Frankfurter Nordwestzentrum

„Wir mussten keine tiefen Täler durchschreiten“

Von Katharina Wiegert

05. Mai 2008 Vor der Dependance von Süßigkeiten Hussel im Frankfurter Nordwestzentrum trinken drei junge Frauen Kaffee und diskutieren dabei heftig. Durch die von schmalen Stahlträgern gehaltene Glasdecke fällt Tageslicht, das Geschrei ausgelassen spielender Kinder ist zu hören, vermischt mit dem Gewirr unzähliger erwachsener Stimmen und dem Plätschern der Wasserspiele. In den Stoßzeiten geht es sehr lebendig zu in den Passagen zwischen den Geschäften. Nach einer turbulenten Zeit des Umbaus und der Erweiterung feiern die Betreiber in diesem Jahr den vierzigsten Geburtstag des nach amerikanischem Vorbild entstandenen Einkaufszentrums.

18 Jahre nach der Eröffnung im Oktober 1968 ist das Nordwestzentrum zum ersten Mal grundlegend saniert worden, eine moderne „Erlebnis-Shopping-Mall“ sollte es werden, mit einem wellenförmigen Glasdach versehen. Am Ende der zweiten großen Erweiterung stand 2004 die Eröffnung einer Galeria-Kaufhof-Filiale und eines neu gebauten Modeboulevards, 34.000 Quadratmeter Verkaufsfläche kamen so hinzu, die Gesamtmietfläche beläuft sich inzwischen auf 90.000 Quadratmeter. Mehr als 150 Geschäfte, öffentliche Einrichtungen, Dienstleister und Gaststätten zählt das Zentrum, das täglich zwischen 35.000 und 40.000 Menschen betreten.

Wachsende Besucherzahlen

Bis auf zwei Läden ist das Haus vollständig vermietet. „Man braucht fast etwas Leerstand, um neue Nischen zu besetzen“, sagt Zentrumsmanager Georg Lackner. Er denkt an einen Anbieter nobler Lederwaren oder ein Kinderbekleidungsgeschäft. Die 3500 Parkplätze, die mit einem Euro für 90 Minuten zu Buche schlagen, sind nur an Wochenenden voll belegt: Während der Woche beträgt die Auslastung nach Lackners Einschätzung maximal 60 Prozent. Von den rund 200 Mietwohnungen des Nordwestzentrums seien derzeit höchstens 10 nicht vermietet.

Seit dem Umbau im Jahr 2004 registriert man stetig wachsende Besucherzahlen. So lagen die Umsätze aller Mieter Lackner zufolge 2007 um 3,5 bis 3,8 Prozent über denen des Jahres 2006, der Gesamtumsatz aller Mieter lag 2006 bei 400 Millionen Euro: Absolute Umsatzrekorde habe man hier zwar nie gesehen, „wir mussten aber auch keine tiefen Täler durchschreiten“, resümiert Lackner. Ein Grund dafür sei die Einbettung des Nordwestzentrums in ein inzwischen sehr einkommensstabiles Wohngebiet. Die Nordweststadt habe sich gewandelt, sagt Lackner. Wo früher soziale Brennpunkte gewesen seien, wohnten heute, zwischen Nordwestzentrum, Schulen und dem Volkspark Niddatal, viele junge Familien und ältere Ehepaare der Mittelschicht.

Auch die Menschen im erweiterten Einzugsgebiet Heddernheim und Ginnheim deckten hier ihren Bedarf. Auch das Zentrum selbst hat sich verändert. Der von massiven Betonelementen geprägten Siebziger-Jahre-Bau ist einem luftigen Komplex gewichen – teilweise mit noblen Materialien wie Marmor ausgestattet und am Abend aufwendig beleuchtet. „Das ist richtig schön bei Ihnen geworden, sagen die Leute“, berichtet Lackner zufrieden.

Kampf um Kunden

Ein Glücksfall sei nach all den Jahren, dass der Investor Josef Buchmann die Gesellschaft als Privatmann immer noch weiterführe, hebt Lackner hervor: Anders als ausländische Kapitalgeber gehe der Einzelinvestor täglich ins Zentrum und habe intensiven Kontakt mit seinem Objekt. Und daher unterstütze er auch Pläne, die auf dem Papier erst einmal keine Rendite versprechen. So habe er auch Lackners Vorschlag akzeptiert, bei der Neugestaltung des Walter-Möller-Platzes im vergangenen Jahr „einen schönen Platz zu schaffen, wo die Leute auch mal draußen sitzen können“. „Jeder andere Finanzinvestor hätte die gut sechsstellige Investition ohne direkte Rendite abgelehnt und hier einen Kiosk plaziert“, ist sich Lackner sicher.

Zusammen mit den Sicherheitsdienstleistern der Wisag wurde ein neues Sicherheitskonzept entwickelt. „Das Ziel dabei war, effizienter mit dem gesetzten Personal umzugehen“, sagt Lackner. Je vier Sicherheitskräfte sind im Zentrum täglich rund um die Uhr im Einsatz, deren Zahl kann bei Bedarf verdoppelt werden. Die Anzahl der Überwachungskameras wurde von 20 auf 70 erhöht. Lackner hält nichts davon, die Ladenöffnungszeiten immer weiter auszudehnen. „Täglich von 10 bis 20 Uhr, das sind verlässliche Öffnungszeiten, die wollen wir auch beibehalten“, sagt er. Schließlich wolle man auch Rücksicht auf die mehr als 30 inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte im Zentrum nehmen.

Zu angeblichen Verkaufsplänen von Haupteigner Buchmann hält sich Lackner bedeckt: „Es wird immer Interessenten geben, die bei uns anklopfen.“ Dem Zentrum könne nichts Besseres passieren, als interessant zu bleiben. Das muss es auch – schließlich kämpft das Nordwestzentrum mit dem Main-Taunus-Zentrum, dem Hessen-Center und dem Isenburg-Zentrum, die alle von der Hamburger ECE-Gruppe betrieben werden, um Kunden.

Jubiläumsfeier im Herbst

Auch wenn man nicht gerade von Fehlern sprechen könne – Optimierungspotential habe es durchaus gegeben, sagt Lackner: „Aus heutiger Sicht würde kein Zentrum mehr Bereiche wie die Feuerwache mit einigen tausend Quadratmetern bauen. Einzelhandelsflächen mit großen Anbietern wären dort natürlich viel interessanter.“ Damals seien aber bestimmte Einsatznähen vorgeschrieben gewesen.

Ein Abriss, Umsiedelung oder Umbau der Wache sei zumindest in den nächsten beiden Jahren nicht geplant. In diesem Jahr konzentriere man sich jedenfalls stark auf den Herbst, sagt Lackner. Genaueres zur großen Jubiläumsfeier will der Zentrumsmanager noch nicht verraten. Nur: „Ende September wollen wir anfangen und dann mindestens anderthalb Wochen feiern.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Henning Bode

 

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