Von Mona Jaeger

Winterlich: Einzelhändler wie Hugendubel sind ganz auf Weihnachten eingestellt – dem milden Wetter zum Trotz.
28. November 2009 Verlockungen gibt es zumindest genug. Überall hängen nun die Plakate der großen Kaufhäuser und Einkaufszentren, die mit ihren längeren Öffnungszeiten bis Weihnachten die Kauffreude der Kunden anregen wollen. Sei es der Kaufhof an der Hauptwache in Frankfurt oder das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach – Geschenke können jetzt montags bis samstags bis 22 Uhr gekauft werden. Und das werden die Kunden auch tun, wenn Prognose von Frank Albrecht, dem Präsidenten des hessischen Einzelhandelsverbands, zutrifft: „Wir rechnen mit einem guten Weihnachtsgeschäft.“ Das ist gemessen an der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage eine kühne Behauptung. „Die Konsumstimmung ist gut“, sagt Albrecht dennoch.
Umfragen geben ihm recht: Demnach haben die Menschen vor, im Mittel 485 Euro in das Fest zu investieren. Vor Jahresfrist waren es nur 403 Euro. Dementsprechend rechnet auch der Einzelhandels-Dachverband HDE mit einem besseren Weihnachtsgeschäft als ursprünglich angenommen. Das liege vor allem daran, dass sich der Arbeitsmarkt als sehr stabil erweise, sagt HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Dennoch rechnet der Verband mit einem Umsatzrückgang von 1,5 Prozent in den Monaten November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr. In dieser Zeit machen die Einzelhändler rund ein Fünftel ihres Ganzjahresumsatzes. Dieser soll im Vergleich um zwei Prozent sinken.
Kaum Preissteigerungen
Für Hessen sehe die Lage aber besser aus, sagt Frankfurt Albrecht. „Ich rechne mit einem vergleichbaren Geschäft wie im Vorjahr. Möglicherweise wird es sogar noch etwas besser als 2008.“ Außer dem stabilen Arbeitsmarkt helfe da auch das Weihnachtsgeld, das trotz Wirtschaftskrise noch immer vielen Arbeitnehmern ausgezahlt werde. Zudem habe es kaum Preissteigerungen gegeben. „Die Kunden bekommen also eher mehr Geschenke für ihr Geld als noch im vergangenen Jahr. Das regt zum Kaufen an“, meint der Frankfurter Parfümeriebesitzer.
Im Gegensatz zu anderen Branchen erweist sich der Handel bisher als sehr robust. War im vergangenen Jahr um diese Zeit noch von Konsumgutscheinen die Rede, um die Kauflust anzukurbeln, spricht jetzt niemand mehr davon. „Der Einzelhandel braucht keine Subventionen, sondern nur eine relativ stabile und sichere Wirtschaftslage.“ Sogar teure Ware und Luxusartikel, die in Hessen stark vertreten seien, würden gekauft. Im Gegenzug hätten Kaufhäuser ihr Angebot noch ausgebaut. Albrecht: „Im Zweifelsfall geben die Kunden das Geld dann doch lieber aus, als es zu sparen.“ Weihnachten und das Verschenken verlerne man eben nicht.
„Kunden kaufen jetzt eher schöne Dinge“
Kauffreudige Stimmung herrscht auch im Einrichtungshaus Lorey in Frankfurt. Geschäftsführer Philipp Keller kann sogar dem noch sehr milden Wetter etwas Positives abgewinnen: „Die Kunden kaufen jetzt eher schöne Dinge für das eigene Zuhause und entsprechende Geschenke statt Wollmäntel und Schals.“ So schätzt Keller, dass er am Ende des Jahres wieder den Umsatz von vor zwei Jahren haben wird, nachdem 2008 die Geschäfte wesentlich schlechter liefen.
Noch immer gehören Bücher zu den Geschenkfavoriten. Klaus Plinke, Filialleiter von Hugendubel in der Frankfurter Innenstadt, sagt deswegen auch: „Die Geschäfte laufen gut.“ Anders sieht es teilweise in der Textilbranche aus. Wintermäntel sind um bis zu 20 Prozent reduziert, weil bei 15 Grad noch keine winterliche Weihnachtsstimmung aufkommen will. Um das zu ändern, haben in dieser Woche viele Weihnachtsmärkte eröffnet. Sie würden noch mehr Kunden in die Städte locken, hofft der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands. Besonders samstags sei dann in den Geschäften sehr viel los, weil sich dieser Tag zum Familieneinkaufstag entwickelt habe. Begünstigt auch dadurch, dass in Hessen die Geschäfte nicht wie in anderen Bundesländern auch an den Adventssonntagen geöffnet haben dürfen.
Unsicherheitsfaktor Schweinegrippe
Das Wetter bekommen also vielleicht die Weihnachtsmärkte in den Griff. Eine ganz andere Befürchtung hat Christiane Barth, der vier Spielwarengeschäfte im Rhein-Main-Gebiet gehören: „Vielleicht kommen wegen der Schweinegrippe weniger Kunden in die Städte und Zentren.“ Bisher laufe der November in ihren Geschäften „etwas komisch“. Albrecht vertritt dagegen die Meinung, dass die Schweinegrippe keine Rolle beim Weihnachtsgeschäft spielen werde. „Die Hysterie ist da raus.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wolfgang Eilmes