Lufthansa Cargo

Millionen-Investition von Nachtflügen abhängig

Von Jochen Remmert

18. März 2008 Die Lufthansa Cargo AG will nur dann einen „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ in ein neues Frachtzentrum im Norden des Frankfurter Flughafens investieren, wenn ihr von Deutschlands größtem Flughafen aus auch künftig genügend Nachtflüge zur Verfügung stehen. Das sagte Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa-Frachttochter, bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2007. Da der Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau überhaupt Nachtflüge in der Zeit zwischen 23 Uhr und fünf Uhr früh zulässt, sieht Spohr zumindest eine „existentielle Bedrohung durch ein Nachtflugverbot“ nicht mehr gegeben. Die in dem Beschluss enthaltenen 17 Nachtflüge für alle Fluglinien zusammen hält er aber für deutlich zu wenig. Womöglich müsse man an anderen Standorten wie Leipzig oder München wachsen.

Für die Frachtflieger der Kranich-Airline alleine dürfte das Kontingent von 17 zwar mehr als genug sein, die Lufthansa Cargo ist aber eben längst nicht die einzige Fluglinie, die das Recht auf Nachtflüge beansprucht. Nun hänge es auch davon ab, wie die möglichen Nachtflüge unter den konkurrierenden Airlines verteilt würden, sagte Spohr weiter. Genaue Angaben darüber, wie viele die Frachtflieger für sich wünschen, machte er gestern nicht. Der Lufthansa-Konzern insgesamt beansprucht für Passage, Fracht und Charter 41 solcher Nachtflüge bis 2020.

Wenn es denn zum Neubau in der Cargo City Nord kommt, soll dort eine moderne und sehr viel mehr als bisher automatisierte und daher rationellere Frachtabfertigung aufgebaut werden. Trotzdem sollen dann Spohr zufolge zu den rund 3000 Mitarbeitern, die die Cargofluglinie zurzeit alleine in Frankfurt beschäftigt, neue hinzukommen - sofern das angestrebte Wachstum erreicht wird. Ein komplett neues IT-System zur Frachtabwicklung ist ebenfalls vorgesehen. Das alles steht aber eben unter dem Vorbehalt, dass über die Klage, die auch die Lufthansa Cargo gegen den Planfeststellungsbeschluss wegen der darin enthaltenen Flugbeschränkungen eingereicht hat, im Sinne der Frachtflieger entschieden wird. „Eigentlich sind wir natürlich daran interessiert, möglichst schnell zu bauen“, fügte Spohr hinzu. Anfang nächsten Jahres werde eine erste Einschätzung des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel im Zusammenhang mit den zahlreichen Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss erwartet.

Zumindest der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG will danach mit den Arbeiten zum Bau der geplanten Nordwestbahn beginnen. Während die Lufthansa Cargo für den Baubeginn im Norden des Flughafens noch keinen Termin nennen kann, ist sie in der Cargo City Süd dabei, ein neues Frachtterminal für rund 70 Millionen Euro zu bauen. Diese Dependance soll besonders auf die Bedürfnisse der mittelständischen Frachtunternehmer zugeschnitten sein. Mitte 2009 wird das Frachtterminal den Planungen zufolge die Arbeit aufnehmen. Ihr Asien-Drehkreuz wird die Lufthansa Cargo - wie es die russischen Stellen wünschten und mit Hilfe eines Entzugs von Überflugrechten mehr oder weniger erzwungen haben - von Astana in Kasachstan nach Krasnojarsk in Sibirien verlagern. Das werde aber erst geschehen, wenn der russische Flughafen auf den aktuellen Stand der Technik gebracht worden sei. Die Lufthansa rechnet damit, dass diese Arbeiten vor Mitte nächsten Jahres beendet sind und sie das Drehkreuz dann verlagern kann. Dann werden die lukrativen Tankstopps der russischen Seite zugutekommen und nicht mehr den Kasachen. Zurzeit landen die Frachtjets der Lufthansa rund 50 Mal in der Woche in Astana.

Wie schon in den Jahren zuvor ist der Luftfrachtmarkt auch 2007 von einem massiven Überangebot an Kapazitäten geprägt gewesen, wie Finanzvorstand Roland Busch gestern sagte. 2006 seien weltweit 22 Prozent mehr Kapazität angeboten worden als nachgefragt, 2007 sogar gut 40 Prozent. Angesichts dessen habe die Lufthansa Cargo ein „erfolgreiches Jahr“ gehabt. Tatsächlich ist der operative Gewinn von 81,5 auf 135,6 Millionen Euro gestiegen, darin sind allerdings Sondereffekte eingerechnet, wie Busch einschränkte. Unter dem Strich habe man in etwa das Vorjahresergebnis gehalten. Auch beim Umsatz, der um 3,8 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro gesunken ist, müsse man berücksichtigen, dass die Lufthansa Cargo Kooperationen mit anderen Airlines gezielt abgebaut habe, um verstärkt das eigene Netz zu nutzen. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Lufthanseaten das für den weltweiten Frachtverkehr prognostizierte Wachstum von 4,5 Prozent überbieten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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