Von Roland Zorn
10. März 2008 Vor zwei Wochen bekamen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) unliebsamen Besuch von Abgesandten des Bundeskartellamts, die die Räumlichkeiten der beiden Sportorganisationen wegen des Verdachts von preistreibenden Absprachen bei der Sponsorensuche untersuchten.
Am Montag folgte der formvollendete Gegenbesuch: DFB-Präsident Theo Zwanziger und Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball sprachen bei der Bonner Behörde vor. Gegenstand der Unterredung dürfte nicht nur die Beilegung der jüngsten Irritationen im Verhältnis der Fußballverbände zum Kartellamt gewesen sein. Worum es auch ging, waren aktuelle Einschätzungen beider Seiten zum Thema zentrale Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte.
Zentralvermarktung ein Preiskartell?
Die für Anfang März geplante Ankündigung der neuen TV-Rechte-Ausschreibung für den Zeitraum von 2009 bis 2012 hat sich inzwischen verzögert, weil das System der Liga-Zentralvermarktung insgesamt auf dem Prüfstand steht. Im Rahmen der beim Kartellamt üblichen Marktbefragung haben die Bonner allen 36 Vereinen und Kapitalgesellschaften der ersten und zweiten Liga einen Zwölf-Fragen-Katalog zugesandt, der bis zum 19. März beantwortet sein muss. Ob es danach im Großen und Ganzen bei der gängigen Praxis bleibt oder die Fernsehrechte per Einzelvermarktung vergeben werden, wird sich zeigen.
Ralph Langhoff, der Vorsitzende der 6. Beschlussabteilung des Bundeskartellamts, sagte dem Kicker“: Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell.“ Ein Präjudiz sieht man bei DFB und DFL darin nicht. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfuhr, sollen die Gespräche am Montag sehr konstruktiv“ verlaufen sein. Jedenfalls gebe es noch keinerlei Zeichen dafür, wie sich das Bundeskartellamt letztlich entscheiden werde.
500 Millionen garantiert
Davon hängt schließlich auch die Gültigkeit des schon verkündeten Sechsjahresvertrags zwischen der DFL und ihrem neuen Vermarkter, der KF 15, einer Firmentochter des früheren Fernsehkonzernchefs Leo Kirch, ab. Bei dem Sechsjahresdeal werden der Liga durchschnittlich 500 Millionen Euro Einnahmen von Kirch garantiert. Kippt die Zentralvermarktung, an der sich bisher alle Klubs – auch der bei einer Einzelvermarktung pekuniär erheblich besser dastehende FC Bayern München – orientiert haben, droht der Vertrag mit KF 15 zu platzen.
Weniger Sorgen macht man sich in der DFL, dass die mit der Kirch-Tochtergesellschaft Sirius vereinbarte Gründung einer Firma, die das Bundesligaprogramm von der Stange“ redaktionell herstellen soll, in Gefahr sei. Hierin sieht die DFL anders als der Pay-TV-Monopolist Premiere im Sektor Bezahlfernsehen eher einen Beitrag zur künftigen Wettbewerbsvielfalt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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