21. Juni 2007 Wer nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, ist arm dran. Eine Erwerbsminderungsrente gibts längst nicht immer, und wenn, fällt sie meist kümmerlich aus. Was bleibt, ist die Grundsicherung vom Sozialamt. Wer seinen Lebensstandard halbwegs halten möchte, braucht dringend eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Wer jung ist, hat gute Chancen einen passenden Vertrag zu finden. Mit zunehmendem Alter oder bei bestimmten Erkrankungen wird es schwieriger, geeigneten Schutz zu bekommen. Finanztest hat 92 Angebote für eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit kombinierter Risikolebensversicherung getestet und sagt, wo es gute Angebote gibt und was vor Vertragsabschluss zu beachten ist.
Schutz im Doppelpack
Günstigen Schutz bieten Risikolebensversicherungsverträge mit Berufsunfähigkeitsschutz. Der Versicherte erhält bei Berufsunfähigkeit eine Rente und die Angehörigen im Todesfall eine Entschädigung. Solche Kombi-Policen sind gebräuchlich und meist auch sinnvoll.
Auch reine Berufsunfähigkeitsversicherungen sind zu haben. Sie können preiswerter sein als das Kombi-Produkt. Geeignet sind sie vor allem für Antragsteller, die keine Familie versorgen müssen oder die ihre Angehörigen schon anders gegen den Todesfall abgesichert haben.
Preis und Leistung
Die Preisunterschiede sind gewaltig. Für eine 30-jährige Bürokauffrau kostet der den Finanztest-Vorgaben entsprechende Schutz zwischen 446 und 1119 Euro pro Jahr. Dabei sind aktuelle Überschüsse der Unternehmen schon berücksichtigt. Wenn die Überschüsse sinken, steigt der Preis der Policen zum Teil erheblich. Trotzdem gilt: Wichtiger als der Preis sind die Versicherungsbedingungen. Diese entscheiden darüber, ob und wann ein Versicherer im Ernstfall zahlt.
Besonders wichtig: Ein Verzicht auf die abstrakte Verweisung. Damit sagt ein Versicherer seinen Kunden unabhängig vom Alter zu, dass er die Rentenzahlungen nicht mit der Begründung ablehnt, der Kunde könne trotz der gesundheitlichen Beschwerden noch in einem anderen Beruf arbeiten. Vor allem für junge Versicherte wichtig: die Nachversicherungsgarantie. Sie ermöglicht es, die Versicherung bei bestimmten Anlässen ohne neue Gesundheitsprüfung nach Bedarf aufzustocken, um etwa einem gestiegenen Einkommen oder einer Familiengründung Rechnung zu tragen.
Kein Schutz bei erhöhtem Risiko
Berufsunfähigkeitsschutz ist nur zu haben, wenn das Risiko aus Sicht der Versicherer nicht zu hoch ist. Wer bereits Gesundheitsschäden hat oder Vorerkrankungen aufweist, bekommt oft keinen Schutz mehr, muss Risikozuschläge zahlen oder sich mit dem Ausschluss von Leistungen in bestimmten Fällen abfinden. Die Versicherer geben keine Auskunft darüber, wie sie Erkrankungen genau bewerten. Sicher ist: Sie kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Auf der Suche nach Berufsunfähigkeitsschutz sollten vor allem Interessenten mit Vorerkrankungen stets einige Angebote mehr einholen, um so vollständigen und so guten Schutz wie möglich zu bekommen. Eine Garantie gibts nicht. Mit Vorerkrankungen wie Bandscheibenvorfällen oder Depressionen ist kaum Berufsunfähigkeitsschutz zu haben.
Pflicht zur Wahrheit
Wegen der großen Bedeutung von Vorerkrankungen sind die Antragsformulare der Versicherer wichtig. Die Fragen zum Gesundheitszustand müssen Antragsteller wahrheitsgemäß und sorgfältig beantworten. Wer schummelt oder was vergisst, läuft Gefahr, im Ernstfall leer auszugehen.
Wichtig ist auch die Gestaltung des Antragsformulars. Je klarer und genauer die Fragen formuliert sind, desto geringer ist das Risiko von Missverständnissen. Pluspunkte bei der Finanztest-Bewertung der Formulare gabs für Angebote, bei denen Fragen nach Krankenhausaufenthalten auf die letzten zehn Jahr und bei sonstigen Erkrankungen und Behandlungen auf die letzten fünf Jahre begrenzt und nur objektive Tatbestände Thema sind.
Potential zum Sparen
Erster Schritt bei der Suche nach Berufsunfähigkeitsschutz ist die Bestandsaufnahme: Aus der jährlichen Rentenmitteilung ergibt sich, ob und in welcher Höhe im Ernstfall eine Erwerbsminderungsrente fällig ist. Hinzu kommen oft noch Berufsunfähigkeitsleistungen aus der betrieblichen Altersversorgung. Ferner zu berücksichtigen: Bei Aufgabe der Berufstätigkeit fallen oft beträchtliche Kosten weg, so dass die Lebenshaltungskosten sinken und sich der Lebensstandard mit weniger Geld als bisher sichern lässt.
Oft jedoch ist eine angemessen hohe Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer. Sparpotenzial bietet außer einer Absenkung der Berufsunfähigkeitsrente eine Verkürzung der Laufzeit. Der Beitrag sinkt deutlich, wenn der Versicherungsschutz bereits mit dem 60. Lebensjahr endet. Doch Vorsicht: Die dann je nach Alter und Umständen bis zu sieben Jahre lange Wartezeit bis zum Beginn der Altersrente sind schwer zu überbrücken.
Tipps zur Vorbereitung
Start
Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst schon in jungen Jahren ab. Dann ist der Beitrag niedrig. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie noch gesund sind und keinen Risikozuschlag zahlen müssen.
Aufwand
Nehmen Sie sich genügend Zeit für die Suche nach der für Sie besten Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Preis- und Leistungsunterschiede sind gewaltig. Außerdem können Sie sich nicht darauf verlassen, dass Sie auf Anhieb ein uneingeschränkt geeignetes Angebot erhalten.
Bedarf
Prüfen Sie anhand ihrer Rentenmitteilung, ob und in welcher Höhe Sie eine Erwerbsminderungsrente bekommen würden. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Rentenversicherung nach. Berücksichtigen Sie gegebenenfalls Berufsunfähigkeitsleistungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge. Schätzen Sie ab, wie viel Geld dann noch fehlt, um Ihren Lebensstandard zu sichern. Planen Sie absehbare Ersparnisse wie den Wegfall von Kreditraten nach Abzahlung von Haus oder Wohnung ein. Sinnvoll kann der Abschluss von zwei Verträgen sein: Der eine Vertrag reicht bis zur Rente und sichert nur den eigentlichen Lebensunterhalt, der andere Vertrag reicht bis zum voraussichtlichen Ende der Abzahlung von Haus oder Wohnung und sichert die Zahlung der Kreditraten ab.
Tipps zum Vertragsschluss
Entwicklung
Achten Sie bei Vertragsschluss auf eine Nachversicherungsgarantie. Eine solche bieten alle sehr guten und viele gute Tarife. Sie können dann die Berufsunfähigkeitsrente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, wenn das etwa wegen einer Beförderung oder einer Familiengründung sinnvoll oder nötig ist.
Auswahl
Bemühen Sie sich um Angebote der 26 sehr guten Tarife aus dem Vergleichstest in Finanztest 07/2007 oder online komplett + interaktiv. Holen Sie möglichst mehrere Angebote gleichzeitig ein. Wenn Sie wegen Vorerkrankungen mit Schwierigkeiten rechnen, sollten Sie sich an möglichst viele Versicherer wenden, um mindestens ein akzeptables Angebot zu bekommen.
Druckstücknummer
Viele Anbieter haben mehrere Berufsunfähigkeitsversicherungen im Programm. Achten Sie darauf, dass Sie den getesteten Tarif bekommen. Vergleichen Sie dazu die in der Finanztest-Tabelle angegebene Druckstücknummer mit der Bezeichnung, die auf Ihren Versicherungsbedingungen angegeben ist.
Preisvergleich
Berücksichtigen Sie nicht nur den aktuell fälligen Netto- sondern auch den Bruttobeitrag. Beim Nettobeitrag sind aktuelle Überschüsse berücksichtigt, die der jeweilige Versicherer mit dem Tarif erwirtschaftet. Wenn die Überschüsse sinken, steigt der Beitrag. Der Bruttobeitrag ist die Prämie, die im ungünstigsten Fall zu zahlen ist. Die nötigen Daten liefern Finanztest 07/2007 oder online unter www.test.de.
Beamte
Sind Sie Beamter, sollten Sie auf eine Dienstunfähigkeitsklausel in Ihrer Versicherung achten. Sie gelten dann als berufsunfähig, sobald Sie als dienstunfähig eingestuft werden.
Vorerkrankungen
Nennen Sie alle Erkrankungen, nach denen im Antrag gefragt wird. Verschweigen Sie nichts aus Angst, keinen Versicherungsschutz zu bekommen. Fragen Sie auch bei Ihren Ärzten nach, wenn Sie sich bei Antworten, die sich auf Ihre Gesundheit beziehen, unsicher sind. Wenn Sie Fragen - auch unabsichtlich - falsch oder unvollständig beantworten, laufen Sie Gefahr, im Ernstfall ohne Versicherungsschutz dazustehen.
Abstrakte Verweisung
Achten Sie darauf, dass Ihr Tarif keine so genannte Abstrakte Verweisung enthält. Der Versicherer kann sonst seine Leistungen verweigern, wenn Sie theoretisch noch in einem anderen Beruf arbeiten könnten.
Beitragszahlungen. Zahlen Sie Ihren Beitrag jährlich statt monatlich. Das ist meist günstiger. Bei monatlicher Zahlung müssen Sie mit Zuschlägen rechnen.
Todesfallleistung
Wenn Sie für den Todesfall bereits versichert sind oder Sie als Alleinstehender keine Angehörigen abzusichern haben, können Sie den Beitrag verringern, indem Sie eine möglichst geringe Todesfallabsicherung wählen.
Überschussbeteiligung
Die Versicherer beteiligen Sie an Überschüssen. Sie entstehen durch Anlage des Geldes der Versicherten, dass nicht zur Deckung von Kosten und für die Zahlung von Berufsunfähigkeitsrenten benötigt wird, wenn die Kosten geringer ausfallen als erwartet und wenn weniger Versicherte als kalkuliert tatsächlich berufsunfähig werden und eine Rente benötigen. Finanztest empfiehlt Verträge mit Beitragsverrechnung der Überschüsse. Versicherte müssen für die gleiche Leistung dank der Überschüsse weniger Beitrag zahlen. Beim Bonussystem gibt's im Falle eines Falles eine höhere Berufsunfähigkeitsrente. Welche Rente Sie tatsächlich bekommen, ist damit kaum voraussehbar und das Risiko groß, dass sie entweder zu hoch und damit zu teuer oder zu niedrig versichert sind. Bei verzinslicher Ansammlung und Schlussüberschuss erhalten Versicherte die auf ihre Police entfallenden Überschüsse am Ende der Laufzeit erstattet. Auch damit können Sie kaum sinnvoll rechnen. Für Altersvorsorge und besondere Anschaffungen sparen Sie besser gezielt mit separaten Verträgen.
Checkliste
Sie können Angebote für Berufsunfähigkeitsschutz auch mit der Checkliste der Stiftung Warentest selbst überprüfen.
Der Text und die Tabelle wurden von unserem Kooperationspartner Stiftung Warentest erstellt. Die vollständigen Informationen sind kostenpflichtig unter www.test.de abzurufen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, Stiftung Warentest
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Marktbericht: Der Dax im Griff der Finanzkrise
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.236,96 | -1,28 |
| TecDax | 801,36 | +0,58 |
| DowJones | 11.430,21 | +0,11 |
| Nasdaq | 2.380,38 | -0,36 |
| STOXX 50 | 3.248,92 | -1,41 |
| Nikkei 225 | 12.752,21 | -0,77 |
| S&P 500 Zert. | 12,63 | -0,71 |
| Euro/Dollar | 1,49 | -0,05 |
| Bund Future | 114,10 | -0,58 |
| Gold | 834,80 | +0,09 |
| Öl | 120,70 | +5,16 |
