28. März 2008 Die Enttäuschung von Zertifikateanlegern über gerissene Sicherheitsschwellen und überforderte Handelssysteme zu Beginn dieses Jahres scheint sich in Grenzen zu halten. Nach der am Freitag veröffentlichten Branchenstatistik des Deutschen Derivate-Verbandes (DDV) für den Monat Januar sammelten die Emittenten trotz des schwierigen Börsenumfelds 2,3 Milliarden Euro an zusätzlichem Geld ein. Das Neugeschäft fällt bemerkenswert aus angesichts des Umstands, dass über 80 Prozent des Zertifikatemarktes auf Aktien basiert. Aus den konkurrierenden Aktienfonds flossen im gleichen Zeitraum 3,1 Milliarden Euro ab.
Nach einer Aufstellung des Zertifikateanalysehauses IDC in Bad Homburg litten unter den schwierigen Marktverhältnissen zu Jahresbeginn vor allem Bonus- und Teilschutzzertifikate, die ihren Anlegern einen Mehrertrag versprechen, wenn nicht fest definierte Kursschwellen nach unten durchbrochen werden. Knapp 20 000 dieser Anlageinstrumente verletzten jedoch seit Jahresbeginn die Schwelle und laufen seither nur noch mit dem Kurs der zugrunde liegenden Aktie beziehungsweise des zugrunde liegenden Index mit - ohne Dividendenberechtigung, die der Emittent einbehält. Die Zahl entspricht etwa einem Drittel dieses Marktsegments.
Nach schlechten Erfahrungen mit komplexen sind nicht die einfachen Produkte gefragt
Die Irritationen halten sich in der Branche jedoch in Grenzen. Seit Jahresbeginn wurden nach der IDC-Zählung schon wieder 47 000 neue Zertifikate auf den Markt gebracht. Zum einen sind damit die aufgetretenen Lücken durch verletzte Schwellen geschlossen worden. Zum anderen musste die gestiegene Nachfrage nach Discountzertifikaten gedeckt werden. Diese Produktgruppe gehört zu den großen Gewinnern der Krise. Nach der DDV-Statistik sprang das Neugeschäft gegenüber dem Vormonat um 7,3 Prozent an. Das Interesse in der Anlegerschaft geht derzeit weg von komplexen Strukturen wie Alpha-Express-Zertifikaten und hin zu einfachen Produkten wie Discountzertifikaten", beobachtet Harald Gabel von IDC.
Anleger in Discountzertifikaten erhalten einen Preisnachlass auf den zugrunde liegenden Basiswert, der eine Einzelaktie oder ein Index sein kann. Im Gegenzug ist aber der Gewinn nach oben begrenzt. Bei stark fallenden Kursen kann der Nachlass rasch aufgezehrt sein und in einen Verlust umschlagen - was schlecht für Anleger ist, die schon länger investiert sind. Anlegern, die neu einsteigen, können die Zertifikateemittenten jedoch wegen der starken Kursschwankungen in diesem Jahr einen höheren Rabatt anbieten. Dies liegt an den Optionen, auf denen die Discountzertifikate basieren. Sie steigen wegen der höheren Volatilität im Preis und lassen deshalb bessere Konditionen zu.
Geschäft mit Garantiezertifikaten stagniert
So bringt inzwischen beispielsweise ein Discountzertifikat der Deutschen Bank auf den europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 (WKN DB1TDV) eine jährliche Seitwärtsrendite von gut 8 Prozent, wenn das Kursbarometer zum Ende der Laufzeit im April 2009 nicht unter 2800 Punkten liegt. Am Freitag lag der Euro Stoxx 50 bei rund 3650 Punkten, so dass der Sicherheitsabstand derzeit 34 Prozent beträgt. Zudem können Käufer von einer Beruhigung des Marktes profitieren. Geht die Volatilität runter, sollten die Preise von Discountzertifikaten automatisch ansteigen.
Eine Flucht der Anleger in Garantiezertifikate hat dagegen in den ersten Wochen dieses Jahres nicht stattgefunden. Vielmehr stagnierte in diesem Marktsegment das Neugeschäft. Gleichwohl entfällt mit rund einem Drittel immer noch der größte Teil des Zertifikatemarktes auf diese Produkte für besonders risikoscheue Anleger. Nach Angaben des DDV lag das ausstehende Volumen in Zertifikaten Ende Januar bei insgesamt 131 Milliarden Euro - 4 Milliarden Euro weniger als im Vormonat. Dieser Rückgang ist auf den Wertverlust von Zertifikaten im Zuge der Turbulenzen an den Börsen zurückzuführen.
Text: F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z.
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.081,05 | -0,03 |
| TecDax | 861,39 | -0,41 |
| DowJones | 12.992,66 | +0,73 |
| Nasdaq | 2.533,73 | +1,48 |
| STOXX 50 | 3.854,86 | -0,07 |
| Nikkei 225 | 14.251,74 | +0,94 |
| S&P 500 Zert. | 14,07 | -0,50 |
| Euro/Dollar | 1,55 | +0,19 |
| Bund Future | 113,56 | -0,10 |
| Gold | 881,68 | -0,11 |
| Öl | 122,91 | +0,72 |
