02. Juli 2008 Die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) warnt die Politik davor, auf die aktuelle Finanzkrise mit einer übermäßigen Reglementierung der Banken zu reagieren. Einige der derzeit diskutierten Vorschläge - zum Beispiel zu den Regeln für die Liquiditätssteuerung oder für die Transparenz der Banken - erschienen durchaus sachgerecht, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank und ein Sprecher für die IFD, auf der Jahrespressekonferenz der Initiative.
Doch wäre es verfehlt, das ökonomisch vorteilhafte Instrument der Verbriefung jetzt generell in Frage zu stellen oder durch Überregulierung nachhaltig zu beschädigen", sagte Kater. In erster Linie müssten nun die Marktteilnehmer selbst die Lehren aus der Krise ziehen und zum Beispiel ihr Risikomanagement oder ihre Vergütungssysteme ändern.
Stabilität des Finanzstandorts Deutschland war nie in Frage gestellt
Die 2003 gegründete IFD ist ein Zusammenschluss deutscher Kreditinstitute, Versicherer, der Deutschen Börse, der Deutschen Bundesbank, des Bundesfinanzministeriums sowie der Spitzenverbände der deutschen Finanzwirtschaft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die gemeinsamen Interessen des Finanzgewerbes, die es jenseits des scharfen Wettbewerbs gibt, zu formulieren und zu vertreten, zum Beispiel beim Gesetzgeber in Berlin und Brüssel. Dies soll die Einführung neuer Finanzprodukte fördern und dadurch dem Finanzstandort Deutschland, der mit Finanzplätzen wie London und Paris konkurriert, Rückenwind verschaffen.
Nach Einschätzung der IFD hat sich der deutsche Finanzmarkt in der Finanzkrise, die vor einem Jahr an den amerikanischen Hypothekenmärkten ausgebrochen ist, als stabil erwiesen. Anfangs herrschte der Eindruck vor, Deutschland sei von der Finanzkrise besonders getroffen worden", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe und ebenfalls ein Sprecher für die IFD. Die grundsätzliche Stabilität des Finanzstandorts war jedoch zu keiner Zeit in Frage gestellt; insgesamt stehen wir heute besser da als viele andere Finanzplätze."
Laut Heise ist die Bankenkrise allerdings noch keineswegs ausgestanden, verschärft sich derzeit vielmehr. Das Gefährliche an der jüngsten Entwicklung sei, dass sich die Finanzkrise und die vom Anstieg der Energiepreise ausgelöste wirtschaftliche Krise vermischten, nämlich zum einen die Beschleunigung der Inflation und zum anderen die konjunkturelle Abkühlung. Das erschwere die Bewältigung der Finanzkrise, da die Unternehmensinsolvenzen im konjunkturellen Abschwung zunehmen dürften - was für die Banken auf zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf hinauslaufe.
In Deutschland gibt es keine Anzeichen für eine Kreditklemme
Laut Heise gibt es in Deutschland aber bislang keine Anzeichen für eine Kreditklemme", also für eine starke Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Ganz im Gegenteil hätten die Kreditinstitute im vergangenen Jahr 6 Prozent mehr Buchkredite an Unternehmen vergeben als im Jahr zuvor - die höchste Zuwachsrate seit dem Jahr 2000. Auslöser dafür sei nicht zuletzt gewesen, dass die Unternehmen deutlich mehr investiert hätten; dies habe nicht mehr allein aus internen Quellen finanziert werden können. Die vermehrte Kreditaufnahme der Unternehmen sei auch nicht zu Lasten der Emission von Unternehmensanleihen gegangen, stellte Heise klar. Vielmehr sei das Volumen deutscher Unternehmensanleihen seit dem Jahre 2006 von 100 Milliarden Euro auf 120 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals 2008 gestiegen.
Nach Einschätzung der IFD liegt der Finanzstandort Deutschland nur hinsichtlich der Kreditfinanzierung auf internationalem Niveau. In den anderen Segmenten des Finanzgeschäfts sei Deutschland hingegen rückständig - wobei sich an diesem Zustand im vergangenen Jahr auch kaum etwas zum Positiven verändert habe. Nachholbedarf sieht die IFD zum Beispiel bei neuen Instrumenten zur Finanzierung des Mittelstands wie Mezzanine- und Beteiligungskapital. Laut Kater arbeitet die IFD im laufenden Jahr an zahlreichen Projekten. Dazu zähle, eine sachgerechte Erfassung von intellektuellem Eigentum in Unternehmensbilanzen zu entwickeln, oder die Förderung von öffentlich-privaten Partnerschaften. Als weiteren Schwerpunkt nannte Kater die Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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