Wahlparty im Landtag

Die CDU ist auch mit dem Blechkater zufrieden

Von Ralf Euler, Wiesbaden

Zuprosten zum Wahlsieg

Zuprosten zum Wahlsieg

18. Januar 2009 Sieger sehen anders aus: Als um 18 Uhr die erste Prognose bekannt wird, die die CDU bei 37,5 Prozent sieht, brandet im Sitzungssaal der Landtagsfraktion ganz kurz Jubel auf. Schließlich weiß man, was man den Fernsehteams schuldig ist. Gleich darauf aber herrscht wieder betretene Ruhe. „Wir haben auf den goldenen Löwen spekuliert und müssen jetzt mit dem Kater in Blech zufrieden sein“, sagt ein deprimierter CDU-Oberer. Europaminister Volker Hoff hingegen, ehemals Geschäftsführer einer PR-Agentur, weiß, wie man ein solches Ergebnis zu verkaufen hat: „Der größte Gewinner heute Abend ist das Land Hessen“, sagt er, und schickt dann gleich eine Mahnung an den mutmaßlichen Koalitionspartner hinterher, für den 17 Prozent gemeldet werden: „Die FDP wäre gut beraten, die Kirche im Dorf zu lassen.“

Eine halbe Stunde später, als der alte und wahrscheinlich auch neue Ministerpräsident einzieht, bricht dann doch noch Begeisterung aus. 15 Prozent Vorsprung vor den Sozialdemokraten, das sei doch etwas, ruft Roland Koch seinen Anhängern zu. Gemeinsam mit der FDP werde die Union Hessen weiter voranbringen. Auf die Liberalen sei Verlass, schließlich hätten diese sich schon in den vergangenen zwölf Monaten im Kampf gegen ein drohendes rot-grün-rotes Regierungsbündnis als standfest erwiesen. „Wir werden zusammenhalten, an guten wie an schlechten Tagen.“

Hahn strebt für sich selbst das Justizministerium an

Freude bei der FDP

Freude bei der FDP

„Klare Verhältnisse – nur mit der CDU“ steht auf den Pappschildern, die einige Koch-Anhänger hochhalten. Zwei Stockwerke tiefer sieht man das etwas anders. „Ohne uns hätte das heute ganz schön in die Hose gehen können“, meint ein FDP-Landtagsabgeordneter. Die Hessen, so lautet bei den Liberalen die Parole, hätten sich für einen „Neuanfang“ entschieden. „Ob wir das mit zwei oder drei Ministern machen, ist zweitrangig.“ Auch sonst ist man betont darauf bedacht, angesichts des besten Ergebnisses seit 1954 nicht den geringsten Anschein von Größenwahn zu erwecken.

Der FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn spricht von einem „sehr hohen Vertrauensvorschuss“, den die Wähler seiner Partei gegeben hätten, und den man in den nächsten fünf Jahren „in aller Demut und in aller Zurückhaltung“ rechtfertigen wolle. Ein paar Sätze weiter schimmert dann aber doch durch, dass der CDU in den Koalitionsverhandlungen ein liberaler Parteichef mit stolzgeschwellter Brust gegenübersitzen wird. „Wir haben den Auftrag, möglichst viel liberale Politik durchzusetzen“, stellt Hahn klar, „in sämtlichen Bereichen.“ Damit ist das Thema für die nächsten Tage gesetzt: Wie will die CDU einem Koalitionspartner, der noch einmal gut sechs Prozent hinzugewonnen hat, ein drittes Ministerium verweigern?

Hahn strebt für sich selbst das Justizministerium an, Dieter Posch ist für das Wirtschafts- und Verkehrsressort gesetzt – so viel ist bekannt. Doch Wetten werden bereits angenommen: So wie diese Wahl ausgegangen ist, wird sich die Frage nach einem dritten Kabinettsposten für die Liberalen zwangsläufig stellen – das Kultusressort und das Ministerium für Wissenschaft und Kunst kämen wohl in Frage.

„Ein sehr bitterer Abend“ für die SPD

Glaubt man den Grünen, steht Hessen ohnehin nicht mehr bevor als ein paar personelle Änderungen. „Die FDP will schwarze Minister durch gelbe ersetzen, und sonst nichts“, befindet der parlamentarische Geschäftsführer der Landtags-Grünen, Mathias Wagner. Das eigene Ergebnis – das beste in einem Flächenland seit Bestehen der Partei – wird ausgiebig bejubelt, auch das schwache Abschneiden der CDU sorgt für Freude. Den Erfolg des Erzrivalen FDP nehmen die Grünen zähneknirschend zur Kenntnis, und der auf einen historischen Tiefstand gefallenen SPD, die im Herbst schließlich den möglichen Politikwechsel „versemmelt“ habe, werden noch ein paar hämische Kommentare hinterhergeschickt.

Bei der Linkspartei steigt indes von Minute zu Minute die Zuversicht, dass man auch dem nächsten Landtag wieder angehören wird – wenn auch ohne Aussicht auf Mitgestaltung. Nur die Sozialdemokraten haben gar nichts zu lachen: Noch-Generalsekretär Norbert Schmitt, eigentlich eine unerschütterliche Frohnatur, findet, das sei „ein sehr bitterer Abend“.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z. - Frank Röth

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