Continental

In Babenhausen werden 371 Stellen gestrichen

Von Jochen Remmert

Restrukturierung: So nennt Continental den Stellenabbau in Babenhausen

Restrukturierung: So nennt Continental den Stellenabbau in Babenhausen

13. November 2008 In den nächsten drei Jahren wird der niedersächsische Automobilzulieferer Continental AG am früheren Siemens-VDO-Standort Babenhausen 371 von 2200 Stellen streichen. Das haben die Mitarbeiter des Werks, in dem Tachometer und Drehzahlmesser für Autos hergestellt werden, auf einer Betriebsversammlung erfahren.

Wie ein Unternehmenssprecher bestätigte, werden 2009 zunächst 97 Stellen wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen für unbefristet angestellte Mitarbeiter soll es dabei nicht geben. Allerdings werden befristete Verträge nicht verlängert und Zeitarbeiter nicht weiterbeschäftigt. Wie es weiter hieß, soll die Zahl der in der Produktion Beschäftigten in Babenhausen von zurzeit 1101 Mitarbeitern auf 730 im Jahr 2012 sinken. Abgesehen von den im nächsten Jahr einzusparenden Stellen, werden demnach weitere 274 Arbeitsplätze in Babenhausen wegfallen. Dabei sind auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. wie der Sprecher gestern mitteilte.

Unter starkem Kostendruck

Bei dem nun bekanntgewordenen Stellenabbau handelt es sich nach Angaben von Continental nicht um eine Reaktion auf die Absatzkrise in der Autoindustrie, sondern um eine seit längerer Zeit geplanten Restrukturierung. Dafür spricht auch, dass es der seinerzeitige Continental-Vorstandschef Manfred Wennemer schon kurz nach der Übernahme der Siemens-VDO-Werke im Dezember vergangenen Jahres abgelehnt hatte, umfassende Standortgarantien abzugeben, wie sie der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild gefordert hatte. Entsprechend sind auch die Mitarbeiter der früheren Siemens-VDO-Standorte in Hessen seither in Sorge, wie Günter Lorenz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Darmstadt, berichtet. In den ehemaligen Siemens-VDO-Standorten Babenhausen, Karben, Schwalbach, Wetzlar und Bebra arbeiten mehr als 7000 Männer und Frauen. Insgesamt zählt Continental in Hessen 14.000 Beschäftigte. Babenhausen ist seit 1961 Standort der Autozulieferer.

Wie andere Zulieferer der Automobilbranche, so steht auch Continental unter starkem Kostendruck und fertigt deshalb auch in Ländern mit niedrigeren Löhnen. Vor allem einfachere Teile sollen nicht mehr in Babenhausen produziert werden. Anspruchsvolle Instrumente wie solche, die die Geschwindigkeitangabe auf die Windschutzscheibe projizieren, sollen weiter in Babenhausen gebaut werden. Beispielsweise in BMW-Fahrzeugen der Fünferreihe werden solche Instrumente verbaut. Von den Stellenabbauplänen nicht tangiert sind die Entwicklungsabteilung und die Verwaltung in Babenhausen, wie es weiter hieß. Es gehe darum, das Werk „fit zu machen“ für die Zukunft.

Aus Sicht der IG Metall ist es nicht plausibel, die Produktion in Babenhausen aus Kostengründen zu reduzieren. Die Automatisierung in dem südhessischen Werk sei so weit entwickelt, dass der Lohnkostenanteil lediglich bei vier Prozent liege. Von Continental war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Wie es von Arbeitnehmerseite weiter hieß, ist eine „politische“ Direktive der Konzern ergangen, wonach 60 Prozent der Produktion ins Ausland verlagert werden und 40 Prozent im Inland bleiben sollten. Mit tatsächlichen Erfordernissen habe das wenig zu tun. Die IG Metall schließt Einschnitte auch an den anderen hessischen Standorten nicht aus.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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