EZB-Neubau

Lob für Siegerentwurf von Coop Himmelb(l)au

15. Februar 2004 Das Ergebnis des Architektenwettbewerbs um den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Areal der Großmarkthalle im Frankfurter Ostend ist unter Architekten und Planungspolitikern mit freundlicher Zurückhaltung aufgenommen worden. Zwar wurde vor allem der Siegerentwurf von Coop Himmelb(l)au mit Lob bedacht, gleichzeitig waren jedoch Zweifel zu hören, ob die geforderte Baumassen tatsächlich in den gezeigten Modellen untergebracht sind. Die Entscheidung der EZB, vorab nur je eine Ansicht der Siegerentwürfe und eine knappe Einschätzung der Jury zu veröffentlichen, stieß auf Unverständnis. Auf dieser Grundlage sei ein fundiertes Urteil nicht möglich.

Wie berichtet, hat das Büro Coop Himmelb(l)au den ersten Preis erhalten. Die österreichischen Architekten schlagen vor, die Großmarkthalle als Eingangsgebäude zu nutzen. Südlich der Halle wird ein etwa gleichgroßes Konferenzzentrum errichtet, an dessen Südseite ein Doppelturm aufragen soll. Der zweite Preis ging an das Büro ASP Schweger Assoziierte mit Sitz in Berlin, das zwei L-förmige Türme mit einem "Skybridge" genannten Deckel vorschlägt. Den dritten Rang belegte der Entwurf der Büros 54f Architekten und T.R. Hamzahl & Yeang aus Darmstadt und Malaysia. Sie wollen zwei Hochhäuser errichten, die in Nord-Süd-Richtung stehen und an das Hochhauspaar Kastor und Pollux erinnern.

Grüne loben „mutigen Bauherr“

Stefan Majer, planungspolitischer Sprecher der Grünen, sprach lobend von einem "mutigen Bauherrn". Wenn in Frankfurt ein Hochhaus mit skulpturähnlicher Form errichtet werden könne, dann am Main. Barbara Heymann, Fraktionsvorsitzende der SPD, äußerte die Vermutung, daß das fertige Gebäude wenig mit den jetzt von der Jury prämierten Entwürfen zu tun haben werde. Darauf deute die Stellungnahme der EZB hin. Hans-Ulrich von Mende, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Frankfurt, sagte, der erste Preisträger habe die Baumassen besser verteilt als die anderen Siegerentwürfe. Architekt Dieter Köhler äußerte sich ähnlich. Die Idee von Coop Himmelb(l)au, die Fassaden der Großmarkthalle zu verglasen, sei richtig.

Das Büro Coop Himmelb(l)au veröffentlichte gestern weitere Ansichten seines Entwurfs. Erst jetzt wird die Gestalt des Hochhauses nachvollziehbar. Es handelt sich um einen Doppelturm, dessen Gebäudehälften in sich verdreht und durch ein gewaltiges gläsernes Atrium verbunden sind. Mehrere Brücken verbinden die beiden Türme miteinander. Wie dem Jury-Urteil zu entnehmen ist, durchschnitt in der ersten Phase des Wettbewerbs der "Groundscraper" die Großmarkthalle. Offenbar auf Verlangen der Denkmalschützer blieb die Halle im überarbeiteten Entwurf unangetastet, der Neubau liegt jetzt parallel zum "Gemüsedom" - ein fauler Kompromiß, der dem Entwurf seine Geschlossenheit nimmt.



Text: ale.
Bildmaterial: AP

 

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