Stadtentwicklung

Frankfurt soll „Top-Adresse“ für Kreative werden

Von Patricia Andreae

03. Juli 2008 Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Boris Rhein (CDU) will die Stadt für die sogenannten Creative Industries attraktiver machen, also zum Beispiel für Werbeagenturen, Filmproduzenten und Computerspiele-Entwickler. Denn was das Image der Stadt beim kreativen Nachwuchs angeht, gibt es einiges zu tun. Das belegt der „Kreativwirtschaftsbericht“, den eine Gruppe des Instituts für Humangeographie der Goethe-Universität im Auftrag der städtischen Wirtschaftsförderungs GmbH erarbeitet hat und der nun vorgestellt wurde.

In den Branchen, die unter dem neuartigen Begriff zusammengezählt wurden, arbeiten in Frankfurt der Studie zufolge 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Insgesamt waren es 2006 sogar um die 60.000 Mitarbeiter. Addiert wurden hier die Zahlen des Literatur-, Buch- und Pressemarkts, der Musik- und Audiowirtschaft, der Film-, TV- und Videowirtschaft, der darstellenden und bildenden Künste, der Museen und Kunstausstellungen, der Unternehmen, die sich um Architektur und Design kümmern, der Werbung und PR, der Software- und Computerspielebranche sowie die Mitarbeiterzahlen der Einrichtungen, die sich mit dem „kulturellen Erbe“ befassen, also zum Beispiel dem Denkmalschutz.

8.581 Betriebe - Kreativwirtschaft auf Platz eins

Somit sind in dem Kreativ-Sektor ähnlich viele Menschen in Frankfurt beschäftigt wie in der Finanzwirtschaft (55.000). Allerdings, so hoben die Autoren der Studie, Christian Berndt, Peter Lindner und Pascal Goeke, hervor, gebe es sehr unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse, von Minijobs über Praktika bis hin zu einer Vielzahl von Honorarkräften. Daher sei die Zahl niemals genau zu erfassen. Ähnlich sieht es mit der Zahl der Betriebe aus, sie wird mit 8.581 angegeben. Damit, so Manuela Schiffner von der Wirtschaftsförderung, rangiert die „Kreativwirtschaft“ auf Platz eins, noch vor dem Einzelhandel mit 5.969 Betrieben und weit vor der Finanzwirtschaft, die auf dieser Liste den sechsten Platz belegt. Auch hierbei hatten die Wissenschaftler es nicht leicht, an genaue Werte zu kommen, denn beispielsweise Ein-Personen-Gesellschaften, deren Jahresumsatz unter 17 500 Euro liegt, tauchen in der Statistik nicht auf.

Statistische Schwierigkeiten führen auch dazu, dass Frankfurt im Städtevergleich der Beschäftigten (Anteil der Sozialversicherten an der Gesamtwirtschaft) auf Platz fünf hinter München, Stuttgart, Hamburg und Köln liegt; bei der Bewertung der Umsätze aus dieser „Industrie“ aber auf dem dritten Platz – wobei sich das Ranking auf den Anteil an der Gesamtwirtschaft bezieht. Entsprechend steht dabei Berlin auf dem ersten Platz, denn dort müssen sich die Kreativen nicht mit starken Branchen messen.

2009 Kongress für Kreativwirtschaft geplant

In Frankfurt steht die Branche nicht nur bei den Umsätzen in der Konkurrenz zu anderen, sondern auch in der Wahrnehmung. Das will Wirtschaftsdezernent Rhein nun ändern. In den nächsten Wochen soll ein ganzer Maßnahmenkatalog erarbeitet werden. Erste Initiativen kündigte er gestern schon an. So werde die Stadt den Kongress für Film- und Postproduktion Edit sowie den VDW-Award – den deutschen „Oscar“ für Werbefilme, der in Frankfurt im Herbst verliehen wird – stärker unterstützen. Ein Kongress der Kreativwirtschaft ist für 2009 geplant. Um der Musikbranche zu helfen, wird überlegt, wie man die Veranstaltung „Sound of Frankfurt“ wiederbeleben könnte. Außerdem soll es einen „Inkubator“ oder ein „Gründerhaus“ für kleine kreative Unternehmen geben und geprüft werden, inwiefern leerstehende Gebäude Kreativen zur Verfügung gestellt werden können. Auch eine Prototypenförderung mit zinslosen Darlehen für Computerspiele-Entwickler hält Rhein für denkbar. Die Stadt will sich auch bei der Bundesregierung als „Spitzencluster“ der Spielebranche bewerben. In diesem Zusammenhang bedauerte Rhein noch einmal, dass es nicht gelungen sei, die Messe „Games Convention“ nach Frankfurt zu holen.

Um all diese Projekte zu koordinieren, soll die Betreuung der Branche in der Wirtschaftsförderung ausgebaut und aufgewertet werden. Dieses solle auch dazu beitragen, Projekte über die Stadt hinaus zu entwickeln, denn es gelte „Grenzen zu sprengen und sich regional zu vernetzen“, sagte Rhein. Dabei blickt er auch nach Offenbach, auf die renommierte Hochschule für Gestaltung. Denn eine städtische Kreativakademie, wie manche fordern, so Rhein, werde es nicht geben. Sollten die Agenturen diese aber selbst gründen wollen, werde man sie gern unterstützen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Christian Burkert

 
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