Roberto Saviano

Frei ist er nur noch im Kopf

Von Thomas David

Roberto Saviano

Roberto Saviano

18. Oktober 2008 Ruth Klüger sitzt am Hanser-Stand und geht mit der Leiterin der Presseabteilung ihre Termine durch. Michael Krüger, im weißen Hemd, das Sakko in der Hand, betritt aus einem der Gänge eilig sein kleines Reich, wo Bill Swainson, der Cheflektor des englischen Verlags Bloomsbury, seit einigen Minuten auf ihn wartet. Ernst A. Grandits, seines Zeichens „kulturzeit“-Moderator, lungert vor den ausgestellten Büchern herum, bis er endlich die Gelegenheit ergreift, den Hanser-Chef zu begrüßen, um, wie fortgeschickt, schnell wieder zu verschwinden. Jens Jessen, Feuilleton-Chef der „Zeit“ sieht am dritten Tag der Messe müde aus. Business as usual am Hanser-Stand an diesem Freitagnachmittag, und dann liegt plötzlich doch Spannung in der trockenen Luft.

„Er würde gern vor dem Foto von Barack Obama fotografiert werden“, sagt Anna Leube, Lektorin des Verlags, und deutet auf das Poster mit dem Gesicht des Präsidentschaftskandidaten, neben dem gleich ein Bild Roberto Savianos hängt. Vermutlich wüsste auch der 1979 in Neapel geborene Autor des Bestsellers „Gamorrha“ viel von der „Kühnheit der Hoffnung“ zu erzählen.

Freiheit im Kopf

Saviano ist einer der meistgesuchten Männer Italiens: Als der zierliche, von Leibwächtern und zwei Pressedamen von Mondadori umringte junge Mann am Stand seines deutschen Verlegers auftaucht, hat die Camorra angesichts von Michael Krügers einflussreichem Namen allerdings von vornherein keine Chance. „Inzwischen weiß jeder, dass ich in Frankfurt bin“, sagt Saviano, der am Vorabend bereits zu Krügers illustrem Verleger-Dinner in den Frankfurter Hof gekommen war, zu dem neben Orhan Pamuk, Cees Nooteboom, Volker Schlöndorff und Norbert Gstrein auch jeder andere geladen war, der während der Buchmesse Rang und Namen hat.

„Von der Stadt habe ich nicht viel gesehen“, sagt Saviano. Die Pressedamen von Mondadori werden unruhig und drängen auf Eile, der Fotograf hat seine Arbeit bereits getan. „Man gewöhnt sich daran, sich nicht frei bewegen zu können“, sagt Italiens Star des Untergrunds, während die Pressedamen aus dem Hause Berlusconi an ihm zerren. Man müsse sich die Freiheit im Kopf bewahren. Auf der Buchmesse ist das schwer.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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