Von Cai Tore Philippsen, Peking
18. August 2008 Es war nur die übliche Schlusssirene, die am Montagabend in der Wukesong Basketball Arena von Peking nach der üblichen Niederlage gegen Amerika ertönte. Doch für den deutschen Basketball endete nicht nur das Match mit einem 57:106 gegen die NBA-Stars, auch das Olympische Turnier ist für die Nationalmannschaft schon nach der Gruppenphase vorbei. Nur ein Sieg gegen Angola (95:66) bei vier Niederlagen gegen Spanien (59:72), Griechenland (64:87), China (55:59) und nun gegen Kobe Bryant und Co. - das war zuwenig, um im Viertelfinale noch dabei sein zu dürfen.
Drittens markierte die Sirene wohl das Ende einer Ära. Es war das 127. und vorerst letzte Spiel von Deutschlands einzigem Basketballstar Dirk Nowitzki im Trikot der Nationalmannschaft. Sein erstes hatte er am 26. Februar 1997 als Achtzehnjähriger bestritten und danach ein ganzes Jahrzehnt geprägt.
Konzentration auf NBA
Ausgeschlossen hat der heute Dreißigjährige ein Comeback zwar nicht, doch was soll ihn nach Olympia und dem umjubelten Einmarsch als Fahnenträger noch motivieren, auch die nächsten Sommer in der Halle zu verbringen, fragte Nowitzki rhetorisch. Eine Teilnahme an der Europameisterschaft 2009 in Polen könne er sich nicht vorstellen. Die nächste olympische Gelegenheit bietet sich erst 2012 - dann wäre Nowitzki 34 Jahre alt.
Mein großer Traum nach Olympia ist nun die NBA-Meisterschaft und darauf werde ich meine Konzentration legen, sagte Nowitzki, da bleibt nicht viel Raum für Interpretationen. Nationaltrainer Dirk Bauermann will die Hoffnung noch nicht aufgeben. Die Entscheidung sei offen, nach der Saison müssen wir wieder miteinander reden, sagte er nach dem Spiel.
Bauermann muss ganz neu anfangen
Zwar musste das Team des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) in Peking wieder erkennen, dass ein Nowitzki (14 Punkte) zu wenig ist, um Spiele zu gewinnen. Aber ohne einen Nowitzki kann sich derzeit niemand das Nationalteam vorstellen. Weil auch Pascal Roller und Patrick Femerling aufhören, und der Deutsch-Amerikaner Chris Kaman abermals betonte, nur mit Nowitzki spielen zu wollen, muss Bauermann ganz neu anfangen. Es ist schon sehr traurig. Eine Generation geht, die sehr erfolgreich war, sagte der Trainer.
Den ordentlichen Abschluss, den Bauermann von seinem Team gefordert hatte, konnten die Spieler zunächst nicht bieten. Nach fünf Minuten stand es 3:14, nach dem ersten Viertel 12:31. Am Ende waren es 49 Punkte Unterschied, höher hat bisher kein anderes Team gegen die Amerikaner verloren, für die das Turnier mit dem Viertelfinale gegen Australien weitergeht.
Dwight Howard von Orlando Magic war mit 22 Punkten der beste Werfer. Mehr war nicht drin, mehr war nicht zu erwarten, meinte Bauermann. 2006 beim letzten Aufeinandertreffen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft hatte sich das deutsche Team mit 65:85 noch besser geschlagen. Der Vergleich hinkt allerdings, im letzten Viertel saßen Nowitzki, Kaman, Femerling, Demond Greene und Roller auf der Bank. Bauermann ließ für eine Zukunft ohne Superstar üben.
Bildmaterial: dpa, REUTERS