Im Porträt: Ronnefeldt

Tee für die Welt aus Bockenheim

Von Thorsten Winter

06. Mai 2008 Ob in Paris oder Frankfurt, Dubai oder Singapur: Wer in einem der besseren Hotels einen Tee bestellt, bekommt nicht selten eine Kreation aus dem Hause Ronnefeld serviert. Einen würzig-malzigen Mokalbarie aus Assam zum Beispiel, einen elegant-blumigen Jungpana-Darjeeling oder die fruchtige Chinatee-Mischung Morgentau. Denn die gehobene Hotellerie ist der wichtigste Abnehmer des vor 185 Jahren gegründeten Teehandelshauses, das im Frankfurter Stadtteil Bockenheim am Kurfürstenplatz seinen Sitz hat. Und nicht an der Küste, wie die meisten anderen deutschen Teehändler. Dies wiederum liegt in der Geschichte des Unternehmens begründet.

Gründer Johann Tobias Ronnefeldt erkannte früh den Nutzen der seinerzeit noch kostengünstigen Binnenschiffahrt für sein Gewerbe. Statt selbst an die Küste zu ziehen, wo der Tee aus Indien, Sri Lanka (Ceylon) oder China auf dem Seeweg eintraf, ließ er das Genussmittel in Kisten verpackt zu sich kommen und reichte sie an Kunden weiter. Anfangs des 19. Jahrhunderts hatte Tee im Binnenland nicht annähernd soviele Freunde wie heutzutage, doch setzte Ronnefeldt gezielt auf betuchte Kundschaft wie etwa Handelsleute und Adlige, die sich auch gerne in Hotels bewirten ließen. Mit den Jahren dehnte er sein Geschäftsgebiet auf Österreich/Ungarn, Griechenland und das traditionell teeliebende Russland aus. So verwundert es auch nicht, dass Ronnefeldt mittlerweile seine Produkte in 50 Länder liefert, wobei der deutschsprachige Raum weiter der größte Markt ist, wie Inhaber Frank Holzapfel und sein Sohn Jan-Berend, der die Geschäfte des Teehandelshauses führt, sagen.

Versand von Worpswede aus

Einen Standort mit Fluss und Hafen zu haben, war bis vor wenigen Jahren für das Unternehmen von großer Bedeutung. Schließlich befanden sich im Frankfurter Westhafen die Zolllager der J.T. Ronnefeldt KG, wurde der Tee dort angeliefert. Nachdem Zollbestimmungen in der Europäischen Union gefallen waren, wurden die Zolllager überflüssig, wie Frank Holzapfel in der Rückschau sagt. Vor diesem Hintergrund überlegte die Chefetage, das Unternehmen zu verlegen. Zumal die Stadt Frankfurt für Mittelständler „ziemlich steuerunfreundlich“ ist, wie der Inhaber des Teehauses mit Blick auf den Gewerbesteuer-Hebesatz meint. Der Gedanke an einen Umzug wurde aber verworfen – „wir hängen an Frankfurt“.

Ein Teil des Unternehmens wurde gleichwohl vor gut einem Jahrzehnt verlagert. Und zwar aus Platzgründen. Statt wie bis dahin in dem verwinkelten Gebäude am Kurfürstenplatz – „das ganze Haus hat nach Tee geduftet“ – wird der Tee seitdem in Worpswede gemischt und verpackt. Nach dem Motto: „Wenn die Schiffe nicht mehr vor die Haustür fahren, dann setzen wir die Haustür vor die Schiffe.“ In Bockenheim arbeiten seitdem nurmehr 40 Angestellte in der Verwaltung; insgesamt zählt das Unternehmen 140 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von gut 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der deutsche Teemarkt wird auf 500 Millionen Euro taxiert.

Von Hand gepflückte Tees

Um Tees zwischenzulagern, die nur ein Mal im Jahr zu kaufen sind, wie etwa die erste Pflückung aus Indien, arbeitet Ronnefeldt mit Importeuren zusammen. Mehrfach in der Woche bringt ein Pendeldienst die benötigten Mengen nach Worpswede, wie Frank Holzapfel den Ablauf erläutert. Nach wie vor, und darauf legen die Holzapfels wert, verarbeitet Ronnefeldt nur auf traditionelle Weise mit der Hand gepflücktes Blattgut statt maschinell abgerupfter Pflanzenteile. Außerdem nimmt das Teehandelshaus für sich in Anspruch, mit einer besonderen Qualität aufzuwarten: Tees aus den Endknospen eines Zweiges und den beiden folgenden jüngsten Bättern. Diese Qualität findet sich nicht nur in den lose dargebotenen naturbelassenen Produken, sondern auch bei aromatisierten Sorten und in Aufgussbeuteln, wie es heißt.

Hatte Ronnefeldt seine Produkte bis in die neunziger Jahre hinein noch vor allem lose angeboten, so sind Beutel wichtiger geworden. Auf diesem Gebiet tut sich das Unternehmen mit Innovationen hervor. So etwa mit dem schlauchförmigen „Tea-Caddy“ für Kannenportionen. Auf diese Weise will Ronnefeldt die Tradition der großblättrigen Tees mit der im Gastgewerbe geschätzten Bequemlichkeit verbinden. Dass die „Tea-Caddys“ mittlerweile kopiert werden, mag das Unternehmen als Bestätigung ansehen.

„Vielfalt der Sorten und des Genusses“

Dessen ungeachtet will Ronnefeldt mit seinem „Tea-Master“-Programm die Teekultur pflegen. Dabei werden Mitarbeiter von Hotels geschult, wie sie Tees richtig zubereiten und servieren. Idealerweise erhält ein Hotelgast, der Tee bestellt hat, infolge einer solchen Schulung den Hinweis, wie lange sein Tee schon zieht, und eine Uhr neben Tasse oder Kännchen gestellt, um die richtige Brühzeit abpassen zu können. Frank Holzapfel sieht als „schlagendstes Argument“ für Tee „die Vielfalt der Sorten und damit des Genusses“. Medizinische Aspekte, die Schwarz- und Grüntee zugeschrieben werden, stellt er nicht in den Vordergrund – „das ist ein schöner Nebeneffekt“.

Nicht nur eine Hotel-Marke

Ronnefeldt gilt dem Teehandelshaus als Marke der Hotels - deshalb finden sich Produkte unter diesem Namen, anders als früher, auch nicht mehr im Lebensmitteleinzelhandel. Allerdings be liefert das Frankfurter Unternehmen auch Fachhändler, so wie das Gewürz- und Teehaus Alsbach in der Frank furter Innenstadt, mit insgesamt 250 Teesorten. Zudem tritt Ronnefeldt im Einzelhandel mit dem Tee-Handels-Kontor Bremen auf, Markenzeichen: blau-weiße Tüten. Diese Marke, die mit 200 Teesorten aufwartet, ist im Rhein-Main-Gebiet an der Freßgass' in Frankfurt und an der Wiesbadener Langgasse vertreten. (thwi.)



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ronnefeldt

 

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