Confederations Cup

Konfusion beim Ladenschluß

Von Manfred Köhler

Kaufkräftige Konsumenten?

Kaufkräftige Konsumenten?

03. Juni 2005 Einen Vorschlag zu machen kostet nicht viel. „Wir schlagen für den Zeitraum des Confederations Cups und der WM 2006 Ladenöffnungszeiten wochentags bis 24 Uhr und sonntags von 10 bis 22 Uhr vor“, äußerte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Joachim von Harbou, am Mittwoch. „Die Region Frankfurt/Rhein-Main und ganz Deutschland sollten sich den Gästen aus aller Welt als weltoffener und flexibler Gastgeber präsentieren.“

Wer will dem widersprechen? Leider beginnt der Confederations Cup, bei dem acht Nationalmannschaften gegeneinander antreten und viermal in Frankfurt gespielt wird, schon am 15.Juni. Anders gesagt: am Mittwoch übernächster Woche.

„Da ist es fünf nach zwölf“

Einen solchen Vorschlag umzusetzen ist deshalb gar nicht so einfach. Die Frankfurter Einzelhändler jedenfalls wissen von nichts. Längere Öffnungszeiten während des Fußballturniers in zwei Wochen? „Da ist es schon fünf nach zwölf“, überlegt Günter Biere, Chef des Kaufhofs an der Hauptwache. „So etwas muß man ja planen“, grübelt Katja Stahlhacke, die einige hundert Meter weiter das Karstadt-Haus auf der Zeil leitet.

„Viel zu kurzfristig“, meint Frank Albrecht, Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands und Inhaber einer Parfümerie an der Goethestraße. Frage an Hans-Peter Debling, den für den Einzelhandel zuständigen Geschäftsführer der IHK: Haben Sie denn mit dem Frankfurter Einzelhandel über den Vorschlag der Kammer gesprochen? Antwort: nein. Es habe Gespräche darüber „im Kammerwesen“ gegeben, in Berlin.

„Das halte ich nicht für umsetzbar“

Aber nicht nur bei der Frankfurter Kammer wird heftig über eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten nachgedacht, ohne daß jemand mit dem Einzelhandel redet. Beim hessischen Sozialministerium war es bis gestern womöglich nicht anders. „Wir sind dabei, das freizugeben“, sagt eine Sprecherin des Hauses auf Anfrage. Rechtsgrundlage sei ein Paragraph des Ladenschlußgesetzes, wonach längere Öffnungszeiten erlaubt seien, wenn ein „dringendes öffentliches Interesse“ vorliege.

Anders als die Kammer will das Land aber den Sonntag ausnehmen. Gestern erst erfährt Frank Albrecht von dieser Initiative und davon, daß das Regierungspräsidium angewiesen sei, so zu verfahren. Der Präsident des Einzelhandelsverbands staunt nur noch: „Ein Schnellschuß“, sagt er. „Das halte ich nicht für umsetzbar.“

Der Vorschlag ist „etwas kurzfristig“

Auch IHK-Geschäftsführer Debling meint nach einigem Überlegen: Der Vorschlag des Präsidenten sei „etwas kurzfristig - zugegebenermaßen“. Einig sind sich alle, Debling wie Biere, Albrecht wie Stahlhacke, aber darin, daß zur Weltmeisterschaft alles viel besser vorbereitet werden soll. Längere Öffnungszeiten während des Mega-Turniers im Juni und Juli nächsten Jahres?

„Sehr begrüßenswert“, sagt der Kaufhof-Chef. „Absolut sinnvoll“, meint die Karstadt-Geschäftsführerin. Und zählt auf, was zu einer Vorbereitung alles zählt: Gespräche mit dem Betriebsrat, Vorbereitung von besonderen Aktionen, damit die Leute auch wirklich in die Innenstadt kommen, schließlich Werbung, um auf die ungewöhnlichen Angebote hinzuweisen. „Es muß ein einmaliges Ereignis werden.“

Öffnung der Geschäfte rund um die Uhr geplant

Auch bis dahin ist noch allerhand zu tun, aber es ist ja auch noch ein Jahr hin. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat bereits den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über den Ladenschluß in den Bundesrat eingebracht, der vorsieht, daß die Bundesregierung aus Anlaß der WM eine Öffnung der Geschäfte an Wochentagen rund um die Uhr und an Sonntagen von 14 Uhr an erlauben darf.

„Da die Fußball-WM 2006 bundesweit ein Millionen-Publikum erreicht und große Besucherströme aus dem In- und Ausland anzieht, die ihren Deutschlandbesuch nicht nur auf die Spielstandorte oder Mannschaftsquartiere beschränken, ist im gesamten Bundesgebiet eine befristete Freigabe der Ladenöffnungszeiten erforderlich“, heißt es in der Begründung.

Freigabe der Öffnungszeiten für Sonntage angedacht

Das immerhin könnte also etwas werden. An Einigungsbedarf fehlt es aber trotzdem nicht. Albrecht denkt an Öffnungszeiten von 6 bis 24 Uhr und sonntags von 13 bis 20 Uhr - nicht früher, wegen der Kirchen. IHK-Geschäftsführer Debling sagt im Gespräch, er stelle sich für die Werktage eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten vor und für die Sonntage, daß die Geschäfte von 14 bis 24 Uhr öffnen dürften.

Und sein Kammerpräsident Harbou meinte am Mittwoch, die Öffnung solle an den Sonntagen der Weltmeisterschaft von 10 bis 22 Uhr erlaubt sein. Aber bei diesen Kleinigkeiten wird man sich wohl verständigen können. Es ist schließlich noch ein Jahr Zeit.

Text: F.A.Z. / Rhein-Main-Zeitung vom 4. Juni 2005
Bildmaterial: dpa

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