03. August 2009 Die böse Überraschung bemerkt man in der Regel erst auf dem Kontoauszug: 55 Euro hat die Bank abgebucht, steht dann da. Obwohl man doch nur 50 Euro am Geldautomaten abgehoben hatte. Fünf Euro also hat die Bank als Gebühr kassiert. Satte fünf Euro für ein bisschen Scheine-Rascheln, Klappe aufmachen und Geld-Ausspucken? Fünf Euro dafür, dass man als Kunde Geld ausgezahlt bekommt, das einem eigentlich ohnehin schon gehört? Ganz schön happig.
Zwar war es schon immer teuer, Geld am Automaten einer fremden Bank abzuheben. In letzter Zeit aber sind die Gebühren drastisch gestiegen. Unentgeltlich ist das Abheben nur bei der eigenen Bank oder innerhalb der Verbünde, zu denen sich die Banken zusammengeschlossen haben: in der Cash-Group der Großbanken etwa oder dem Bankcard-Service-Netz der Volksbanken, im Sparkassenverbund oder im Cash-Pool aus Citibank und den Sparda-Banken. Überschreitet man die Grenzen dieser Verbünde, muss man zahlen. Und zwar ständig mehr. So einen Anstieg der Gebühren wie zurzeit habe ich noch nicht erlebt, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH, der einmal im Jahr die Automatengebühren von 50 Banken und Sparkassen vergleicht. Im Sommer 2006 und 2007 war noch alles ruhig. Aber 2008 und 2009 langten viele Banken kräftig zu, um bis zu 85 Prozent. Die Folge: Mit fünf Euro für einmal Abheben liegt eine Bank heutzutage noch unterm Durchschnitt. Die Spitzenreiter der Branche nehmen stolze sieben bis zehn Euro (siehe Tabelle). Unglaublich eigentlich.
Banken bekämpfen sich
Der Grund für die drastische Preisanhebung: Die Banken bekämpfen sich gegenseitig. Volksbanken gegen Sparkassen, Großbanken gegen regionale Institute und Filialbanken gegen Direktbanken. Es geht um Wettbewerb mit umgekehrten Vorzeichen: Statt sich mit günstigen Konditionen für die eigenen Kunden zu unterbieten, überbieten sich die Banken mit hohen Gebühren für die Kunden der Konkurrenz. Es ist verrückt, sagen viele Bankmanager selbst. Aber sie machen mit.
Die Preisspirale funktioniert so: Jede Bank will verhindern, dass Kunden einer anderen Bank von ihrem Automatennetz profitieren. Deshalb erhöht sie für Fremdkunden die Gebühren. Die jeweils andere Bank aber rächt sich, indem sie wiederum für die Kunden der anderen Bank die Gebühren anhebt. Die lässt sich das aber auch nicht gefallen. So schaukelt sich das hoch, sagt FMH-Chef Herbst. Besonders verrückt: Die Kosten der Banken pro Abhebevorgang liegen je nach Standort und Auslastung nur bei ungefähr 60 Cent. Fünf Euro müsste also keine Bank verlangen.
Dabei ist für die Bankkunden am Geldautomaten nicht zu erkennen, wie viel sie fürs Abheben zahlen müssen. Sie könnten dazu höchstens bei ihrer Bank anrufen. Die Bank, an deren Automat man Geld abhebt, bekommt die Gebühr nämlich nicht direkt vom Kunden. Sie stellt der kontoführenden Bank einen bestimmten Betrag in Rechnung. Der ist in der Regel am Geldautomaten angegeben - aber der Kunde zahlt diesen Betrag nicht unbedingt. Die kontoführende Bank entscheidet, wie viel sie sich von ihm zurückholt.
Das nutzen immer mehr Banken aus. Was die Banken sich untereinander in Rechnung stellen, ist noch viel horrender als die Gebühren für die Kunden, sagt Herbst. 20 Euro je Abhebung sind da längst keine Seltenheit mehr. Sogar bis zu 25 Euro kassiert laut FMH etwa die Heidenheimer Volksbank von anderen. 20 Euro nehmen die Sparkasse Laubach-Hungen und die Volksbank Kinzigtal. 15 Euro verlangt die Volksbank Plochingen, zumindest von einigen anderen Banken. Wir bedauern diese Preisspirale selbst - und fänden es gut, wenn alle Banken wieder zu zwei oder drei Euro zurückkehren würden, behauptet der Manager einer Volksbank.
Automatenkrieg zwischen Filialbanken und Direktbanken
In der Vergangenheit haben die meisten Banken für ihre eigenen Kunden einen Großteil der Gebühren fürs Fremdabheben übernommen. Statt 15 oder 20 Euro mussten die Kunden dann nur drei oder vier Euro zahlen. Aber immer weniger Banken sind dazu bereit. So berichtet eine Genossenschaftsbank aus Norddeutschland, einer ihrer Kunden habe zuletzt in 29 Tagen zehnmal bei einer konkurrierenden Sparkasse Geld abgehoben. Jedes Mal seien ihr von der Sparkasse 15 Euro in Rechnung gestellt worden. Von ihrem Kunden hingegen habe sie jeweils nur 3,50 Euro bekommen. Das sei auf Dauer nicht finanzierbar. Das können wir auch unseren Genossen nicht zumuten. Deshalb müsse sie mitmachen beim Preiswettlauf.
Besonders extrem ist der Automatenkrieg zwischen Filialbanken und Direktbanken. Die Direktbanken haben wenige Automaten. Deshalb müssen ihre Kunden die Automaten der Filialbanken nutzen. Die Filialbanken wollen das aber nicht. Sie wollen verhindern, dass die Direktbanken ihnen mit günstigen Konditionen Kunden abjagen, die dann aber billig ihre Geldautomaten benutzen.
Deshalb verlangen die Filialbanken hohe Gebühren von den Direktbanken fürs Geldabheben - oder sperren ihre Automaten für deren Kunden ganz. Vor allem dann, wenn die Direktbanken mit Visa-Karten arbeiten, kommt das vor. Für die ist nämlich die Abhebegebühr auf 1,74 Euro begrenzt. Gebühren anheben geht dann nicht - es bleibt nur das Sperren. Etwa 60 Sparkassen und einzelne Volksbanken haben ihre Automaten inzwischen für unsere Kunden ganz dichtgemacht, sagt Thomas Bieler von der Direktbank ING-Diba.
Zusammen mit anderen Direktbanken hat die Diba zwar juristische Schritte dagegen eingeleitet. Allerdings mit wechselndem Erfolg. Einstweilige Verfügungen der untergeordneten Gerichte in vielen Orten wurden zum Teil von der nächsthöheren Instanz wieder aufgehoben. Deshalb wollen die Direktbanken jetzt in einem sogenannten Hauptsacheverfahren gegen die Sparkasse Ingolstadt eine Grundsatzentscheidung erwirken: Dafür ziehen wir notfalls bis vor den Bundesgerichtshof. Aber das kann dauern.
Auch das Bundeskartellamt hat unterdessen ein Auge auf den Geldautomatenstreit geworfen. Die Wettbewerbshüter prüfen, ob alles mit rechten Dingen zugeht in der eskalierenden Auseinandersetzung. Oder ob es etwa unzulässige Absprachen zwischen Instituten gegeben hat. Das Ergebnis: noch offen.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
DFB-Machtkampf: Fremde ![]()
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Ich würde mir nicht anmaßen, Angela Merkel in den Kopf schauen zu können...
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