
Thomas Sourisseau montiert bei Omicron Teile einer Maschine zur Untersuchung von Oberflächenstrukturen durch Röntgenstrahlen
16. Juli 2007 Wenn Norbert Nold die Arbeit seiner Firma erklärt, muss er schon etwas weiter ausholen. Das ist alles schrecklich technisch, was wir hier machen, berichtet der alleinige Geschäftsführer der Omicron Nanotechnology GmbH in Taunusstein bei Wiesbaden und erzählt von UHV-Rastersondenmikroskopen, Elektronenspektroskopie und Elektronenmikroskopie. All diese Geräte werden in seiner Firma entwickelt, gebaut und an Wissenschaftler in aller Welt verkauft. Die untersuchen damit die Oberflächen von Materialien, finden so deren chemische Zusammensetzung heraus und prüfen, wie sie zum Beispiel auf extreme Temperaturschwankungen reagieren. So können sie etwa ihre Proben auf etwa minus 268 Grad Celsius herunter kühlen.
Sie wollen so hinter das Geheimnis der Materialien kommen, berichtet der Marketingleiter von Omicron, Andreas Frank. Dank dieser Geräte können die Wissenschaftler einzelne Atome beobachten und diese sogar verschieben. Sie wollen mit dieser Forschung erreichen, dass immer mehr Daten auf immer kleinere Chips passen, zum Beispiel bei Handys oder Computern. Vielleicht wird man irgendwann mal seinen PC an der Armbanduhr tragen können, sagt der Geschäftsführer Norbert Nold, der die Firma 1984 gegründet und sie in dem Nischenbereich nach seiner Aussage zum Weltmarktführer ausgebaut hat.
Keine zusätzlichen Aufträge durch Hessen-Champion
Im Jahr 1999 gewann die Firma den Unternehmenswettbewerb Hessen- Champions. Die Mitarbeiter hätten sich über die Auszeichnung zwar sehr gefreut, zusätzliche Aufträge habe der Preis aber nicht gebracht, sagt Nold. Schließlich seien die Kunden auf der ganzen Welt verstreut und der vom hessischen Wirtschaftsministerium und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) damals ins Leben gerufene Preis vielen Kunden gar nicht bekannt.
Seit ihrer Gründung schreibt die Omicron GmbH kontinuierlich schwarze Zahlen, der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 35 Millionen Euro. Wie hoch der Gewinn war, möchte der Geschäftsführer und Chef von etwa 200 Mitarbeitern nicht sagen. Wir sind auf einem stabilen Plateau angekommen, erzählt er. Bis ins Jahr 2000 wuchs seine Firma stark, zurzeit stagniert jedoch der Markt. Deshalb will der 58 Jahre alte Betriebswirt seiner Omicron GmbH ein zweites Standbein schaffen und Systeme für Fehleranalysen anbieten.
Börsengang kein Thema mehr
Von der Idee, mit seinem Unternehmen eines Tages an die Börse zu gehen, hat er mittlerweile Abstand genommen. Das Geschäft sei zu speziell, es würde von den meisten Investoren kaum verstanden werden, meint er. Auch die enormen Quartalsschwankungen bei der Auftragslage mache die Firma kaum geeignet für den Gang an die Börse.
Seine Maschinen kosten meist zwischen 500.000 und drei Millionen Euro. Sie werden speziell nach den Wünschen der Kunden gebaut, alleine die Planung dauert häufig mehrere Monate. Bis die hoch empfindsamen Geräte, die sogar auf Schallwellen reagieren, ausgeliefert werden, können noch einmal bis zwölf Monate vergehen.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa