Von Petra Kirchhoff
15. März 2007 Nicht selten sind Kursteilnehmer enttäuscht, weil sie sich in Gruppen wiederfinden, die zu groß sind oder ihrem Niveau nicht entsprechen. Sie langweilen und ärgern sich, weil der Dozent den ihnen längst bekannten Unterschied zwischen past tense und present perfect erklärt und sie über weite Strecken zu Arbeit in Gruppen verdonnert, in denen sie sich die Fehler der anderen anhören müssen und ihre eigenen nicht korrigiert werden.
Solche Fehlgriffe schließt auch die gründliche Suche nach einem geeigneten Veranstalter nicht aus. Die Qualität eines Kurses vorher zu erkennen sei nur bedingt möglich, stellt die Stiftung Warentest in einem Bericht über Weiterbildung fest. Weder schön gestaltete Hochglanzbroschüren noch ein gelungener Auftritt im Internet seien ein Hinweis auf Qualität. Kurzum: Salopp gesagt, muss der Kunde die ,Katze im Sack‘ buchen.“
Einstufungstests aus dem Internet
Bisher hat die Stiftung Warentest keine Sprachschulen unter die Lupe genommen. Ein Test-Urteil wäre für den Verbraucher immerhin eine Richtschnur. Auch gibt es nach Angaben der Aktion Bildungsinformation Stuttgart, der bundesweit einzigen unabhängigen Verbraucherschutzeinrichtung in Bildungsfragen, zurzeit kein aussagekräftiges Gütesiegel. Von den Zertifizierungen, die auf dem Markt sind, hält Geschäftsführer Werner Kinzing nicht viel. Da wird dann festgestellt, ob die Räume in Ordnung sind, und das war’s.“
Die Beurteilung von Unterricht ist grundsätzlich eine schwierige Sache“, sagt Kinzing. Angemeldete Besuche von Testern etwa seien kaum aussagefähig und Urteile von Teilnehmern immer subjektiv. Die Organisation selbst bietet Verbrauchern nur dürftige Informationen. Sie ist auf Sprachreisen spezialisiert. Eine Broschüre mit dem Titel Fremdsprachen lernen in Deutschland“ ist seit längerem vergriffen und wurde aus Geld- und Personalgründen nicht aktualisiert.
Wer sich in Frankfurt einen Überblick über Preise und Leistungen verschaffen will, muss Zeit investieren. Ob Berlitz oder Inlingua, Sprachcafé oder Sprachtreff, Provadis, Volkshochschule oder Wall Street Institute – bei allen Sprachschulen und Weiterbildungseinrichtungen kann man sich Einstufungstests aus dem Internet herunterladen. Nach dem Ergebnis wird das Kursniveau bestimmt, das sich in der Regel nach den auf europäischer Ebene festgelegten Kompetenzstufen (A1 für Anfänger bis C2 für Fortgeschrittene) richtet.
Dozenten sollten Muttersprachler sein
Nach unserer Erfahrung haben die meisten Anbieter Kurse und Preise in mal mehr, mal weniger aufwendigen Broschüren transparent aufgelistet. Bei den meisten werden die Kursgebühren gleich zu Anfang fällig, die VHS kassiert verbraucherfreundlich erst nach Abschluss der Veranstaltung. Bei Provadis, der Weiterbildungstochter des Industrieparkbetreibers Infraserv, kann man auch in zwei Raten zahlen. Das geht auch bei Inlingua, nur kostet das gleich mehr.
Ein eigenes Preismodell hat das Wall Street Institute, das mit einer besonders flexiblen Lernmethode wirbt. Teilnehmer lernen Vokabeln und Grammatik autodidaktisch im Sprachlabor. Dieses kann der Kunde, wie ein Fitnessstudio, so oft aufsuchen, wie er möchte. Hinzu kommen Übungen für Zuhause und Gruppenarbeit. Kostenpunkt: 180 bis 200 Euro im Monat. Unter drei Monaten kann man nicht anfangen. Das sei das Minimum für den gewünschten Lernerfolg, heißt es. Lieber wird gesehen, wenn sich Interessenten gleich für neun Monate und länger verpflichten. Bei der Aktion Bildungsinformation Stuttgart ist man skeptisch angesichts der Werbemethoden und Verträge“ beim Wall Street Institute.
Die Verbraucherorganisation nennt auf Anfrage Kriterien, die auf Qualität von Sprachkursen schließen lassen. Danach sollte eine Gruppe nicht mehr als acht Teilnehmer haben mit möglichst gleichem Kenntnisstand – Letzteres sei noch entscheidender als die Zahl der Teilnehmer. Die Dozenten sollten Muttersprachler mit Universitätsabschluss und auch in der Lage sein, den Stoff ansprechend zu vermitteln.
Vorsicht beim Vertrag
Vorkenntnisse sollten in einem schriftlichen Test geprüft werden, möglichst an Ort und Stelle mit anschließendem Gespräch in der gewünschten Fremdsprache. Auch rät die Organisation, sich Räume und Ausstattung anzuschauen. In jedem Fall sollte der Interessent unentgeltlich an einer Stunde teilnehmen können.
Vorsicht beim Vertrag: Mitunter steht im Kleingedruckten, dass Unterrichtsstunden gekürzt werden können, wenn Teilnehmer in einem Kursus abspringen. Grundsätzlich gilt: Je länger die allgemeinen Geschäftsbedingungen, um so genauer sollte man den Vertrag prüfen.
Als Kündigungsfrist bei längerfristigen Bindungen halten die Verbraucherschützer eine monatliche, allenfalls vierteljährliche Kündigungsfrist für akzeptabel. Die Aktion Bildungsinformation Stuttgart (www.abi-ev.de) prüft auf Anfrage und gegen Gebühr (40 bis 60 Euro) Verträge. Allerdings ist auch das keine Garantie gegen böse Überraschungen. Am Ende gilt wie so oft im Leben: trial and error.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Kai Nedden
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