Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
01. Februar 2008Der Tod ist nicht umsonst, denn er kostet das Leben. So sagt es der Volksmund, aber der kennt in diesem Fall bestenfalls die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich kostet der Tod auch jede Menge Geld. Noch 2004 musste man im Schnitt 4500 Euro für eine klassische Beerdigung zahlen, inklusive Bestatterdienstleistungen, Blumenschmuck, kleiner Trauerfeier, Grabmal und Friedhofsgebühren.
2007 waren es 5000 Euro, und es kann auch sehr viel mehr werden. Je nach Region zahlen die Hinterbliebenen bis zu 30.000 Euro für einen nicht allzu aufwendigen Abschied, schätzt Rolf-Peter Lange, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bestattungsunternehmen (VDB).
Dass die Bestattung in Deutschland so teuer ist, hat viele Gründe. Zum einen sind die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen, zum Beispiel die Gebühren, die die Kommunen für die Grabstelle oder das Einäschern verlangen. Zum anderen ist aber auch der Umgang vieler Menschen mit dem Thema Tod, der Preistreibern die Sache einfach macht. Nur die wenigsten Menschen schaffen es, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen und sich um ein angemessenes Begräbnis zu kümmern. Die meisten überlassen dies den nahen Angehörigen - und die sind damit oft heillos überfordert.
Zwei Trends sind in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten. Zum einen bewegt sich eine noch kleine, aber stetig wachsende Gruppe weg von traditionellen Bestattungsformen, hin zu zum Teil sehr aufwendig gestalteten und auch sehr teuren Zeremonien. Außer Bestattungen auf See werden mittlerweile auch hierzulande Weltraumbestattungen, das Verstreuen der Asche aus Heißluftballons oder gar das Pressen von Diamanten aus der Asche der Toten angeboten.
Rund 2000 bis 10.000 Euro kostet es, die Überreste des lieben Verstobenen am Finger zu tragen, je nach Größe des gewünschten Steines. Rund 12.000 Euro muss investieren, wer als Sternschnuppe am Himmel enden möchte. Dazu wird eine mit der Asche gefüllte Kapsel in den Orbit geschossen, die dann auf dem Weg zurück beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht.
Knapp 20 alternative Beerdigungsmöglichkeiten trug der VDB letztes Jahr zusammen. Nicht alle sind in Deutschland erlaubt. Diese können aber im Ausland verwirklicht werden. Allerdings haben diese Bestattungs-Varianten einen Anteil von nicht mehr als drei bis vier Prozent.
Weit größere Wellen schlägt eine weitere Tendenz: Viele Menschen kehren der traditionellen Erdbestattung den Rücken kehren und wählen stattdessen die weit kostengünstigere Urnenlösung. Mancher spart obendrein an Zusatzleistungen. Gemeinschaftsgrabanlagen nehmen zu, viele Friedhöfe bieten kürzere Ruhezeiten zu geringeren Kosten an, und die Trauerfeiern werden kleiner. Inzwischen haben sich sogar Discountbestatter etabliert.
Sie bieten standardisierte, sehr einfache Urnenbestattungen zu Festpreisen zwischen 500 und 1000 Euro an. Möglich wird dies dadurch, das sie zumeist in Billigkrematorien im osteuropäischen Ausland einäschern und die Urne dort auch anonym beisetzen.
Doch so einleuchtend das Konzept auch klingt. Wer sich darauf einlässt, spart nicht immer. Das behaupten nicht nur die Bestatterverbände. Auch Alexander Helbach von der Verbraucherorganisation Aeternitas, zu deutsch: Ewigkeit, hat seine Bedenken. Aeternitas wurde 1984 gegründet, weil viele Hinterbliebene sich über den Tisch gezogen fühlten, heute zählt der Verband rund 50.000 Mitglieder, die gegen eine jährlichen Mitgliedsbeitrag von 22 Euro Beratung und Rechtsschutz erhalten.
Längst nicht alle, die mit dem Zusatz Discounter werben, halten am Ende auch, was sie versprechen. Oft klingen die Preise nur deswegen so günstig, weil sie ausschließlich die echte Bestatterleistung enthalten, die aber nur 30 Prozent der Kosten ausmacht. Noch einmal etwa die gleiche Summe entfällt auf Gebühren. Und für Zusatzleistungen wie Steinmetzarbeiten, Blumen, Musiker oder Redner folgt eine dritte Rechnung. Viele Billiganbieter werben mit undurchsichtigen Lockangeboten, die tatsächliche Rechnung fällt jedoch später deutlich höher aus.
Nach Darstellung der Verbraucherzentralen hat die gesamte Branche der Bestatter einen zweifelhaften Ruf: Sie nutzen die Überforderung der Angehörigen aus, indem sie das Thema Geld bei der Beratung aussparen. Ist der Tote jedoch erst unter der Erde, gibt es wenig Möglichkeiten, Änderungen zu verlangen. Und selbst wenn man im Nachhinein zu dem Schluss kommt, dass es überflüssig war, für eine Urnenbestattung einen teuren Eichensarg zu benutzen - ein Vorgehen, das fast schon an Betrug grenzt, wie VDB-Präsident Lange sagt - verbrannt ist verbrannt.
Die einzige Möglichkeit, dieser Falle zu entgehen und zugleich pietätvoll und preisbewusst zu handeln, sei es daher, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, sagt nicht nur Helbach. Genaugenommen, stellt der Experte klar, ist ein Bestatter nichts anderes als ein Dienstleister. Heute sogar mehr als noch vor zehn Jahren, denn moderne Unternehmen organisieren nicht nur die Trauerfeier, sondern sie übernehmen auch sonst alles, was für den Verstorbenen noch erledigt werden muss: Sie informieren Behörden, besorgen Toten- oder Erbscheine, löschen Konten und stellen für ältere Hinterbliebene auch Kontakte zu Pflegediensten oder Umzugsunternehmen her.
In jeder anderen Branche sei es normal, das Preise ausgezeichnet werden und Kunden sich Kostenvoranschläge einholen, sagt Helbach. Und gerade in der Bestattungsbranche sei das besonders wichtig, weil es anders als bei Ärzten oder Anwälten keine Gebührenordnung gibt, der Anbieter somit seinen Werklohn völlig frei bestimmen kann.
Stirbt ein Angehöriger, haben viele Hinterbliebene jedoch Angst, dass allzu genaues Nachfragen als Geiz oder Egoismus ausgelegt wird - und viele Bestatter nutzen das aus. Mitunter gaukeln sie sogar Zeitdruck vor, den es gar nicht gibt. 36 bis 48 Stunden darf ein Toter zu Hause bleiben, bis er an einen Bestatter übergeben werden muss.
Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, die Kosten für Beerdigungen im Rahmen zu halten, wobei das Einholen der Kostenvorschläge nur der erste Schritt ist. Mindestens ebenso wichtig sei die Ausgestaltung: Neben Eigenleistung müssen auch alle Fremdkosten enthalten und alle Posten genau aufgesplittet sein.
Helbach sagt: Die Frage, was genau unter der Erledigung von Formalitäten zu verstehen ist, ist erlaubt. Ebenso wie das Angebot, einige Dinge einfach selbst zu erledigen, zum Bespiel das Versenden der Trauerkarten. Grundsätzlich raten Experten dazu, das Gespräch mit dem Bestatter nicht alleine zu führen, sondern eine neutrale Person mitzunehmen. Möglichst eine, die nicht persönlich betroffen ist.
Im Idealfall allerdings, darin sind sich Helbach und Lange einig, sind es überhaupt nicht die Angehörigen, sondern der Verstorbene selbst, der den Rahmen vorgibt. Machbar ist dies durch einen Vorsorgevertrag, den man bereits zu Lebzeiten mit einem Bestatter seiner Wahl abschließt.
Hinterlegt man dann auch noch das Geld auf einem Sperrkonto oder bei der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG, kann man auch sicher sein, dass es wirklich so verwendet wird wie gewünscht. Denn ansonsten sind Angehörige in Deutschland zwar zur Bestattung verpflichtet, was sie dafür allerdings investieren, ist nicht vorgeschrieben.
Text: F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 25
Bildmaterial: ddp
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