Tagesgeld und Zertifikate

Sicherheit in gefährlichen Börsenzeiten

Von Dyrk Scherff

23. März 2008 Wenn die Bevölkerung in Panik ausbricht, stürmt sie die Supermärkte und kauft ein. Hamsterkäufe nennt das der Volksmund. Die gibt es aber zum Glück meist nur in Filmen. Wenn unter Anlegern Angst umgeht wie derzeit, dann verkaufen sie ihre Aktien. Und horten erst einmal das Geld. Eine gute Strategie ist das nicht.

Wer Aktien für ein paar Monate meiden möchte, um zu warten, bis sich die Finanzmärkte wieder beruhigt haben, findet gute Wege, sein Geld zu parken - sogar rentierlich und ohne große Risiken. Zum Beispiel über Tages- oder Festgeld. Beim Tagesgeld wird ein Betrag auf ein eigens eröffnetes Konto eingezahlt. Der Zinssatz kann sich ständig ändern, wenn die Banken ihn anpassen. Dafür kommt der Kunde jeden Tag an sein Geld.

Beim Festgeld hingegen muss er sich vorher entscheiden, wie lange er sparen will. Üblich sind sechs oder zwölf Monate. In dieser Zeit ist das Geld nicht verfügbar - auch dann nicht, wenn die Börsen sich wieder beruhigen und der Kunde wieder Aktien kaufen will. Dafür bietet Festgeld meist etwas höhere Zinsen als Tagesgeld, und der Zins ist während der Laufzeit wirklich festgeschrieben.

Tagesgeld lockt mit hohen Zinsen

Derzeit ist das Tagesgeld im Vorteil, denn einige Banken nutzen es zur Kundenwerbung. Sie locken mit hohem Zinssatz und garantieren ihn oft auch für einige Monate. Wer ein halbes Jahr sein Geld parken will, bekommt bei der Credit Europe Bank derzeit am meisten. Sie zahlt 5 Prozent Jahreszins, das ist weit mehr als der Marktzins. Innerhalb von sechs Monaten verdient der Sparer also 2,5 Prozent. 10.000 Euro brächten 250 Euro ein, allerdings nicht garantiert.

„Bei solchen Angeboten schlägt derzeit das Tagesgeld das Festgeld und bietet dazu die Flexibilität, jederzeit ans Geld zu kommen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Zinsangebote der Banken vergleicht. Das Angebot der Credit Europe Bank gilt aber nur für Neukunden. Bestandskunden bekommen lediglich 4,25 Prozent. Für sie würde es sich lohnen, ein Konto bei der ICICI Bank aufzumachen. Dort gibt es 4,75 Prozent im Jahr.

Trotz unbekannter Namen sind die Einlagen bei diesen Banken aber sicher, wenn sie dem europäischen Einlagensicherungsfonds angehören. Damit sind im Insolvenzfall mindestens 20.000 Euro je Kunde geschützt. In der Regel sogar mehr.

Blasse Geldmarktfonds

Die hohen Zinsen bei Fest- und Tagesgeld lassen selbst die Geldmarktfonds verblassen. Sie legen kurzfristig in Zinspapiere an, bieten aber eine Rendite von höchstens vier Prozent. Noch weniger verdienen die Anleger mit Staatsanleihen, die dafür sehr sicher sind. Sie erzielen für 12 Monate knapp 3,7 Prozent Rendite.

Einen Ertrag von mehr als fünf Prozent bei überschaubarem Risiko werfen Discountzertifikate ab. Das sind Papiere, die einen festgelegten Betrag auszahlen, wenn der Kurs einer Aktie oder eines Index, auf den sich das Zertifikat bezieht, die festgelegte Grenze (Cap) nicht unterschreitet. Liegt diese Schwelle weit unterhalb der aktuellen Kurse, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie erreicht wird.

„Eine sicherheitsorientierte Strategie sollten Anleger mit Aktienindizes wie dem Dax oder dem Euro Stoxx 50 machen“, rät Ralph Stemper, Zertifikatefachmann der Commerzbank, einer der Marktführer bei Discount-Papieren. Denn Indizes schwankten nicht so stark wie einzelne Aktien. Die Schwelle werde daher nicht so schnell unterschritten, aber die Rendite ist auch etwas niedriger als bei Einzeltiteln.

Auch Gold ein guter Geldparkplatz

Wer sein Geld bis Mitte September parken will, könnte ein Discount-Zertifikat auf den Dax mit einer Schwelle von 3500 Punkten wählen, also 45 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Bleibt der Dax darüber, was zu erwarten ist, erzielt der Anleger zum Laufzeitende eine Jahresrendite von 5,11 Prozent. Wird die Schwelle unterschritten, sind es weniger. Unter 3416 Punkten entstünde ein Verlust.

Mehr Vertrauen in den Dax wird mit höherer Rendite belohnt. Liegt der Cap bei 4400 Punkten, also 30 Prozent unter dem derzeitigen Niveau, werden Mitte September 6,4 Prozent Rendite ausgezahlt. Abzuziehen sind die Gebühren für den Kauf, die aber je nach Bank unter 10 Euro je Transaktion liegen können. Der Kursabschlag beim Kauf beträgt nur etwa 0,1 Prozent.

Als guter Geldparkplatz gilt auch Gold. Es bietet Schutz vor Inflation, ist nicht negativ von der Finanzkrise beeinflusst und gewinnt seit Jahren stetig an Wert. Der Kurs hat zu Wochenbeginn kurzzeitig die Marke von 1000 Dollar je Feinunze überschritten. In den vergangenen sechs Monaten hätten Anleger 25 Prozent damit verdient. Über Zertifikate können sie davon profitieren. Anders als bei Tagesgeld ist das Risiko bei Gold allerdings nicht zu unterschätzen: Die Preise sind schnell gestiegen, es besteht die Gefahr von Kursrückschlägen. Mitte vergangener Woche fiel der Preis schon um 10 Prozent. Die Investmentbank Morgan Stanley ist jedoch optimistisch: „In diesem Jahr wird der Preis bei durchschnittlich 950 Dollar liegen“, erwartet Analyst Mark Liinamaa. Die Höchststände würden wieder über 1000 Dollar klettern.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: F.A.Z.

NamePunkteProzent
Dax 7.003,17 -0,97
TecDax 835,29 -1,32
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.801,59 -1,41
Nikkei 225 13.655,34 -2,06
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,55 +0,03
Bund Future 115,07 +0,37
Gold 888,75 +0,42
Öl 122,46 +1,63
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