Von Jochen Remmert
24. Juli 2008 Ehrlicher Makler zu sein zwischen Anbieter und Interessent. Das ist für Karl Heinz Arnold die Pflicht eines Auktionators, und das ist auch ein Erfolgsrezept des Hauses, das inzwischen sein Sohn Karl Michael Arnold führt. Denn, so sagt der Senior, Kunden, die sich nicht gut beraten und betreut fühlen, liefern ganz gewiss nicht noch einmal beim selben Auktionshaus ein.
Aus diesem Grund kaufen die Arnolds auch nichts eigens an, um es zu auktionieren, sie versteigern ausschließlich im Auftrag. Denn selbst, wenn man zu einem fairen Preis kauft, kann es in der Auktion immer zu einem überraschenden Bieterwettstreit um ein bestimmtes Stück und zu einem Verkaufspreis kommen, mit dem keiner gerechnet hat, wie Arnold sagt. Dann könne sich der Vorbesitzer womöglich übervorteilt fühlen.
Auf die besondere Stimmung kommt es an
Karl Heinz Arnold erinnert sich an den Kunden eines anderen Auktionshauses, der erbost berichtete, er habe für eine Miniatur aus Familienbesitz 180 Mark im Ankauf bekommen, unmittelbar darauf habe der dubiose Versteigerer diese Miniatur mit einem Startpreis von 2700 Mark für die nächste Auktion avisiert.
Umsatz und Gewinn erwirtschaftet das Auktionshaus Arnold allein mit den 16 Prozent des erzielten Preises, die es vom Einlieferer erhält, und den 19 Prozent Aufgeld, die der Käufer zusätzlich zum Auktionspreis entrichtet, inklusive Mehrwertsteuer. Die 16 Prozent für den Einlieferer hätten sich seit 60 Jahren nicht verändert, sagt Karl Michael Arnold, der wie sein Vater vereidigter und öffentlich bestellter Auktionator ist, außerdem Sachverständiger und Taxator.
Danach gefragt, was eine gute Auktion ausmacht, antwortet Arnold senior ohne zu zögern und noch immer mit spürbarer Begeisterung, die Stimmung, die Spannung im Saal“. Ganz so leicht sei diese Stimmung aber nicht immer zu erzeugen. Nicht selten rühre sich erst einmal gar nichts, wenn der Auktionator ein neues Stück präsentiere. Dann bestehe die Kunst darin, mit dem Preis schrittweise nach unten zu gehen, und dem Publikum mit herausfordernden Sätzen ein erstes Gebot zu entlocken. Das könne, sofern der Einlieferer damit einverstanden sei, auch erst einmal weit unter dem eigentlichen Limit liegen.
Sei der Funke übergesprungen und der Ehrgeiz der Bieter geweckt, stiegen die Gebote dann doch meist rasch über den Betrag, bei dem anfangs keine Hand nach oben gehen wollte. Aber ein gewisses Risiko bleibt. Wird das Limit nicht erreicht, kann der Auktionator unter Vorbehalt den Zuschlag geben, der Eigentümer kann dann auch noch ablehnen.
Kostbarkeit oder Krempel? Das ist stets die Frage
Angesichts von Auktionen, bei denen innerhalb von fünf oder sechs Stunden Werte in Millionenhöhe den Eigentümer wechseln, kann der Eindruck entstehen, mit einem Auktionshaus lasse sich rasch viel Geld verdienen. Der täuscht, sagen Vater und Sohn Arnold übereinstimmend. Man verdiene sicher gutes Geld. Doch vor einer Auktion, die sich von morgens 10 Uhr bis kurz vor Mitternacht ziehen könne, lägen Wochen intensiver Arbeit.
Am Anfang steht die Akquise neuer Auktionsware, das Aussuchen, Taxieren und Katalogisieren. Nicht immer sind die von potentiellen Kunden als antike Kostbarkeit erkannten Besitztümer auch tatsächlich welche. Arnold senior erinnert sich an einen angeblichen Barockschrank in Nussbaum, der der Beschreibung nach in einer Auktion 20 000 Mark hätte bringen können. Am Ende der sonntäglichen Fahrt von Frankfurt nach Koblenz stand die Gewissheit, dass es sich um einen einfachen dunklen Eichenholzschrank aus der Gründerzeit handelte, der in einer Auktion nicht einmal die Transportkosten nach Frankfurt wieder eingebracht hätte.
Passionierter Sammler, Ausbilder und Honorarkonsul von Haiti
Karl Heinz Arnolds Leidenschaft für die Kunst hat sich früh entwickelt, schon als Junge interessiert er sich für asiatische Stücke. Sein Vater Karl, Gründer des Auktionshauses, schenkte dem Sohn zum siebzehnten Geburtstag eine kleine chinesische Figur aus Speckstein. Diese markiert den Anfang einer heute mehr als 5000 Stücke umfassende Sammlung von Figuren aus Steatit, die Arnold senior aus aller Welt zusammengetragen hat. Teile davon hat er im eigenen Haus im Nordend als Museum für Kunst in Steatit“ zugänglich gemacht.
Es sind nicht nur zahlreiche Ehrenämter, die Arnold senior über die Jahrzehnte bekleidet hat, sei es in der IHK Frankfurt, im Vorstand des China-Instituts der Frankfurter Universität oder bei der Steuben-Schurz-Gesellschaft. Der Auktionator und Honorarkonsul von Haiti für Hessen ist auch seit 60 Jahren Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes. Dort qualifizierte sich der Vater dreier Kinder nebenbei auch noch zum Ausbilder.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wolfgang Eilmes
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