Berufsunfähigkeit

Versicherer sieben aus

07. Juli 2009 Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Policen für alle - egal ob Arbeitnehmer, Freiberufler oder Hausfrau. Wer etwa aufgrund einer Krankheit nicht mehr arbeiten kann, erhält aus ihr eine Rente bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit. Finanztest hat 82 Angebote für Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen mit Risikolebensversicherung untersucht.

Die Zusatzversicherung ist vor allem in Kombination mit einer Risikolebensversicherung zu empfehlen. Die Verbindung mit einer Kapitallebensversicherung ist dagegen teuer und lohnt in der Regel nicht, da die Berufsunfähigkeitsrente oft zu niedrig ausfällt. Am besten schneiden die Aachen-Münchener und Generali ab sowie bestimmte Tarife der Hannoversche Leben, Huk24 und Huk-Coburg ab. Die Testsieger plus 34 weitere „sehr gute“ Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen sind im Testkompass enthalten.

Versicherungsbedingungen entscheidend

Der Versicherte soll im Ernstfall schnell seine Rente erhalten. Deshalb geben vor allem die Versicherungsbedingungen den Ausschlag für das Qualitätsurteil. Ein sehr guter Berufsunfähigkeitsschutz zeichnet sich aus durch:

- Verzicht auf abstrakte Verweisung. Der Versicherer verzichtet - altersunabhängig - bei Berufsunfähigkeit darauf, den Kunden auf einen anderen Beruf zu verweisen. Der Kunde erhält auch dann seine Rente, wenn er gesundheitlich noch in einem gleichwertigen Beruf arbeiten könnte.

- Kurze Prognose. Der Versicherer erkennt die Berufsunfähigkeit an, wenn ein Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert.

- Rückwirkende Zahlungen. Der Versicherer zahlt rückwirkend, wenn die Berufsunfähigkeit zunächst unklar war, aber ein Arzt sie nach sechs Monaten weiter attestiert. Meldet der Versicherte die Berufsunfähigkeit verspätet, zahlt der Versicherer sogar bis zu drei Jahren rückwirkend.

- Nachversicherungsgarantie. Der Versicherte kann den Schutz nachträglich ohne erneute Gesundheitsprüfung in vorgegebenen Grenzen erweitern. Gründe dafür gibt es reichlich, etwa weil sich die Familiensituation verändert oder das Einkommen verbessert hat.

Weitere wichtige Kriterien sind etwa die Eindeutigkeit der Gesundheitsfragen im Antrag oder mögliche Einschränkungen für bestimmte Berufe. Viele Unternehmen verweigern Angehörigen bestimmter Berufe Verträge ganz oder gewähren ihnen keine Vertragslaufzeiten bis 65 oder 67 Jahren.

Den Ernstfall absichern

Der Kunde sollte wissen, welchen Berufsunfähigkeitsschutz er möchte und Versicherungsangebote genau prüfen. Unbedingt stimmen muss die Höhe der vereinbarten Rente. Das aktuelle Nettoeinkommen ist der Maßstab. Der Kunde sollte aus der Berufsunfähigkeitsrente auch eine zusätzliche Altersvorsorge bezahlen können.

Wem der Beitrag für die Police vorerst zu hoch ist, der kann zumindest für eine zunächst kleinere Rente eine Nachversicheungsgarantie vereinbaren. Eine Vertragslaufzeit bis 67 Jahre ist optimal. Kürzere Lauf­zeiten sind billiger. Endet der Vertrag jedoch zu früh, klafft im Ernstfall eine große finanzielle Lücke. Ebenfalls wichtig: Der Vertrag sollte möglichst keine Leistungsausschlüsse aufgrund einer Gesundheitsstörung enthalten.

Tipps

Planung. Die Suche nach einem guten Berufsunfähigkeitsschutz macht Arbeit und braucht Zeit. Verzichten Sie lieber auf einen längeren Urlaub, während Sie die Anträge stellen. Dann können Sie rechtzeitig auf ein Angebot reagieren oder einem Versicherer fristgerecht innerhalb von 30 Tagen schriftlich absagen.

Angebot. Holen Sie gleichzeitig mindestens zehn Angebote für „sehr gute“ Tarife ein. Schicken Sie die ausgefüllten Formulare auch gleichzeitig wieder los. Hat Sie ein Versicherer erst mal abgelehnt, gelten Sie als vorbelastet. Sie bekommen dann woanders schwer einen guten Vertrag. Die Versicherer fragen in ihrem Antragsformular oft nach vorangegangenen Ablehnungen.

Gesundheitsstörung. Sie leiden an einer Gesundheitsstörung? Im Internet können Sie über eine kostenlose Risikovorabfrage herausfinden, wie ein Versicherer diese beurteilt - zum Beispiel unter buforum24.de. Auch andere Versicherungsmakler bieten diesen Service. Gerichtlich zugelassene Versicherungsberater finden Sie unter bvvb.de.

E-Mail-Anfrage. Sie können sich auch selbst per E-Mail darüber informieren, welcher Versicherer Ihnen mit Ihren individuellen Gesundheitsstörungen welches Angebot machen würde. Verschweigen Sie aber Ihren vollständigen Namen und Ihren Wohnort. So bleiben Sie anonym.

Vorerkrankungen. Nennen Sie alle Erkrankungen, nach denen im Antrag gefragt wird. Verschweigen Sie nichts. Fragen Sie auch bei Ihren Ärzten nach, damit Sie nichts vergessen. Kann Ihr Versicherer Ihnen später Fehler oder Lücken nachweisen, kann er im Ernstfall vom Vertrag zurücktreten. Geben Sie aber nichts preis, wonach im Antrag nicht gefragt wird.

Kontrolle. Kontrollieren Sie die Angebote der Versicherer gründlich, ob alle Ihre Wünsche in den Angeboten tatsächlich berücksichtigt sind oder ob Einschränkungen gelten.

Rücknahme. Viele Versicherer bestrafen bereits banalste Erkrankungen und Unfallfolgen mit Ausschlüssen und Zuschlägen. Haken Sie nach, bevor Sie den Vertrag unterschreiben. Falls Sie das Angebot trotz Einschränkung akzeptieren wollen: Verabreden Sie schriftlich, dass der Ausschluss entfällt, wenn bestimmte Gesundheitsstörungen in einer vereinbarten Frist nicht wieder auftreten. Ansonsten: Suchen Sie weiter nach einem ausschlussfreien Vertrag.

Risikozuschlag. Ist die Beitragshöhe noch akzeptabel, vereinbaren Sie lieber einen Vertrag mit Risikozuschlägen statt mit Ausschlüssen aufgrund einer Gesundheitsstörung. Damit erhalten Sie einen umfassenderen Schutz.

Laufzeit. Ihnen ist die optimale Laufzeit bis 67 Jahren zu teuer? Dann vereinbaren Sie zumindest, dass der Versicherer bis 65 oder 67 Jahren leistet, auch wenn der Risikoschutz mit 60 Jahren endet. Tritt eine Berufsunfähigkeit vor dem 60. Geburtstag ein, zahlt der Versicherer dann immerhin noch bis zum Ende der vereinbarten Leistungsdauer.

Überschussverwendung. Wählen Sie die Beitragsverrechnung. Das hält Ihre Beiträge niedrig.

Beitrag. Zahlen Sie in Jahresbeiträgen, wenn möglich. Damit sparen Sie Ratenzahlungszuschläge.

Preis. Zuerst kommt die Qualität, dann der Preis. Haben Sie am Ende mehrere Angebote, die die wichtigsten Kriterien erfüllen und Ihren Wünschen entsprechen, können Sie das preisgünstigste wählen. Und ein Vergleich lohnt: Die Preisunterschiede zwischen den sehr guten Angeboten betragen zum Teil mehr als 1000 Euro im Jahr.

Tarifwahl. Gehen Sie sicher, dass Sie wirklich den getesteten Tarif erhalten. Vergleichen Sie die so genannte Druckstücknummer der Bedingungen mit der der Ergebnisse dieses Tests (siehe Infografik).

Checkliste. test.de bietet Ihnen die Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung. Mit ihr können Sie die Angebote noch einmal detailliert prüfen und sichergehen, dass Sie nichts übersehen. Haken Sie die einzelnen Punkte in den Bedingungen eines Angebots ab. Die Checkliste umfasst fünf Seiten und kostet 3 Euro.

Der Text und die Tabellen wurden, soweit nicht anders ausgewiesen, von unserem Kooperationspartner „Stiftung Warentest“ erstellt. Die vollständigen Informationen sind kostenpflichtig unter test.de abzurufen.



Text: Finanztest
Bildmaterial: F.A.Z.

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