Von Norbert Kuls, New York
27. März 2008 Die geplante Übernahme der angeschlagenen New Yorker Investmentbank Bear Stearns durch die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase bekommt ein politisches und juristisches Nachspiel. In Washington hat eine Debatte um die Rolle der Notenbank Federal Reserve bei der Transaktion begonnen.
Die Fed hatte die Übernahme der in Schieflage geratenen Investmentbank vorangetrieben, um eine negative Kettenreaktion an den verunsicherten Finanzmärkten zu vermeiden. Um einen Verkauf zu erleichtern, hatte die Fed einen Kredit von 29 Milliarden Dollar bereitgestellt, um Risiken durch stark im Wert gefallenen Wertpapieren im Besitz von Bear Stearns abzufangen. Der Kaufpreis von rund 1,2 Milliarden Dollar für Bear Stearns gilt als niedrig und hat bereits Proteste von Aktionären ausgelöst.
Warum soll mein Geld Bear Stearns retten?
Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, hat zu dem Thema für die kommende Woche eine Anhörung angesetzt und alle wichtigen Akteure, darunter die Vorstandschefs von Bear Stearns und J.P. Morgan, die Vorsitzenden der Fed und der Börsenaufsicht SEC sowie den Finanzminister vorgeladen. Obgleich es zwingend erforderlich ist, eine geregelte Struktur unserer Märkte zu bewahren, wirft der Verkaufsvertrag zwischen Bear Stearns und J.P. Morgan Chase ernste politische Fragen auf", sagte Dodd. Der Senator äußerte Besorgnis über die Auswirkungen der Transaktion auf die Anleger und die Finanzmärkte sowie auf Steuerzahler, die aufgrund des Fed-Kredits möglicherweise zukünftige Verluste tragen müssen.
Am Mittwoch haben rund 200 Demonstranten vor dem Hauptquartier von Bear Stearns gegen die Maßnahmen der Fed protestiert. Warum soll mein Geld Bear Stearns retten?", hieß es auf Plakaten. Bruce Marks, Organisator des Protests und Vorsitzender der Neighborhood Assistance Corp. of America, die sich für in Schwierigkeiten geratene Hausbesitzer engagiert, kritisierte den Verkauf von Bear Stearns als eine vom Steuerzahler bezahlte Rettungsaktion. Bear Stearns war stark im Geschäft mit der Verpackung von Hypotheken in Anleihen engagiert. Zahlungsausfälle bei Immobiliendarlehen hatten die aktuelle Krise ausgelöst und auch für Verluste bei Bear Stearns gesorgt.
Eingriff des Staates verhindert Konkurrenzangebote
Der Eingriff der Fed könnte auch den Einfluss der Börsenaufsicht SEC reduzieren, die für die Aufsicht von Wertpapierhäusern und Investmentbanken zuständig ist. Finanzminister Henry Paulson, ehemals Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, hat sich in dieser Woche für eine zumindest zeitweilig stärkere Rolle der Fed in der Aufsicht von Investmentbanken ausgesprochen. Der Grund: die Fed hatte entgegen ihrer üblichen Rolle Bear Stearns einen Kredit eingeräumt. Traditionell ist die Fed für die Aufsicht und Refinanzierung von Geschäftsbanken zuständig. Um weiteren Liquiditätsengpässen vorzubeugen, hat die Fed zudem auch anderen Investmentbanken ermöglicht, sich direkt bei ihr zu refinanzieren. Wertpapier- und Kreditgeschäft waren in den Vereinigten Staaten lange getrennt. Diese Trennung war zwar vor einigen Jahren aufgehoben worden, aber das zersplitterte System der Aufsicht ist eine Folge der langjährigen Fragmentierung.
Die SEC steht im Fall Bear Stearns unter Feuer. Als erste Gerüchte zirkulierten, dass Bear Stearns in Liquiditätsschwierigkeiten sei, hatte der SEC-Vorsitzende Christopher Cox die Kapitalausstattung der fünf größten Investmentbanken, darunter Bear Stearns, als ausreichend bezeichnet. Die SEC scheint vom Ernst der Lage schwer überrascht worden zu sein", sagte Jack Reed, Mitglied des Bankenausschusses im Senat.
Derweil gehen zwei Pensionsfonds vor Gericht gegen die Übernahme vor. Die beiden in Michigan ansässigen Fonds argumentierten, dass die Details des Übernahmevertrags Konkurrenzangebote praktisch verhindern". Nach Kritik von Aktionären hatte J.P. Morgan am Anfang der Woche sein ursprüngliches Angebot auf 10 Dollar je Aktie verfünffacht. Die Aktien wurden in den vergangenen Tagen mit rund 11 Dollar, also über dem Übernahmepreis, gehandelt. Börsianer spekulieren offenbar weiter auf ein höheres Angebot.
Siehe auch: Wenn die Friseuse die marode IKB bezahlt

Die geplante Übernahme der angeschlagenen New Yorker Investmentbank Bear Stearns durch die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase bekommt ein politisches und juristisches Nachspiel. In Washington hat eine Debatte um die Rolle der Notenbank Federal Reserve bei der Transaktion begonnen.
Die Fed hatte die Übernahme der in Schieflage geratenen Investmentbank vorangetrieben, um eine negative Kettenreaktion an den verunsicherten Finanzmärkten zu vermeiden. Um einen Verkauf zu erleichtern, hatte die Fed einen Kredit von 29 Milliarden Dollar bereitgestellt, um Risiken durch stark im Wert gefallenen Wertpapieren im Besitz von Bear Stearns abzufangen. Der Kaufpreis von rund 1,2 Milliarden Dollar für Bear Stearns gilt als niedrig und hat bereits Proteste von Aktionären ausgelöst.
Warum soll mein Geld Bear Stearns retten?
Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, hat zu dem Thema für die kommende Woche eine Anhörung angesetzt und alle wichtigen Akteure, darunter die Vorstandschefs von Bear Stearns und J.P. Morgan, die Vorsitzenden der Fed und der Börsenaufsicht SEC sowie den Finanzminister vorgeladen. Obgleich es zwingend erforderlich ist, eine geregelte Struktur unserer Märkte zu bewahren, wirft der Verkaufsvertrag zwischen Bear Stearns und J.P. Morgan Chase ernste politische Fragen auf", sagte Dodd. Der Senator äußerte Besorgnis über die Auswirkungen der Transaktion auf die Anleger und die Finanzmärkte sowie auf Steuerzahler, die aufgrund des Fed-Kredits möglicherweise zukünftige Verluste tragen müssen.
Am Mittwoch haben rund 200 Demonstranten vor dem Hauptquartier von Bear Stearns gegen die Maßnahmen der Fed protestiert. Warum soll mein Geld Bear Stearns retten?", hieß es auf Plakaten. Bruce Marks, Organisator des Protests und Vorsitzender der Neighborhood Assistance Corp. of America, die sich für in Schwierigkeiten geratene Hausbesitzer engagiert, kritisierte den Verkauf von Bear Stearns als eine vom Steuerzahler bezahlte Rettungsaktion. Bear Stearns war stark im Geschäft mit der Verpackung von Hypotheken in Anleihen engagiert. Zahlungsausfälle bei Immobiliendarlehen hatten die aktuelle Krise ausgelöst und auch für Verluste bei Bear Stearns gesorgt.
Eingriff des Staates verhindert Konkurrenzangebote
Der Eingriff der Fed könnte auch den Einfluss der Börsenaufsicht SEC reduzieren, die für die Aufsicht von Wertpapierhäusern und Investmentbanken zuständig ist. Finanzminister Henry Paulson, ehemals Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, hat sich in dieser Woche für eine zumindest zeitweilig stärkere Rolle der Fed in der Aufsicht von Investmentbanken ausgesprochen. Der Grund: die Fed hatte entgegen ihrer üblichen Rolle Bear Stearns einen Kredit eingeräumt. Traditionell ist die Fed für die Aufsicht und Refinanzierung von Geschäftsbanken zuständig. Um weiteren Liquiditätsengpässen vorzubeugen, hat die Fed zudem auch anderen Investmentbanken ermöglicht, sich direkt bei ihr zu refinanzieren. Wertpapier- und Kreditgeschäft waren in den Vereinigten Staaten lange getrennt. Diese Trennung war zwar vor einigen Jahren aufgehoben worden, aber das zersplitterte System der Aufsicht ist eine Folge der langjährigen Fragmentierung.
Die SEC steht im Fall Bear Stearns unter Feuer. Als erste Gerüchte zirkulierten, dass Bear Stearns in Liquiditätsschwierigkeiten sei, hatte der SEC-Vorsitzende Christopher Cox die Kapitalausstattung der fünf größten Investmentbanken, darunter Bear Stearns, als ausreichend bezeichnet. Die SEC scheint vom Ernst der Lage schwer überrascht worden zu sein", sagte Jack Reed, Mitglied des Bankenausschusses im Senat.
Derweil gehen zwei Pensionsfonds vor Gericht gegen die Übernahme vor. Die beiden in Michigan ansässigen Fonds argumentierten, dass die Details des Übernahmevertrags Konkurrenzangebote praktisch verhindern". Nach Kritik von Aktionären hatte J.P. Morgan am Anfang der Woche sein ursprüngliches Angebot auf 10 Dollar je Aktie verfünffacht. Die Aktien wurden in den vergangenen Tagen mit rund 11 Dollar, also über dem Übernahmepreis, gehandelt. Börsianer spekulieren offenbar weiter auf ein höheres Angebot.
Siehe auch: Wenn die Friseuse die marode IKB bezahlt
Text: F.A.Z., 28.03.2008, Nr. 73 / Seite 23
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET
