Von Richard Leipold, Mönchengladbach
28. November 2009 Das Spiel in Mönchengladbach war für den FC Schalke 04 zwar keine runde Sache - ein Kreis hat sich für die Königsblauen aber dennoch geschlossen. Schalke hatte zuletzt im Mai ein Bundesliga-Auswärtsspiel verloren - in Mönchengladbach - und danach auf gegnerischem Terrain eine veritable Serie hingelegt. Erst mehr als ein halbes Jahr später hat Schalke auswärts wieder verloren - wieder gegen Borussia Mönchengladbach, wieder 0:1.
Während die Rheinländer einst im Mai kurz vor Schluss getroffen hatten, zehrten sie diesmal von dem frühen Tor, das Mittelfeldspieler Marco Reus in der 5. Minute erzielte. Die Borussia hat nun nach vierzehn Begegnungen schon sieben Punkte mehr eingespielt als in der vergangenen Saison in der gesamten Hinrunde.
Das Tor verleiht Gladbach Sicherheit
Zweimal nacheinander zu gewinnen, das wäre eine tolle Sache, hatte der Gladbacher Stürmer Rob Friend gesagt. Kein leichtes Unterfangen für die Borussen, die vor drei Monaten zuletzt ein Heimspiel gewonnen hatten. Doch die jüngsten Ergebnisse und Erlebnisse müssen ihnen Mut eingeflößt haben. Ermuntert von Auswärtssiegen in Hamburg und Frankfurt, machten die Gladbacher sich mit viel Elan ans Werk - und gingen früh in Führung. Nachdem der starke Innenverteidiger Dante die gegnerische Abwehr mit einem Steilpass düpiert hatte, nutzte Reus Arangos präzises Zuspiel zum 1:0.
Der Treffer weckte auf den Rängen die Hoffnung auf eine Trendwende im heimischen Stadion. Die reife Leistung der Gladbacher in der ersten Viertelstunde versprach jedoch mehr, als die Mannschaft im weiteren Verlauf der ersten Hälfte zu halten vermochte. Das Tor verlieh den Gladbachern zwar keine Flügel, aber die nötige Sicherheit, Schalke weitgehend in Schach zu halten.
Die Gelsenkirchener fassten schwer Tritt im Borussia-Park. Lange kamen ihre Angriffe über das Stadium des Versuchs nicht hinaus. Ihre Vorstöße endeten zumeist vor dem gegnerischen Strafraum. Als Kevin Kuranyi ausnahmsweise einen Hauch von Torgefahr verströmte, nutzte der zunächst wenig beschäftige Gladbacher Torwart Logan Bailly die Gelegenheit, sich auszuzeichnen und brachte den Ball im Nachfassen unter Kontrolle.
Schalke mit mehr Pflicht- als Kürelementen
Den Schalkern war nicht anzumerken, dass sie nach dem Bremer 2:2 gegen Wolfsburg die Chance hatten, wenigstens für eine Nacht die Tabellenspitze zu erobern. Sie spulten ein Programm ab, das mehr Pflicht- als Kürelemente enthielt. Die zweite Hälfte begann wie die erste - mit einer großen Chance für Gladbach in der fünften Minute. Doch Torwart Manuel Neuer, der Arangos Schuss entschärfte, bewahrte Schalke vor einem höheren Rückstand, der auch bei Brouwers ein wenig zu hoch angesetztem Kopfball möglich gewesen wäre.
Um mehr Angriffslust zu wecken, wechselte der Schalker Trainer Felix Magath nach einer Stunde einen dritten Stürmer ein. Halil Altintop kam für Mittelfeldspieler Christoph Moritz. Schalke wurde nun wieder stürmischer, zeigte sich aber meist harmlos. Den Westfalen fehlte es an Esprit, die aufmerksame Gladbacher Abwehr bloßzustellen. Schalke blieb nur die Hoffnung, sich mit einer starken Schlussoffensive aus der Affäre zu ziehen, wie es der Mannschaft schon einige Male in dieser Saison gelungen ist. Gladbach geriet zwar unter Druck, aber nur selten so in Gefahr wie bei der Möglichkeit, die sich Benedikt Höwedes kurz vor Schluss eröffnete. Nach dem Schlusspfiff feierten die Gladbacher Fans den Sieg über Schalke mit einem Programmhinweis für die nächste Woche. Zieht den Bayern die Lederhose aus!
Borussia Mönchengladbach - Schalke 04 1:0 (1:0)
Mönchengladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaures - Bradley, Marx - Reus, Arango (86. Kleine) - Matmour (89. Meeuwis), Friend (71. Bobadilla). - Trainer: Frontzeck
Schalke: Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann - Matip - Moritz (60. Altintop), Schmitz - Rakitic (46. Moravek) - Farfan (85. Holtby), Kuranyi. - Trainer: Magath
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tor: 1:0 Reus (5.)
Zuschauer: 54.057 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Rafinha (4), Moravek, Neuer (2), Holtby
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS