Aktiensplits

Kosmetische Kurskorrekturen

Von Kerstin Papon

18. Juli 2008 Manche Aktien kosten nur wenige Cent, andere sind so viel wert wie ein Sportwagen. Je höher ihr Kurs steigt, desto erfreulicher ist dies zwar für die Anleger, die den Anteilsschein besitzen. Für potentielle Investoren werden die teuren Papiere dagegen unattraktiver. Denn welcher Privatanleger kann schon 116.000 Dollar - umgerechnet fast 72.500 Euro - einfach so auf den Tisch blättern. So viel kostete am Donnerstag die wohl teuerste Aktie der Welt: Berkshire Hathaway, die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft des legendären Investors Warren Buffett.

Ist ein Kurs aus Sicht des Unternehmens so hoch, dass er den Handel mit den Aktien hemmt und letztlich weitere Kurssteigerungen behindert, dann kann der Preis durch einen Aktiensplit optisch verbilligt werden. Das Eigenkapital und die Marktkapitalisierung der Gesellschaft ändern sich in einem solchen Fall nicht. Auch die Bewertung bleibt gleich. Es steigt lediglich die Zahl der Aktien. Sie werden den Aktionären automatisch zugeteilt.

Anleger sollten deshalb keinen Schreck bekommen, denn der Aktienkurs sinkt zunächst allein rechnerisch. Verdoppelt sich die Zahl der Aktien, halbiert sich der Kurs. Die Kurscharts werden bereinigt. Steuerlich ändert sich hierzulande für Anleger bei einem reinen Aktiensplit nichts. Das ursprüngliche Anschaffungsdatum der Aktien behält seine Gültigkeit. Vor allem in den Vereinigten Staaten stehen Aktiensplits auf der Tagesordnung. Häufig erfolgt er reflexartig bei Erreichen der Kursmarke von 100 Dollar.

Aktiensplits: Attraktivität der Aktien werde erhöht, heißt est

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut begrüßt Aktiensplits. Die Attraktivität der Aktien werde dadurch deutlich erhöht: "Viele Privatanleger schrecken vor zu hohen Kursen zurück. Sie kaufen lieber eine höhere Anzahl von günstigeren Aktien als wenige teure Papiere."Die Gründe der Unternehmen für einen Split sind die bessere Handelbarkeit der Papiere und die dadurch möglicherweise höhere Liquidität. Mehr Anleger können sich die Aktie leisten. Die Kurse können zumindest theoretisch durch eine höhere Nachfrage wieder leichter steigen. Für Kritiker ebnet denn auch ein Split den Weg für Spekulanten. Aktien können zudem einfacher in unerwünschte Hände geraten. Ein weiteres Mittel zur Kurspflege sind Aktienrückkäufe. Hier kauft die Gesellschaft eigene Aktien am Markt zurück und verknappt dadurch das Angebot an frei umlaufenden Titeln.

Ein aktuelles Beispiel für einen Aktiensplit gibt der Düngemittelhersteller K+S am kommenden Montag. Auf Fünf-Jahres-Sicht hat die Aktie 1700 Prozent auf rund 310 Euro zugelegt und führt die Bestenliste im Nebenwerte-Index M-Dax an. Mit diesem Kurs ist K+S zudem das nominal teuerste Papier unter den Nebenwerten. Der Sportartikel-Hersteller Puma folgt mit einem Kurs von fast 200 Euro. Mit AMB Generali, Wacker-Chemie und Salzgitter gibt es nur noch drei weitere Werte unter den 50 M-Dax-Gesellschaften mit einem Kurs von mehr als 100 Euro - das Gros liegt darunter.

Von Montag an schert nun zumindest K+S - wenigstens vorerst - aus dieser Gruppe aus. Dann nämlich wird der am 14. Mai dieses Jahres auf der Hauptversammlung getroffene Beschluss umgesetzt und ein Aktiensplit im Verhältnis von eins zu vier vorgenommen. Aus heutiger Sicht ergibt sich dann ein neuer Kurs von etwa 78 Euro. Ziel sei es, angesichts des inzwischen erreichten Kursniveaus die K+S-Aktie einem noch breiteren Anlegerkreis zugänglich zu machen und die Liquidität der Aktie weiter zu erhöhen, heißt es aus dem Unternehmen. Da keine neuen Aktien emittiert würden, werde es keinen verwässernden Effekt geben. Am 21. Juni wird jede ausgegebene Aktie - bezogen auf die am 18. Juli nach Börsenschluss vorliegenden Depotbestände - vorbörslich in vier Aktien der K+S AG aufgeteilt. Für jede bereits bestehende Aktie erhalten Aktionäre also ohne Zuzahlung drei zusätzliche K+S-Aktien in ihre Depots eingebucht. Doch ganz kostenneutral wirken solche Maßnahmen für Aktionäre nicht. Die Unternehmen übernehmen zwar die Gebühren der Banken für die Umbuchung der Aktien - das schmälert allerdings den Unternehmensgewinn.

Allerdings sehen das nicht alle so

Auch der Automobilhersteller Porsche und der Chemiekonzern BASF haben in diesem Jahr schon Aktiensplits vorgenommen. Dabei sagte der Vorstandsvorsitzende von Porsche, Wendelin Wiedeking, einst: "Die Aktie eines exklusiven Unternehmens muss einen hohen Preis haben." Inzwischen gab es zwei reine Splits. Zuletzt wurden im März aus einer Porsche-Aktie zehn. Am Mittwoch lag der Kurs bei rund 90 Euro. Ohne jegliche Maßnahmen würden Porsche-Titel gut 9000 Euro kosten. BASF hat Anfang Juli einen Split im Verhältnis von eins zu zwei durchgeführt - ein häufig gewähltes Verhältnis. Anders war dies noch zu Zeiten des Neuen Marktes. Beispiel EM-TV: Der Kurs stand bei mehr als 1500 Euro. Der Split wurde im August 1999 im Verhältnis von eins zu 25 vollzogen, was später in der Tat die Spekulation auch vieler Kleinanleger anheizte.

Doch nicht alle Gesellschaften interessieren sich für einen niedrigeren Kurs und damit eine bessere Handelbarkeit ihrer Aktien. Mit rund 27580 Schweizer Franken (umgerechnet etwa 17130 Euro) leistet es sich der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli, eine optisch teure Aktie zu haben. Auch in Deutschland finden sich einige Aktien im Freiverkehr und im wenig regulierten Entry-Standard der Deutschen Börse, die einen vier- bis fünfstelligen Euro-Betrag kosten.

Immer wieder werden auch Rufe nach einem Aktiensplit bei Berkshire Hathaway laut. Buffett hat sich von jeher dagegen ausgesprochen, um Spekulationen mit der Aktie vorzubeugen und die Langfristigkeit seiner Anlagestrategie zu unterstreichen. Mitte der neunziger Jahre emittierte er dann günstigere B-Aktien, die jedoch inzwischen auch rund 3800 Dollar kosten. Erst kürzlich hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC dem Unternehmen recht gegeben. Nach Angaben der Behörde muss Berkshire einem Antrag auf Abstimmung über einen Aktiensplit der teuren A-Aktien nicht stattgeben. Andere Gesellschaften, wie die Internetsuchmaschine Google, orientieren sich an Buffett und seiner Philosophie. Der Google-Kurs hat sich seit dem Börsengang im Jahr 2004 mehr als versechsfacht und liegt aktuell bei rund 530 Dollar. Von einem Aktiensplit ist auch hier keine Rede.

Bei Berkshire Hathaway hätte sich ein langer Atem durchaus ausgezahlt. Als Buffett 1965 den ehemaligen Textilhersteller übernahm, lag der Aktienkurs bei 18 Dollar - seither ist er fast um 639000 Prozent gestiegen. Gleichwohl ergeben sich manche Kursreduktionen von allein: Berkshire Hathaway kosteten im Dezember den Rekordwert von bis zu 151650 Dollar - ein Viertel mehr als derzeit.

Finanzmärkte



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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