bei moderateren Schweregraden verschrieben werden. 600 Millionen Dollar hat der Mittelständler gemeinsam mit den Vertriebspartnern Forest Laboratories in Amerika und Lundbeck in Nordeuropa im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt. Bei Alzheimer-Mitteln ist der Frankfurter Familienkonzern mit „Axura“ zum zweitgrößten Anbieter hinter dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer aufgestiegen. Nicht zuletzt gehört das Geschäft mit Schreibgeräten der Marke „Senator“ zu dem Portfolio der Merz-Gruppe.

Der neue Vorstandschef nimmt seine Aufgabe mit reichlich Vorschußlorbeeren in Angriff: Hückmann preist Scheuble als „einen auch international hoch anerkannten Experten der pharmazeutischen Industrie“. Dieser stehe „wie nur wenige in der Branche für Langfristigkeit und Nachhaltigkeit“. Dies passe ausgezeichnet zur Haltung der Merz-Gruppe und sei Voraussetzung für Erfolg in der Pharmaindustrie.

Der Vorsitzende des Gesellschafterrats hebt gleichsam hervor, Merz wolle ein „unabhängiges, in privater Hand befindliches Unternehmen“ bleiben. Dies kann als Absage an Spekulationen, Merz wolle an die Börse gehen, verstanden werden. Hückmann hatte schon im März in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, ein Börsengang sei nicht geplant. Allerdings verfügt Merz über einen sogenannten Investmentgrad, der dem Unternehmen eine solide finanzielle Verfassung bescheinigt. Und ein Börsengang könnte dem 1900 Mitarbeiter zählenden Konzern, der sich in einer von sehr hohen Forschungskosten geprägten Branche tummelt, frisches Geld in die Kasse spülen.

Kräftige Gewinne im ersten Halbjahr 2005/06

„Ich freue mich, daß Merz und ich zusammenkommen“, wird Scheuble wird in einer Erklärung zitiert. Er kenne und schätze Hückmann seit Jahren. Merz verfüge über die besten Voraussetzungen, die Herausforderungen der forschenden pharmazeutischen Industrie für sich zu nutzen. Und: „In einem solchen Umfeld tätig zu werden ist für mich hochattraktiv.“ Weitere Erklärungen gaben Hückmann und Scheuble nicht ab. Auch standen sie für Nachfragen nicht zur Verfügung. Allerdings wollen sich beide näher äußern, wenn Merz die Zahlen zum Geschäftsjahr 2005/06 vorlegt. In den ersten sechs Monaten des Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahrs hatte Merz nach Angaben von Hückmann schon deutlich zugelegt.

Scheuble war im November vergangenen Jahres als Vorsitzender der Geschäftsführung von Merck ausgeschieden. Über die Gründe ist viel spekuliert worden - weil weder der Darmstädter Familienkonzern noch Scheuble selbst sich näher dazu geäußert haben. Scheuble hatte seit 1998 der Merck-Chefetage angehört und das Unternehmen seit Mitte 2000 geleitet. Der 53 Jahre alte Manager gehört einer Reihe von Beiräten in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst an und sitzt seit Mai dieses Jahres im Aufsichtsrat des belgischen Chemie- und Pharmakonzerns Solvay.

In den vergangenen Woche hatte der promovierte Physiker als Berater des schwedischen Beteiligungsfonds EQT von sich reden gemacht. EQT zählte zum Kreis jener Bewerber, die das Arzneimittelgeschäft der noch in Bad Homburg ansässigen Altana AG übernehmen wollten. So ist spekuliert worden, Scheuble könnte der neue Chef von Altana Pharma werden. EQT hat allerdings, wie berichtet, gegenüber der dänischen Nycomed den kürzeren gezogen.

Text: F.A.Z., 28.09.2006
Bildmaterial: Merz

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