Von Petra Kirchhoff
20. März 2008 Längst ist das Hühnerei kein anonymes Lebensmittel mehr. Für die Angabe der Haltung von Legehennen und die Herkunft der Eier gibt es seit dem 1. Januar 2004 genaue Vorschriften. So muss jedes Ei, das im Lebensmitteleinzelhandel oder auf dem Wochenmarkt verkauft wird, mit einer Buchstaben- und Zahlenreihe, dem sogenannten Erzeugercode, gestempelt sein. Daraus lässt sich ableiten, wo und wie glücklich die Henne lebt, die das Ei gelegt hat. Nur der Hühnerhalter, der Eier unsortiert verkauft, muss diese nicht stempeln.
Darüber hinaus gibt die Verpackung – oder ein Begleitzettel bei losem Eierverkauf – Informationen über Güteklasse (in der Regel A“), Gewichtsklasse (S“ bis XL“) und Mindesthaltbarkeitsdatum. Das ist spätestens der 28. Tag nach dem Legen. Auch die Form der Haltung muss im Wortlaut auf der Verpackung stehen. Wenn Bewegungsfreiheit ein Wohlfühlkriterium ist, dann ist das Freilandhuhn mit vier vorgeschriebenen Quadratmetern Auslauf im Vergleich zu den Kolleginnen im Käfig und in Bodenhaltung sehr glücklich dran. Noch besser hat es nur noch das Freilandhuhn im Bio-Betrieb, da es unter anderem auch zwischen Gras und Sträuchern scharren darf und vorwiegend Bio-Futter bekommt.
Bio-Eier kosten knapp dreimal so viel wie Käfigeier
Bei der Bodenhaltung im Stall geht es deutlich beengter zu, da sich bei dieser Haltungsform laut Vorschrift maximal neun Hühner einen Quadratmeter teilen dürfen. Die Käfighaltung ist genauso bedrückend, wie sie klingt: Jede Henne hat 550 Quadratzentimeter zur Verfügung – das entspricht nicht einmal der Größe eines DIN-A4-Blattes. Die Käfighaltung soll jedoch langfristig verboten werden.
Ohnehin wächst auch beim Eiereinkauf das Bewusstsein der Verbraucher. Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) hat der Anteil der im Einzelhandel verkauften Eier aus ökologischer Erzeugung in den vergangenen Jahren konstant zugenommen. Im vergangenen Jahr lag er bei 6,7 Prozent nach 5,9 Prozent im Vorjahr und 4,7 Prozent in 2005. Für artgerechte Haltung und Qualität muss der Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Die Zehnerpackung Bio-Eier vom Discounter kostete im vergangenen Jahr laut ZMP im Schnitt 2,30 Euro und damit knapp dreimal so viel wie zehn Käfigeier im Karton (0,88 Euro).
Noch freilich machen Käfighennen den Großteil aller Hennen in der Eierproduktion aus. Anders als bei Schaleneiern hat der Verbraucher bei industriell verarbeiteten Eiern in Nudeln, Mayonnaise und anderen Lebensmitteln nicht die Wahl, da es keine Kennzeichnungspflicht auf der Verpackung gibt, wie Verbraucher- und Tierschützer monieren. Wer sichergehen will, dass auch solche Eier aus tiergerechter Auslaufhaltung stammen, sollte zu Bio-Produkten greifen“ rät Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen.
Geprüfte Qualität - Hessen sichert Mindeststandards
Inzwischen kommen die heimischen Öko-Erzeuger mit der Nachfrage nicht mehr mit. Große Handelsketten bezögen die meisten Bio-Eier aus Holland und Belgien, sagt Eckhardt Eisenach. Der Landwirt betreibt im nordhessischen Baunatal einen Bioland-Hof und hält zusammen mit einem Kollegen 15.000 Legehennen. Unter anderem beliefert er die Bio-Supermärkte Basic und Alnatura in der Rhein-Main-Region. Um die 250 Eier legen Eisenachs Hennen im Jahr. Das seien etwa 50 weniger als von einer Henne in einem konventionellen Betrieb.
Wer Wert auf heimische Produkte, aber nicht unbedingt auf Bio legt, für den kann auch die Qualitätsmarke Geprüfte Qualität – Hessen“ eine Orientierung beim Einkaufen sein. Lebensmittel mit diesem Markenzeichen müssen bestimmte Mindeststandards einhalten. Für konventionelle Eierbetriebe bedeutet dies: Käfighaltung ist verboten, und die Frische wird in regelmäßigen Abständen von neutraler Stelle überprüft.
Weitgehend allein gelassen wird der Verbraucher jetzt zur Osterzeit bei gekochten und gefärbten Eiern, die es oft lose zu kaufen gibt. Eine Kennzeichnung ist nicht vorgeschrieben. Allenfalls verrät die Verpackung, woher das Ei kommt, wie lange es haltbar ist und ob es aus Bio-Haltung stammt. Die Verbraucherzentrale Hessen macht darauf aufmerksam, dass Lebensmittelfarben bei empfindlichen Personen allergieähnliche Reaktionen auslösen können. Das sei allerdings auch bei natürlich gefärbten Eiern im Bio-Laden mitunter der Fall. Dort sucht der Verbraucher bunte Eier in diesem Jahr womöglich vergeblich. Die Bio-Supermarkt-Ketten Alnatura und Basic etwa verkaufen zu Ostern wegen der unklaren rechtlichen Situation keine gefärbten Eier. Die entsprechende EU-Verordnung, die regelt, welche Zusatz- und Hilfsstoffe für Öko-Produkte erlaubt sind, wurde neu formuliert. Jetzt fehlen Stoffe, die für das Färben von Eiern in größeren Mengen nötig sind. Wer es also bunt und natürlich mag, dem rät Alnatura, selbst den Rote-Beete-Saft anzurühren.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP