Internetkäufe in Übersee

Beim Zoll wird manches Schnäppchen teuer

Von Thorsten Winter

29. Mai 2008 Endlich. Nach sieben Wochen auf dem Seeweg sind die Schuhe aus Südafrika in Hessen eingetroffen, nebst ein paar Kleinigkeiten aus Leder. Alles handgenäht, aber für hiesige Verhältnisse spottbillig – dem im Vergleich zum Euro schwachen Rand sei dank. Doch bevor der Käufer die Waren in der Hand halten kann, muss er dem Zollamt einen Besuch abstatten. Und kommt ein wenig ins Schwitzen. „Sie wissen, dass Sie die Waren noch verzollen müssen? Und Mehrwertsteuer kommt auch hinzu“, sagt der Zollmitarbeiter. Die deutsche Mehrwertsteuer hatte der Käufer nicht im Sinn, als er die Schuhe, Gürtel und Portemonnaies über den Web-Shop einer südafrikanischen Manufaktur erwarb. Und die Zollsätze ebenfalls nicht, wie er kleinlaut zugibt. Doch schließen sich seine Schweißporen bald wieder.

Denn es stellt sich heraus, dass die Zusatzkosten überschaubar sind. 415 Rand für ein Paar Schuhe macht umgerechnet 34,50 Euro, zu denen sich 6,60 Euro Mehrwertsteuer und 2,80 Euro Zoll gesellen. Ergibt knapp 44 Euro für die Ware. Unter dem Strich muss der Käufer für fünf Paar Schuhe und die Accessoires im Gesamtwert von umgerechnet gut 200 Euro knapp 50 Euro Mehrwertsteuer und Zoll zahlen. Angesichts der geringen Kaufpreise rechnet sich das für ihn. Er zahlt, fährt mit dem Paket aus Übersee nach Hause – und überlegt, was er wohl als nächstes bei der Manufaktur bestellen wird. Dass er wieder was ordert, ist für ihn keine Frage.

T-Shirts und Heelys oben auf der Hitliste

Wie ihm geht es vielen. Beim Zollamt in Frankfurt-Höchst, das nicht das größte seiner Art in der Region ist, holen im Durchschnitt zehn bis 20 Kunden im Ausland georderte Artikel ab. Vor allem aus den Vereinigten Staaten trifft Ware ein – der historisch niedrige Dollarkurs lädt ungezählte Verbraucher zum Internet-Einkauf ein. Lange Zeit haben Jeans auf der Hitliste oben gestanden. Kostet doch etwa eine über die amerikanische Ebay-Seite gekaufte neue Levis 501 lediglich 34,99 Dollar zuzüglich 8,90 Dollar Porto, das sind knapp 28 Euro. Da fallen die Mehrwertsteuer und der Zollsatz von zwölf Prozent aus Käufersicht kaum ins Gewicht. Zumal eine „501“ hierzulande regulär in der Regel mindestens das Doppelte kostet, je nach Ausführung.

Besonders beliebt sind derzeit indes andere Textilien wie T-Shirts von Marken, die hierzulande nicht so leicht erhältlich sind, wie Abercrombie & Fitch etwa. Gegenüber Internet-Angeboten aus Deutschland sind solche Artikel um 30 bis 40 Prozent günstiger, wenn sie in den Vereinigten Staaten bestellt werden. Sogenannte Heelys, Turnschuhe mit Rollen im Absatz, stehen ebenfalls hoch im Kurs der Käufer, wie es beim Zollamt im Westen der Mainmetropole heißt. Elektronische Geräte wie i-Pods, i-Phones oder Kameras landeten hin und wieder dort.

Medizinische Geräte zum Spottpreis

Der Frankfurter Arzt, der mittags beim Zollamt in Höchst, ein Paket abholen will, hat allerdings ganz etwas anderes im Sinn. Er hat über Ebay in den Vereinigten Staaten kleine medizintechnische Geräte erworben – und zwar aus zwei Gründen: „Da ist der niedrige Dollarkurs, und die Geräte kosten dort nur einen Bruchteil des Preises, den ich in Deutschland zahlen müsste.“ Und das, obwohl die Artikel in der Schweiz hergestellt werden, wie er sagt. Den großen Preisunterschied findet er „absurd“ – dessen ungeachtet nutzt er ihn gerne. Die Steuer und die Zollsätze tun ihm nicht weh – eher schon das Porto, wenn es, wie es nach seinen Worten teilweise der Fall ist, höher ausfällt als die Gesamtrechnung. Einmal auf den Geschmack gekommen, nutzt er die Möglichkeiten der Web-Shops in Übersee auch privat gerne. Zum Beispiel, um sich Kleidung für seine Kinder schicken zu lassen – „perfekt“ findet der Mediziner das.

Ähnlich urteilt ein Wiesbadener, der sich in Amerika ein Auspuff-Endstück für seinen Porsche Boxster bestellt hat. Das gebrauchte Doppelrohr schlägt inklusive Versand mit gut 49 Euro zu Buche, wie er sagt. Auch wenn noch die Steuer und Zoll hinzukommen: Selbst der nach seiner Recherche günstigste Preis in Europa – ein polnischer Versender verlangt 110 Euro für ein entsprechendes Teil – liegt erheblich darüber.

Arzneimittel aus Übersee tabu

Wie der Zoll berichtet, verkalkuliert sich aber der eine oder andere auch mit Blick auf die Zusatzkosten. So werde ein als Geschenksendung gekennzeichnetes Paket vom Adressaten schon mal an den Absender zurückgeschickt, weil die Gesamtkosten dessen Schmerzgrenze überschreiten. In anderen Fällen kommt ein Adresssat erst gar nicht an seine Ware. Etwa, wenn es sich um Arzneimittel handelt, die außerhalb der Europäischen Union gekauft worden sind. „Die dürfen vom Zoll nicht an Private weitergegegen werden.“ Dem steht das Arzneimittelgesetz entgegen, wie es heißt. Bei Pillen, die patentgeschützten Mitteln nachempfunden sind, liegt zudem ein Verstoß gegen Markenschutz vor. Aus diesen Gründen sind ungezählte Viagra-Kopien nicht bei Kunden im Raum Frankfurt gelandet, sondern beim Regierungspräsidium Darmstadt, das solche Verstöße verfolgt.

USB-Sticks zu verzollen - Computer nicht

Bei Waren aus dem Ausland ist Zoll fällig, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Aber nicht in jedem Fall. Liegt der Wert einer Sendung nicht über 22 Euro, werden keine Einfuhrabgaben erhoben - außer, es handelt sich um Alkoholika, Parfüm oder Tabakwaren. Für Textilien gilt ein Satz von zwölf Prozent. Bei Lederbekleidung sind vier Prozent vom Wert in Euro fällig, während bei Schuhen aus Leder ein Satz von acht Prozent gilt. Gold- und Silberschmuck wird mit 2,5 Prozent verzollt, USB-Sticks mit bis zu 14 Prozent und Kameras mit bis zu 12,5 Prozent. Dagegen ist für Computer kein Zoll fällig. Wohl, weil hierzulande keine Computer produziert werden. (thwi.)



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke

 
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