Verbraucher

Energiebewusster Wohnen

Von Petra Kirchhoff

11. Oktober 2007 Drei-Zimmer-Wohnung, Altbau, Stuck, Parkett, Energieklasse F – diese Verbrauchskennziffer, die bei Kühlschrank und Waschmaschine inzwischen wie selbstverständlich mit in die Kaufentscheidung einfließt, könnte künftig auch zum wichtigen Detail in der Wohnungsannonce werden. Ein Beschleuniger in dieser Sache ist die neue Energieeinsparverordnung, mit der Deutschland dem Wunsch der EU nachkommt, den Energieverbrauch in Gebäuden deutlich zu verringern. Zentrales Element ist der Energieausweis, der schrittweise vom 1. Juli 2008 an für alle Pflicht wird, die ihre Immobilie verkaufen oder neu vermieten möchten.

Der Ausweis zeigt, wie es beim Thema Energie um die Qualität eines Hauses oder einer Wohnung bestellt ist, und macht Vorschläge für bauliche Veränderungen. Harald Brandes, Chef der Handwerkskammer Wiesbaden, ist überzeugt, dass Nebenkosten stark an Bedeutung gewinnen werden. „Je stärker die Energiepreise steigen, um so schneller wird das Thema in den Köpfen der Verbraucher ankommen“, meint er und argumentiert dabei nicht ganz ohne Eigennutz. Denn es sind vor allem seine Kammermitglieder, die Heizungsinstallateure und Innenausbauer, die von einem Modernisierungsboom zum Wohle des Klimas profitieren.

Wärmeverluste in Gebäuden

Die Handwerkskammern bieten Lehrgänge für Meister und Techniker an, die sich zum Energieberater weiterbilden wollen. Nur mit dieser Qualifikation dürfen sie Ausweise ausstellen. 1600 Euro kostet die Fortbildung bei der Wiesbadener Kammer. In der Praxis müssen die Berater neutral vorgehen. Ein Heizungstechniker mit Ausweis-Legitimation muss laut Vorschrift mehr Gewerke im Blick haben als den Kessel im Keller.

„Wir sind zur Neutralität verpflichtet“, hebt Martin Hundler hervor. Er ist vereidigter Sachverständiger für das Sanitär- und Heizungsbauhandwerk bei der Handwerkskammer Wiesbaden, betreibt ein Planungsbüro und ist als Energieberater tätig. In Häusern, die vor 1970 erstellt worden sind, liege der Energieverbrauch 50 bis 60 Prozent über dem heutigen Standard, sagt er. Mit Dämmung und anderen baulichen Schritten könne dieser Mehrverbrauch in aller Regel um 70 Prozent gesenkt werden. „Dann aber ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“

Undichte Fenster, schlecht isolierte Wände und Decken sind es, die für hohe Wärmeverluste in Gebäuden verantwortlich sind. Oft kommen noch veraltete Heizungsanlagen hinzu. Ein Paradebeispiel und eine Herausforderung für den Energieberater: das denkmalgeschützte Gästehaus Kranig (Baujahr schätzungsweise 1770) in Wiesbaden-Biebrich, das Hundler neulich unter die Lupe genommen hat.

Energieberatung für 200 und 300 Euro

Claudia Kranig-Stichel, Leiterin des kleinen Hotelbetriebs, hatte sich im Zuge einer Renovierung für eine ausführliche Energieberatung entschieden, nachdem sie feststellen musste, dass sie im Baumarkt keine befriedigenden Antworten auf ihre Fragen bekam. Einen 40-seitigen Bericht mit sechs möglichen Modernisierungsvarianten hat Hundler verfasst, Kosten, Energieersparnis genau aufgelistet und auch ausgerechnet, nach welcher Zeit sich die Kosten rechnen. Dämmung der Außenfassade und Solarzellen auf dem Dach, die sich für den Hotelbetrieb deutlich gerechnet hätten, kamen aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage. Finanziell wie bautechnisch möglich war dagegen die Dämmung der obersten Geschossdecke (Kostenpunkt: 1700 Euro) und der Einbau eines Gasbrennwertkessels (10 375 Euro), der auch die Wärme des Wasserdampfes nutzt, der in alten Kesseln wirkungslos verpufft.

Alles in allem verbraucht der Hotelbetrieb nun knapp ein Viertel weniger Energie im Jahr als vorher und spart damit etwa 2000 Euro an Energiekosten. Damit haben sich die Investition nach etwa sechs Jahren amortisiert. Und auf der Energieklassen-Farbskala verbessert sich das Gebäude um einen Schritt von F nach E.

1200 Euro hat die Energieberatung samt Energieausweis in diesem Fall gekostet. Nach Angaben der Deutschen Energieagentur fallen bei einer sogenannten bedarfsgerechten Analyse Kosten zwischen 200 und 300 Euro an. Wer Geld sparen will und ohnehin nicht vorhat, sein Haus in den nächsten Jahren zu modernisieren, hat noch bis Ende September 2008 die Möglichkeit, sich eine billigere Version, den Verbrauchsausweis, ausstellen zu lassen. Dieser erfasst lediglich den Verbrauch der letzten drei Jahre und kostet bis zu 50 Euro.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer

 

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