Trügerische Sicherheit: George W. Bush mit Truthahn

Krisentheorie

Da staunte der Truthahn

Nassim Nicholas Taleb, Professor für Risikoforschung, hatte den Verlauf der Finanzkrise schon beschrieben, als sich Ben Bernanke noch in einer „Ära der Sicherheit“ wähnte. Sein neues Buch könnte zum Standardwerk einer Gesellschaft werden, die gerade die Zerstörung ihrer Lebenssicherheit erlebt. Von Frank Schirrmacher

Lesermeinungen zum Beitrag

02. November 2008 17:16

Nette Geschichte über den Truthahn des N.N. Taleb zu Anfang,

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

auch das abschließende optimistische Zitat von Taleb, wonach der Fortschritt auf trial and error ( Versuch und Fehlschlag ) beruht trifft ins Schwarze. Dazwischen jedoch verirrt sich der Feuilletonist Frank Schirrmacher in allerlei Miesepetertum. Natürlich geht alles gut, bis es schief geht. Das ist eine Binse und kaum erwähnenswert - wenn da nicht das schöne Bild vom Truthahn wäre. Billionenverluste stehen nicht fest und Steinbrück irrt - natürlich. Nicht "tausend Finanzhäuser" haben gegen überraschende Ereignisse gewettet. Schließlich ist es Unfug, daß niemand, auch aus der Finanzszene, die sich entwickelnden Probleme nicht mindestens frühzeitig erahnt hätte. Etliche Häuser haben entlang der sich entwickelnden Finanzklemme bereits vor mehr als einem Jahr die Grundlagen für ordentliche Erträge gelegt. Andere sind aus den Aktienmärkten nach und nach ausgestiegen, der eine und andere bereits ab 2006. Wer aktuelle Entwicklungen länger verfolgt, gelegentlich den Blick auf die an der Wand gerahmten Regeln über fraktale Geometrie als Hilfe zur Einschätzung von Marktbewegungen wirft, sah kommen, was kommen mußte, wenn auch nicht das moral-hazard bedingte Ausmaß, das früheren Hilfen des Staates gedankt ist.

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02. November 2008 14:23

Schon der Urknall war eine Überraschung und recht aufregend

Wolf Doleys (Karneades)

Schon der Urknall war eine Überraschung und keine Verlängerung der Vergangenheit, und seit dem ging das so weiter, und man kann damit sogar zufrieden sein, nur die Presse und manche Apostel halten es gerne mit den Hysterikern, die es immer gibt. "Alles Leben ist Problemlösen" (Karl Popper), dabei wird es bleiben; statt hergelaufener Talebs sollte man die Originale lesen, das Beispiel des schwarzen Schwans stammt ja von Popper, diesen bereits erwähnten Essay, der einem Essayband den Namen gab, sowie das Altenberger Gespräch zwischen Popper und Konrad Lorenz "Die Zukunft ist offen" , bei Piper mit den Texten des Wiener Popper-Symposiums, und natürlich sollte jeder im Studium Poppers "Logik der Forschung" bearbeitet haben. Läßt sich ja nachholen, Herr Schirrmacher.

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01. November 2008 21:38

Das Schicksal des Truthahns als Lehre?

Andreas Grünebaum (shorafix)

Der Artikel hinterlässt ein etwas schales Gefühl auf der Zunge: Jegliche eigene Erfahrung als überholt ansehen, nur weil die Zukunft ganz anders aussehen könnte? Ein pessimistischer Truthahn könnte seine reichlichen Nahrungsressourcen im hintersten Stallwinkel horten und bis zu "schlechteren Zeiten" hungern. Der optimistische Truthahn dagegen wird alles aufessen und glücklich bis zum letzen Tag leben. Beiden ist gemeinsam, dass sie letztendlich keine Optionen haben - der Schlachttag kommt ohnehin.

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01. November 2008 12:56

Der Bau von Atomkraftwerken folgt derselben Logik

Matthias Rüttgen (MRuettgen)

Weil es bisher nur kleinere Unfälle mit Atomkraftwerken wie Tschernobyl gegeben hat, sind Atomkraftwerke sicher. Nach genau dieser Logik argumentieren Befürworter der Atomkraftwerke. Wenn es dann einmal zu dem ganz großen Desaster kommen wird, wird auch ein Politiker kommen und mutig sagen dürfen: Die Welt wird nie wieder so sein, wie sie gewesen ist. Und weiß Gott, er wird mit diesem Satz recht haben.

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01. November 2008 12:15

Was habt ihr eigentlich gelernt?

Harry Hain (zx10)

In den letzen 150-200 Jahren? Ist das wirklich so neu? Oder sollen wir noch einen Exkurs ins biblisches Zeitalter gehen? Also mal ehrlich, so neu ist das wirklich nicht. Für die "jungen Amerikaner" - gerade mal über 200 Jahre Geschichte - ist diese "alte", aber neue formulierte Erkenntnis "überraschend" bahnbrechend. Huch. Nein, ich pflege keine Antiamerikanismus, ganz im Gegenteil: das Schicksal wollte sogar, daß ich meinen Geburtstag immer mit den amerikanischen Unabhängigskeitstag feiern darf. Aber: Der "amerikanische Truthahn" verbrachte 3 glückliche Jahre und genoß wahrscheinlich sein Leben. Der "europäische/deutsche Truthahn" zweifelte dagegen wahrscheinlich 3 Jahre am Sinn des Lebens. Beiden ereilte nun das gleiche Schicksal. :-)

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01. November 2008 11:27

Truthahn-Zeit

Klaus Erdmann (kerdmann)

Dieser Beitrag kommt in vielerlei Hinsicht zur rechten Zeit. Nicht nur, weil Truthahn-Essen jetzt jahreszeitlich bedingt an der Reihe sind, sondern vor allem, weil die politischen und epistomologischen Auswirkungen der Finanzkrise darin nachdrücklich aufgezeigt werden. Doch offen bleibt, welche Auswege aus Truthanien führen. Mir ist der Unterton des Beitrages zu apokalyptisch und katastrophil: dass wir die Zukunft als Abstraktum kaum noch prognostizieren können, bedeutet nun nicht, dass wir uns truthanartig ergeben sollten. Pessimistische Prognosen hinsichtlich unserer Erkenntnisfähigkeit hat schon der Club of Rome 1968 in überzeugender Weise abgeliefert. Noch einen Tag bevor die (exemplarisch) exponentiell wachsende Seerose den See völiig zugedeckt hat, erscheint dieser noch zur Hälfte frei. Am Tag vor dem Unheil können wir dieses unter Umständen doch nicht erkennen. Aber wir können lernen und (politisch) handeln. Wir müssen in diesen Zeiten erleben, dass unser Verkehrsminister die Gehälter des Topmanagementes bei der Bahn fürstlich veredelt und uns mitteilt, dass er diese Entscheidung nicht mehr rückgängig machen kann. Da stellt sich die Frage: wer ist hier der Truthahn?

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01. November 2008 10:58

Bravissimo Maestro!

Eduard Katholnig (katholnig)

Wunderbar! Exzellent! Endlich jemand, der wissenschaftlich fundiert - nehme ich an, das Buch habe ich nicht gelesen - feststellt, dass es zufällige Ereignisse gibt (!), des weiteren feststellt, dass solche Ereignisse, die wir in unserem Bewusstsein abzuspeichern noch nicht die Möglichkeit hatten, im Allgemeinen für uns nicht existieren (siehe Spinoza) und drittens konstatiert, dass die Befindlichkeiten eines Truthahns metaphorisch zu verwenden sind. Dies ist bestimmt ein wunderbares Buch, vor allem weil es mich verwundert, wie Herr Professor Taleb das Sicherheitsgefühl eines Truthahns - ich nehme an, dass er hierbei eng mit den psychologisch-veterinärmedizinischen Fakultäten zusammen arbeitete - evaluiert. Der große Zufall führt aber nicht nur zur Entdeckung schwarzer Schwäne (nebenbei bemerkt ist die Strapzierung dieser Alliteration bestimmt kein Zufall, oder doch) sondern auch zum reißenden Absatz eines Buches, welches ohne den zufälligen Eintritt der Finanzkrise wertlos geblieben wäre. Nachdem also diese Ereignis reiner Zufall war, ist das Schreiben eines solchen Buches ein Glückspiel. Darüber hinaus bekomme ich bei der Lektüre der Zusammenfassung von Herrn Taleb's Elaborat vom lauter "Eh-schon-wissen" rote Ohren.

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01. November 2008 07:35

Werden wir von Truthähnen regiert?

Günter Blümel (guenterbluemel)

Das Buch von Nicholas Taleb habe ich leider nicht gelesen. Ich habe oft nur Zeit für so grandiose Kurzbeiträge wie diesen von Herrn Schirrmacher. Aber die geschildertn Erkenntnisse sind ja auch außerhalb der Finanzwelt zutreffend. Menschen können gemeinhin Erkenntnisse aus anderen Bereichen auf ähnliche Situationen übertragen, besser als jede andere bekannte Spezies. Warum wurde das in der Finanzbranche nicht getan? Hat es vielleicht damit zu tun, dass zu viele der dortigen Meinungsführer lieber kurzfristig 7-, 8-, oder 9-stellige Boni kassiert haben, als den sicheren Schaden für uns andere mittels Vorsicht oder Warnung abzuwenden? Um dieses Risiko zukünftig zu vermindern,sollten wir meiner Meinung nach stärker auf (im fraglichen Sektor) unabhängige, ehrliche Kenner und Warner setzen. Das gilt für die Tätigkeit von Regierungen noch viel mehr als für die der Banken, bei denen es ja fast nur um ein (großes) bisschen Geld geht.

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01. November 2008 07:14

Die Geschichte der Truthahnheit...

Fritz Vandermöhlen (FritzV)

...verläuft so wie sie verläuft, weil sie blöd sind, die Truthähne. @mieslin hat es wunderbar beschrieben. Ich sehe, daß sich überall Spannungen aufbauen. Und zwar hauptsächlich in Verhältnis zwischen arm und reich (andere Spannungen wie z.B. zwischen Angebot und Nachfrage meinen im Grunde dasselbe). Solange arm nur gleich sexy bedeutet, mag das kein Problem sein. Aber wenn sexy dann umschlägt in Hunger, Elend und Unterdrückung, dann wird sich diese Spannung irgendwann und plötzlich entladen. So wie in der "Technik", wo eine dauerhafte "Überspannung" auch zur Zerstörung des bis dahin "friedlich vorsichhinarbeitenden" Objekts führen wird. Und zwar mit einem Knall. Also, Truthähne, aufwachen! Schlachtet eure Schlächter, bevor sie euch schlachten (das ist latürnich nur allegorisch gemeint). Und mit denen, die meinen, das wäre alles nur Panikmache, würde ich mich gerne in 10 Jahren nochmal unterhalten...

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01. November 2008 06:21

Der Mensch ist kein Truthan,sondern ein Hornochs.Das beweist er immer wieder

Daniel Kleiner (kleinermannwasnun)

Seine ganze Geschichte beweist es. Kulturen,Volker,Staaten und Reiche hat er geschaffen und vernichtet.

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01. November 2008 03:54

Was war hier nicht vorhersehbar ?

Peter Struth (pstruth)

Die Schwantheorie ist bodenlos dummes Zeug. UNvorhersehbar war hier gar nichts. Die Finanzkrise und ihre Auslöser waren völlig vorhersehbar, im Groben sogar zu hundert Prozent. Dass zuviel Liquidität zu leichtsinnigem Gebrauch führt, ist Stoff für Erstsemester. Und dass Kredite, welche nur unter einer mathematisch unmöglichen Vorraussetzung (nämlich ewig UND überproportional steigender Immobilienpreise) zurückgezahlt werden könnten, dann in Realität eben auch nicht zurückgezahlt werden, kann jede "Putzfrau" vorhersagen. Den Zeitpunkt konnte man ohne Federlesen zwischen 2005 und 2015 vorhersagen. Nur die Details sind halt nie vorhersagbar. So wie eine Überschwemmung absolut sicher ist angesichts eines defekten Staudamms. Bricht er aber schon nächstes Jahr ? Erst in 10 Jahren ? Plötzlich ? In Etappen ? Der letztliche Auslöser war doch sehr banal und verdient es nicht, mit soviel Feuilletonnebel umsprüht zu werden. Die amerikanischen "Subprime"-Hypotheken waren schlicht politisch gewollt. Eine "kostenlose" "unsichtbare" Konjunkturspritze. Keynes durch die Hintertür. Dass danach eine Misere folgen müsste, wurde ja auch durchaus vorhergesehen. Keynes hatte nämlich schon früher nie funktioniert.

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01. November 2008 00:09

Gallus felix: Ab nach Bayreuth

Hans Meier (HansMeier555)

Fettes Geflügel gibt schöne Metaphern ab, aber erklärt nicht die Wirtschaftskrise. Was Taleb uns damit sagen will, ist im Artikel nicht so recht deutlich geworden. Anstatt ihn einfach selbst um einen Beitrag bzw. ein Interview zu bitten (notfalls nachzudrucken) hat sich der Redakteur selbst an einer Interpretatation versucht und uns wiedermal einen Weltuntergang bayreuthet. Soll der Truthahn doch froh sein, daß er sein Schicksal nicht vorausweiß. Anstatt sich mit der Erkenntnis aufzuhalten, daß niemand die Zukunft vorhersagen kann, sollte Schirrmacher lieber die Frage aufgreifen, was WIR, die wir zwar fett und bequem, aber keine Truthähne sind, eigentlich (hätten) tun können. Oder was das FAZ-Herausgeberkollektiv hätte tun können. [Z.B. mal rechtzeitig nachforschen, wie diese AAA-Ratings eigentlich zustandekommen?!?] Stattdessen haben wir unmündige Bildungsbürger den Eliten in Treu fest blind vertraut (und sind stolz darauf, jawohl!) und sind betrogen worden, genau wie die armen Hitlerjungen 1945! Fertig machen zum Selbtbemitleiden, Nibelungenmarsch..

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31. Oktober 2008 23:34

Taleb schreibt gleiches Buch zwei mal

Andreas Lehmann (alm)

Taleb schreibt seit einigen Jahren das gleiche: Die Normalverteilung ist für die Entwicklung finanzmathematischer Modelle ungeeignet denn die wirkliche Verteilung hat "fat tails". D.h., "seltene" Ereignisse (schwarze Schwäne) haben in der Wirklichkeit eine höhere Wahrscheinlichkeit als in der Normalverteilung angenommen. Taleb ist Finanzmathematiker, und weil er einen Hammer hat werden alle Probleme der Welt durch seine Brille zu Nägeln. In seinem ersten Buch "Fooled by Randomness" war das noch interessant. Das neue Buch scheint aber etwa die gleiche Aussage zu beinhalten, glaubt man den ~350 Rezensionen der US-Ausgabe auf Amazon. Es gibt immer Auguren für alle möglichen Ereignisse im Markt. Taleb hat Hochkonjunktur weil er einmal richtig lag und setzt eben diese Story(!) fort. In einem Jahr wissen wir mehr. Für Taleb ist alles stochastisch und es gibt kaum wirtschaftliche Zusammenhänge, d.h. er ist von derselben Betriebsblindheit der Finanzfachleute beschlagen, die er bei seinen Kollegen so anprangert.

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31. Oktober 2008 22:47

Der Mensch ist kein Truthahn

Georg Rubin (grubin)

Das Schicksal des Truthahns ist mit dessen Schlüpfen aus dem Ei besiegelt und die Uhr tickt. Aber auch wenn die nächste Katastrophe für die Menschheit bestimmt kommt, heißt es nicht, dass es jedes menschliche Individuum garantiert trifft. Wenn die natürliche Lebenserwartung eines Menschen vor den tausend Tagen bis zur Katastrophe liegt, kann er "glücklich und ohne Überraschung" sterben. Also nicht von Storytelling, egal von welcher Seite irritieren lassen, den Kopf aus dem Sand nehmen und weiter mit Common Sense und Trial and Error LEBEN.

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31. Oktober 2008 22:11

Chaosphysik aneignen - das Gebot in der Systemkrise

Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)

Evolutionsprozess- und Chaosphysik - wie sie bisher nirgendwo gelehrt wird - wird alle der bisherigen Erkenntnisstrategien in hochkomplexen Prozesssystemen ablösen. Chaosphysik weiß, dass in höchstkomplexen, nichtlinearen Prozesssystemen kleinste Abweichungen unvorhergesehene Dominowirkungen hervorrufen können. Das begrenzt die theoetischen Vorhersage- und politische Steuerungsansätze und wirft den Erkenntnisprozess auf Trial-and-error-Strategien für Politik. Wenn Prozesssysteme, die chaosphysikalische Bedingungen erfüllen, von absolutistischen Macht-Nr.1-Systemen beherrscht werden und im Weiter-So ausgebeutet und zugleich stabilisiert werden, dann wird es i m m e r einen revolutionären Exodus geben - entweder durch den eigendynamischen Zusammenbruch oder durch eine kleinste Geniepuntktänderung, die in die evolutionsprozess-logisch vorher erkennbare, höhere Ordnung umsteuert. Diese Bedingungen waren und sind im us-amerikanischen Finanz-Wirtschafts-Politik-System erfüllt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die chaosphysikalisch programmierte, kleinste Abweichung aus der globalen Vorherrschaft des us-amerikanischen Machtsystems (= pax americana) herausführt. Auf dieses Startszenario sollte Deutschland sich vorbereiten.

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31. Oktober 2008 21:14

Wie das eben ist...

kristian kroflin (kroflin)

...wenn man den Carnot`schen Kreisprozess wieder in Erinnerung bringt.

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31. Oktober 2008 20:35

Erstaunlich - aber das ist doch eigentlich auch nur "storytelling", oder?

Bernd Michalski (michalski2)

Dafür sind Zeitungen natürlich da, vor allem Feuilletons - insofern: Kein Grund zu Beschwerden. --- Aber im Ernst: Dass große und komplexe Systeme per se anfälliger seien für katastrophale Zusammenbrüche, erscheint doch etwas voreilig. Denn in großen, komplexen Systemen gibt es normalerweise stützende Redundanzen, sogar geplant. Etwa ein modernes, durch und durch computerisiertes Auto: ist das wirklich gefährlicher als ein Ford Model T? Brechen Computer heute häufiger "endgültig" zusammen als vor 20 Jahren? --- Auf der anderen Seite, wenn denn schon richtig darauf hingewiesen wird, dass die übliche Extrapolierung der Vergangenheit zu prognostischen Zwecken keine sichere Sache ist: Genau so funktionieren aber doch die allgegenwärtigen Katastrophenszenarien von "grüner" Seite: Wenn wir noch xx Jahre "so weitermachen", dann geht die Welt unter. Nein, geht sie nicht, oder zumindest aus ganz anderen Gründen, die sich heute noch keiner vorstellen kann oder mag. --- Also: Es kann immer wieder etwas umwälzendes passieren (gut oder schlecht), mit dem man nicht rechnete. Einsteins Atombombengleichung, die Wiedervereinigung, Gottschalk als Literaturkritiker, das Dinosauriersterben etc. - aber wussten wir das nicht schon, Herr Schirrmacher?

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31. Oktober 2008 19:37

Rente verspielen?

Martin Steinwand (Steinwand1)

Alles schoen und gut. Aber wenn es darum geht, fuer die eigene Alterssicherung vorzusorgen, scheint mir der Experimentieransatz nicht erfolgsversprechender als das Befolgen von Erfahrungswerten. Modelle die auf Erfahrungswerten beruhen, gewichten katastrophale Risiken mit sehr kleiner Wahrscheinlichkeit. Wenn die Katastrophe eintritt, ist in der Folge das Ergebniss sehr weit vom statistischen Erwartunswert entfernt. Nur, mit einem Experimentieransatz kann noch nicht einmal ein Erwartungswert gebildet werden. Uebertragen auf die Altervorsorge bedeutet dass, das keinerlei Wissen uber das Ergebniss der experimentellen Vorsorgestrategie existiert. Wer moechte schon seine Rente verwetten, ohne zu wissen wie die Chancen stehen? Das Problem mit dem Experiment ist, dass es nicht beliebig oft, oder vielleicht ueberhaupt nicht wiederholt werden kann. Der Truthahn haette z.B. auf der Flucht vor den Menschen ueberfahren worden koennen, weil er noch nie ein Auto gesehen hat. Experimente sind schoen und gut, ein grosser Teil der Altersicherung sollte aber die Erfahrungen der Vergangenheit (Ergebnisse vergangener Experimente?) nuetzen.

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31. Oktober 2008 19:33

Und die Finanzexperten wundern sich ...

eberhard munk (ebherhard.munk)

Im Grunde geht es hier um die grundlegende erkenntnistheoretische Frage ob wahre Aussagen über die Wirklichkeit "ex ante" überhaupt möglich sind, da solche Aussagen in der Natur, nach deduktiver Logik verlangen, die aber in der wirklichen Welt wenig hilfreich ist, wie das Beispiel der Schwäne veranschaulicht. Beim Finanzsystem handelt es sich aber nicht um ein natürliches System. Er ist ein synthetisches Konstrukt der menschlichen Ratio, bei dem es uns, im Gegensatz zur Situation des Truthahns, prinzipiell möglich sein sollte alle relevanten Einflussgrößsen "a priori" zu kennen. Es ist daher durchaus erstaunlich, dass sich makroökonomische Prognosemodelle und Expertenmeinungen bezüglich realer Systeme als notorisch unzuverlässig erweisen. Insbesondere ist aufgrund liberaler Überzeugungen nicht gelungen ein stabiles Finanzsystem zu konstruieren. Dies bedeutet aber entweder, daß die Prämissen ökonomischer Meinungsbildner unzutreffend sind und daher die Signifikanz ihrer Empfehlungen unklar ist, oder aber, daß Asymmetrien, aus welchen Gründen auch immer, gegen besseres Wissen in Kauf genommen werden. In jeden Falle wäre ein gesellschaftlicher Konsens gegenüber der Meinung der Finanzeliten bezüglich der Finanzmarktregeln zu bevorzugen

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31. Oktober 2008 19:26

Prof. Taleb verwechselt Erfahrung mit Wissen

Kay-Uwe Götz (kgoetz)

Erfahrung ist eine statistische Größe. Sie zieht Schlussfolgerungen aus der Beobachtung der Vergangenheit und kann daher eine Wahrscheinlichkeit angeben, dass auch die Zukunft so sein wird. Zu dieser Wahrscheinlichkeit gehört auch eine Irrtumswahrscheinlichkeit und diese kommt am 1000. Tag zum Tragen. Dumm für den Truthahn, aber nicht außergewöhnlich. Dennoch kann jemand, der viele Truhthähne und ihr Leben beobachtet die Schlussfolgerung ziehen, dass das Leben eines Truthahns oft bis zum 999. Tag gut geht und dann ein "einschneidendes" Ereignis eintritt. Welche Alternative hat Taleb zu bieten? Soll ich mein Geld im Kopfkissen horten? Das halte ich für noch unsicherer.

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31. Oktober 2008 19:10

Garbage in, Garbage out

E Pohlhausen (egbp)

Nicht nur Professor Taleb hat das Ende von Fannie und Freddie vorausgesehen. Die NYT hat 1999 darüber geschrieben und auch davor gab es viele diesbezügliche Äußerungen. Schon zu Beginn der 90er Jahre, als unter Clinton die CRA Gesetzgebung verschärft wurde, war deutlich, dass die Hypothekenbanken die zwangsweise eingegangenen Risiken nicht tragen konnten. Warnungen nicht-institutioneller Anlageberater wurden als Guru-Geschwätz abgetan. Gesunder Menschenverstand durch Finanzmathematik ersetzt. Der Glaube an die computermodels war genauso unerschütterlich, wie in der Klimaforschung. Dabei hat das amerikanische Wort "garbage in, garbage out" immer noch Gültigkeit. Es ist auch eine Krise unseres Denkens, unserer Wissenschaft. "Try and error" ist nicht mehr geduldet, weder in der Ökonomie, noch in der Medizin, noch in der Klimaforschung und auch nicht mehr in unserem Handeln. Alles ist berechnet, überwacht und festgelegt.

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31. Oktober 2008 19:03

Regierungen sind verhaeltnismaessig unschuldig

fritz Teich (fazfazfaz123)

Man wusste, wenn man wissen wollte, dass diese Derivate, die Menschen verkauft und, was wir nicht vergessen wollen, auch in Deutschland gekauft haben, nichts wert sein wuerden, wenn der Haeuserpreis in den USA sinken wuerde. Dass er irgendwann sinken wuerde war sonnenklar. Wie den Sieg der Taliban in Afghanistan wollte das aber keiner wahrhaben. Die Amis seien Optimisten, ihnen sei nichts beizubringen, hiess es. Der Rest ist Mitlaeufertum, fuer das es zahlreiche andere Beispiele aus der Gegenwart und Vergangenheit gibt. Dass die Staaten dereguliert haben, entbindet die Akteure nicht von ihrer Verantwortung. Genausogut koennte man sagen, weil es nicht genuegend Polizisten gibt duerfe man stehlen.

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31. Oktober 2008 19:02

Leben und Gefahr kommen Hand in Hand

rene dustmann (reduma)

Jeder Mensch wird seit dem ersten Atemzug mit dem Tode bedroht und trotzdem bemühen sich alle, mit zunehmendem Erfolg, den Zeitpunkt möglichst weit nach hinten zu legen. Jetzt platzt eine Blase, lässt Luft ab wie schon viele vorher und gleich wird wieder Endzeitstimmung verbreitet, diesmal gleich für die ganze Kugel. Das die Freunde in Amerika ein grosses Finanzproblem züchten war nun einer ganzen Reihe von wichtigen und unwichtigen Leuten seit langem klar. Keiner konnte jedoch vorhersagen wann und wie es kracht, aber die Kopfgesteuerten haben seit geraumer Zeit Deckung gesucht. Nun sind wir schlauer und stellen uns hoffentlich künftig darauf ein. Trial and error - das tägliche Geschäft. Wenn es u.a. dazu führt, das unendlich oft missbrauchte Wort REFORM aus dem Sprachschatz zu streichten und z.B. durch WEITERENTWICKELN zu ersetzen, haben wir gute Chancen künftig etwas sachlicher an die Lösung der täglichen Überlebensprobleme zu gehen. Und hoffentlich erspart es uns weitere Hohlsprüche unseres Finanzministers Dr. Wichtig: angesichts der Probleme hoffe ich doch sehr, daß morgen nichts mehr ist wie gestern. Dummer Spruch.

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31. Oktober 2008 18:18

Taleb erklärt nichts

Frank Martin (FrankMartin)

Bloße Furcht, bloße Katastrophenstimmung, bloßes Umschlagen von einem Sicherheitsgefühl in Chaos sind keine Erklärungen. Selbstverständlich war die Krise vorhersehbar und sie wurde auch vorhergesehen, u. a. von Roland Baader. Die "Macht höchst unwahrscheinlicher Ergebnisse" ist nichts anderes als das, was wir schon immer als Zufälle kennen und die denkbare Anzahl solcher Ereignisse ist prinzipiell unendlich. Nicht "wir" (die Märkte) haben ein "Weltfinanzsystem" errichtet, das nun am Markt scheitert, sondern Regierungen, die sich ihrer Verantwortung mithilfe von als Rettung verkauften Verschlimmbesserungen entziehen. Auch aus Schirrmachers Text kann man nur erkennen, dass er nicht weiß, was gegenwärtig passiert, da er die ökonomischen Zusammenhänge, die seit Ludwig von Mises sehr gut erklärt werden können, nicht kennt.

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31. Oktober 2008 17:53

Kein Weltuntergang

Reinhart Gruhn (rgruhn)

Das, was wir derzeit als "Finanzkrise" bezeichnen, nun hochdramatisch als Weltuntergang zu charakterisieren, ist eine maßlos tendenziöse Überzeichnung. Der von Schirrmacher zitierte Satz Steinbrücks, nichts werde mehr sein, wie es vorher war, ist mitnichten ein "Satz großer Weisheit", sondern eine ziemlich dumme Plattitüde: Er stimmt übrigens immer - oder nie. Solches Krisengerede hilft nicht nur nicht weiter, es verstellt den Blick auf die nüchterne Einschätzung. Die Finanzwelt erlebt das Platzen einer Blase, die manche vorhergesehen und vorhergesagt haben. Die offenbar geistreichen Beobachtungen Talebs mögen dafür erhellend sein. Aber schon die Perspektiven der Wirtschaftsentwicklung haben recht wenig mit dem Kollaps der Finanzmärkte zu tun, der allfällige Abschwung wird allenfalls verstärkt. Die globalisierten Finanzmärkte zum modernen Gottseibeiuns hochzustilisieren, mag ja zu Halloween passen; im Übrigen trägt es nur zur Mythenbildung bei.

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31. Oktober 2008 17:39

Angekommen in der evolutionären Weltsicht...

Ralf Zietz (RalfZietz)

Nicht die Erzählung von Geschichten und das Sammeln von Erfahrungen, sondern "Versuch mach Kluch" und eine große Portion "Zufall" ist der Motor der Entwicklung. Das gilt für die Technik, die Wirtschaft, eben die Gesellschaft und übergeordnet schon einige milliarden Jahre für die evolutionäre Entwicklung des Lebens generell. Irgendwie beruhigend, denn dann braucht niemand mehr neidisch sein (und frustriert "links" wählen), der Nachbar hatte einfach nur Glück...; oder wird man dann nicht erst recht neidisch? Ganz so einfach ist es aber sicher nicht. Erfahrungen bieten immer noch den (einzigen) Rahmen für gutes Risikomanagment, in allen Lebenslagen. Der "Super-Gau" kann nicht verhindert werden, er kann aber mit Wahrscheinlichkeitsansätzen bewertet werden (wie sonst?). Auch die Evolution "speichert" selektiv "gute Erfahrungen" ab, ohne die Garantie zu bieten, dass diese nicht irgendwann einmal kontraproduktiv werden. So wie die "Gier", ein ursprünglich überlebensnotwendiges, weil basisexistenzsicherndes Verhalten, welches jetzt zur Katastrophe führen wird, wirtschaftlich und ökologisch...

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31. Oktober 2008 17:37

experimenteller Staat

Ivo Huber (jimmycarter1)

Ich weiss nicht, ob Taleb den Staat für ungeeignet hält, ein "experimentelles, spielerisches Verhältnis zur Welt" zu entwickeln (ist eine solche Aussage nicht zu sehr der trügerischen Vergangenheit geschuldet? Auch wenn er Finanzexperte ist und vom Staat vermutlich weniger versteht, sollte Taleb es besser wissen). Eine Tendenz hin zum "experimentellen" trial-and-error Regieren wird von Experten u.a. auf Ebene der EU jedenfalls durchaus diagnostiriert.

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