Von Manfred Köhler
26. März 2008 Der Klimawandel wird in den nächsten Jahrzehnten Milliardeninvestitionen unter anderem für den Hochwasserschutz erfordern. Nach einer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlichten Studie kommen bis 2050 allein auf Hessen Kosten in Höhe von 34 Milliarden Euro zu. Dabei trifft es dieses Bundesland nicht einmal besonders hart. In Baden-Württemberg belaufen sich die Kosten auf ungefähr 129 Milliarden Euro, also fast das Vierfache. Auch in Bayern und Niedersachsen sind die Kosten, wie sie von dem Berliner Forschungsinstitut errechnet wurden, weitaus höher, ebenso in Rheinland-Pfalz. Dort werden nach der neuen Studie 81 Milliarden Euro fällig.
Die Wirtschaftswissenschaftler haben ihren Berechnungen die Annahme zugrundegelegt, dass es in den nächsten Jahrzehnten kaum gelingt, den Klimawandel weltweit einzudämmen, und sich daher die Temperatur an der Erdoberfläche um bis zu 4,5 Grad Celsius erhöht. Während der vergangenen 50 Jahre betrug der Anstieg 0,13 Grad je Jahrzehnt, wie die Berliner Forscher schreiben. Sollte sich der Anstieg tatsächlich beschleunigen, so fielen nach ihren Modellrechnungen bis 2050 in ganz Deutschland Kosten von 800 Milliarden Euro an.
Kühlwasser kür Kraftwerke könnte fehlen
Die Wissenschaftler rechnen damit, dass es in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland nicht nur wärmer wird, es also zu heißeren Sommern und milderen Wintern kommt, sondern dass sich auch häufig extreme Wetterlagen ergeben – starke Niederschläge, lange Trockenzeiten, häufigeres Auftreten von Stürmen. Die vermehrten Niederschläge werden der Studie zufolge einen Ausbau des Hochwasserschutzes erfordern, also den Bau von Deichen, Schutzmauern und Rückhaltebecken. Die extreme Hitze wiederum erfordere eine bessere Isolierung der Gebäude und den Aufbau von Hitzewarnsystemen“, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Gefahren zu warnen. Ohnedies sei zu befürchten, dass sich mit zunehmender Temperatur Tropenkrankheiten wie Malaria ausbreiteten.
Wassermangel in Trockenperioden werde die Wachstumsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft verschlechtern und die Waldbrandgefahr erhöhen, mildere Winter würden zur Ausbreitung von Schädlingen führen, heißt es in der Studie weiter. Womöglich seien Waldumbauprogramme“ erforderlich, denn Mischwälder dürften widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel sein als Monokulturen. Mit Schwierigkeiten rechnen die Wissenschaftler auch bei der Energieversorgung. In Hitzeperioden bestehe die Gefahr, dass es an Kühlwasser für Kraftwerke fehle, durch Stürme und Hagel könnten die Überlandleitungen beschädigt werden. Nur eine Branche wird nach Darstellung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforderung vom Klimawandel profitieren: die Bauindustrie.
Finanzausgleich zur Bewältigung des Klimawandels angeregt
Dass Hessen nach der Studie vergleichsweise glimpflich davonkommt, liegt nach Auskunft ihrer Autorin Claudia Kemfert daran, dass dieses Bundesland von Überschwemmungen weniger bedroht ist als andere Länder und somit niedrigere Kosten für Hochwasserschutz anfallen. Der Bau von Deichen und Rückhaltebecken habe einen beachtlichen Anteil an den für ganz Deutschland ermittelten Kosten in Höhe von 800 Milliarden Euro. Allerdings zähle Hessen zu denjenigen Bundesländern, deren Land- und Fortwirtschaft durch extrem heiße Sommer und Wasserknappheit in besonderer Weise leiden werde. Zwar müssen der Studie zufolge in absoluten Zahlen die größten Lasten von wirtschaftsstarken Bundesländern getragen werden. Setzt man die Ausgaben jedoch ins Verhältnis zur Bruttowertschöpfung, so leiden Länder wie Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Thüringen besonders. In der Studie wird deshalb ein spezieller Finanzausgleich zur Bewältigung des Klimawandels angeregt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Cornelia Sick
Positiver Ausblick für Life-Science-![]()
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