“Wir kommen in eine Abwärtsspirale, von der niemand weiß, wann sie enden wird“: Margrit Kennedy

Im Gespräch: Margrit Kennedy

„Geld kann nicht für uns arbeiten“

Spezial Die Versuche, die Finanzkrise zu beheben, setzen nicht an den Ursachen an, kritisiert die Wissenschaftlerin Margrit Kenney. Sie fordert stattdessen einen stärkeren Gleichlauf des Geldsystems und der Realwirtschaft. Dadurch sollen auch unternehmerische Beteiligungen wie Aktien statt Zinsen gefördert werden.

Lesermeinungen zum Beitrag

10. November 2008 12:27

Grundsätzliches

B Pugel (baer-w)

1. Zinseszins Frau Kennedy verhindert ein differenziertes Eingehen auf ihre angebliche "Theorie". Wie soll man denn ein Gebilde bezeichen, daß die Zinseszins-Formel für n=1 als gültig erklärt, aber für n > 1 als ungültig bezeichnet. Da mangelt es doch an den Grudlagen der Theorie (und Hinweise auf uralte Quellen aus den 30er Jahren sind auch nicht besonders hilfreich...). 2. Spekulation Ich verstehe die Argumentation gegen sogenannte "Spekulanten" überhaupt nicht. Wie definiert man denn "Spekulation" und grenzt es z. B. gegenüber Privatpersonen ab, die Akten kaufen, weil sie an steigende Aktienkurse glauben? Ich bin auch hierzu mal auf die entsprechende Definition gespannt. 3. Feuilleton/Finanzteil Ich finde es ebenfalls ziemlich unpassend, daß ein solcher Artikel im "seriösen" Finanzteil aufgeführt wird. Aus dem Feuilleton-Teil ist man ähnliche "Argumentationen" schon eher gewohnt.

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10. November 2008 08:32

"Der Zins ist nicht das Problem, sondern der Zinseszins"

Eric Mrozinski (Dadycool)

Der Zins sei nicht das Problem, sondern der Zinseszins. Was ist der Zinseszins anders als einfache Zinsen auf wieder angelegte Zinseinkünfte (bei Sparern) bzw. Zinsen auf einen Kredit, der unter anderem für die Bezahlung von Zinsen eingerichtet wurde (bei Schuldnern). Der Zinsenszins ist doch nur ein Phänomen. Kann ein Phänomen das Problem sein? Is denn nicht vielmehr in der Tatsache selbst der Fehler zu suchen, daß dieses Phänomen so viel Gewicht in der Finanzwelt einnimmt, nämlich aufgrund zunehmender Verschuldung - dies wiederum aufgrund fehlender Haushaltsdisziplin von Staat und der Bürgern, einerseits, wofür andererseits das Geld derjenigen in Anspruch genommen wird, die Ihr Vermögen Jahre- oder Jahrzehnte lang zur Verfügung stellen. Was Frau Kennedy vorschlägt ist die Einführung einer in einem Währungssystemdesign versteckten Besteuerung auf ständig weiter aufgehäuftes Vermögen. Ist das nicht Vermögenssteuer?

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08. November 2008 12:00

Liquiditätsgebühr

tobias wolman (twolman)

Prof Kennedy bespricht zwei Werkzeuge: a) zusätzliche Währungen und b) die Liquiditätsgebühr. Die WIR-Währung und Regionalwährungen sind bei deflationären Tendenzen hilfreich, doch dämmen sie nicht die Spekulation ein. Die Spekulanten sind ja nicht einfach böse Menschen, vielmehr nutzen sie Elemente, die einen Markt als Nebenfaktor beeinflussen wie z.B. Währungsdifferenzen, eine punktuell fehlende Aufsicht u.a.. Eines dieser Nebenfaktoren ist die Zinspolitik, die als Werkzeug zum Erhalt der Währungsstabilität von der Zentralbank eingesetzt wird, der im Nebeneffekt den Zins über demjenigen hält, der sich am freien Markt einstellen würde. Diese Differenz muss als Zins und Rendite von den Kreditnehmern über die Preise (bei Unternehmen) und die Steuern (beim Staat) permanent erwirtschaftet werden (allein in DE ca. 400 Mrd. € pro Jahr also ca. 25 % des Bruttosozialprodukts). Die Summe fließt wiederum an die Kapitalbesitzer. Dadurch wachsen die Vermögen schneller als die Realwirtschaft. So entsteht ein Überangebot an Kapital, der Druck zur Spekulation wächst, man wird erfinderisch und bildet Spekulationsblasen, d.h. man verschleiert schlechte Kredite. Deshalb schlägt Prof. Kennedy vor, den Zentralbankzins durch eine geringe Liquiditäts

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08. November 2008 10:53

Auf der mentalen Verliererseite der Finanzkrise

Ludovico Settembrini (LudoviciSettembrini)

Die mentalen Schäden die die Finanzmarktkrise bislang im Feuilleton der FAZ angerichtet hat, scheinen nun auch auf auf den Finanzmarktteil überzugreifen. Müssen wir uns jetzt tatsächlich mit diesem populistischen Unfug auseinander setzen? Das islamische Kreditsystem in Kombination mit Gesells Schwundgeld? "Gefühlte Wissenschaft" muss man das dann wohl nennen.

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07. November 2008 18:26

... geschickt Informationsasymmetrien ausnutzen ...

Peter Müller (teufelstein)

So kann man Betrug auch bezeichnen. Und genau diese Formulierungen sind die langen Finger der Täter.

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07. November 2008 17:44

Da wird ja einfach alles durcheinandergeworfen...

Peter Fischer (pfischer)

Der Artikel und vermutlich auch Frau Kennedy selbst mischt unzulässig Richtiges und Falsches. Heraus kommt eine völlig undurchsichtige Masse. Richtig ist: Das Finanzsystem hat sich vom Realsystem (zu) weit entfernt. Die Ursache ist aber nicht der Zinseszinseffekt, sondern im wesentlichen Finanzinnovationen und sehr schlaue Geister, die geschickt Informationsasymmetrien ausnutzen. Vielmehr brauchen wir gesunde Banken, die ihrer Funktion nachkommen (Kapital-, Risiko- und Fristentransformation) und Spargelder in Investitionen verwandeln. Das islamische Finanzwesen ist übrigens auch nicht gerade ein gutes Beispiel. Dort wird der Zins nur versteckt, geben tut es ihn genauso. Der Zins ist schlichtweg der Preis für die Überlassung von Geld.

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07. November 2008 16:31

Au weia!

B Pugel (baer-w)

Warum macht man mit einer Architektin ein Interview zum Thema Finanzen? Die Meinung zum Thema Zins und Zinseszins ist ja ziemlich "eigenwillig". Hier würde es helfen, sich einmal ein wenig in der wirtschaftswissenwschaftlichen Theorie zur Abzinsung umzusehen. Und selbstverständlich kann man, wenn man genug Geld hat, dieses für sich arbeiten lassen (in dem man es z. B. an andere verleiht - es soll sogar Leute geben, die nur vonn den Erträgen ihres Vermögens leben). Na ja, vielleicht erfahren wir demnächst in der FAZ etwas von Wirtschaftswissenschaftlern zum Thema Stadtentwicklung und Archtektur.

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07. November 2008 11:52

Geld Maschinen

Joachim A Laux (volkswirtlaux)

M. Kennedy hat alles gut formuliert und richtiges vorgeschlagen. Isolierte Geldsysteme sind weniger nützlich. Unsere Executive vs Legeslative, etwa der Finanzminister, die Kanzlerin, muß in Verantwortung (Haftung) genommen werden. Alles scheitert immer an Geldillusion, fehlende Haftung für WahlVersprechen. Der hauptsächliche Produktivitätsfaktor von Geld vs Kredit ist technischer Fortschritt. Und global orientiert, der schnelle Zuwachs an billiger Manpower in Fernost. Beide Faktoren sind immer bivalent. Und demokratisch, vs digitalisiert, nicht wirklich zukunftsorientiert zu handhaben ?

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07. November 2008 10:10

Zeit ist Geld?

Hans-Christian Petersen (HaCePe)

Nein, Zeit ist Zeit und Geld ist Geld - erstes durch Krümmung der Raumzeit relativ, zweites durch von uns selbst fest gelegten Spielregeln vor allem der Spekulation dienlich. Seit Jahrzehnten beschreibt Prof. Kennedy in ihren Büchern und mit ihrer sonstigen Arbeit dezidiert einen Weg, wie der Umgang mit Geld allen Menschen nutzen könnte. Das ist z.B. in Wörgl in Tirol Anfang der 1930-er versucht, aber auf juristisches Betreiben der Nationalbank wieder beendet worden, obwohl sich erste Erfolge (25 % Rückgang der Arbeitslosigkeit in Wörgl inmitten der Weltwirtschaftskrise) zeigten. Wir sollten diese Idee ganz in ihrem Sinne ausprobieren und sehen, wie weit wir damit kommen. Denn wohin wir auf dem bisherigen Weg wieder einmal gelangen, erleben wir gerade. Allerdings ist deshalb die Wahrscheinlichkeit, mit all´ dem auch ganz oben gehört zu werden, selten höher als in diesen Tagen - das zeigt die Existenz dieses Interviews. Aber ist unser gemeinsames Bewusstsein dafür reif genug? Das bleibt zu hoffen und zu wünschen.

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