Der Fußball-Kommentar

Auf den Ramschtisch

Von Roland Zorn

Vom gewohnten beruflichen Alltag entfernt: Thomas Zdebel versteht seine Ausmusterung nicht

Vom gewohnten beruflichen Alltag entfernt: Thomas Zdebel versteht seine Ausmusterung nicht

05. Januar 2009 Bitte recht freundlich? Vielleicht hat es solche Zeiten im rauhen Profifußball auch schon gegeben. Zu Beginn dieses Jahres aber, das wegen seiner düsteren wirtschaftlichen Vorzeichen allgemein als Krisenjahr eingestuft wird, scheinen hier und da selbst die Gesetze formaler Höflichkeit nicht mehr viel zu gelten. In Bochum, „auf“ Schalke und in Mönchengladbach werden derzeit Bundesligaspieler ohne lange Erläuterungen zu den Amateuren ihrer Klubs zurückversetzt.

Sie sind, wie Thomas Zdebel, zu Saisonbeginn von Trainer Marcel Koller wie gehabt zum Kapitän des abstiegsbedrohten VfL Bochum bestimmt, noch da – in Wirklichkeit aber längst weg vom gewohnten beruflichen Alltag. Zdebel, der auch schon mal ein kritisches Wort über seinen Fußballlehrer verloren haben soll, versteht seine Degradierung so wenig wie der Schalker Albert Streit, der sich wie sein dänischer Kollege Peter Lövenkrands bei der zweiten Mannschaft der „Königsblauen“ fit halten soll.

Die Vereine vernichten betriebseigenes Kapital

Die in Bochum und in Schalke ausrangierten Spieler wollen ihre Klubs – zu finanziell annehmbaren Konditionen – ebenso schnell verlassen wie gleich sieben aussortierte Aufsteiger den Erstliga-Rückkehrer Borussia Mönchengladbach. Sie wurden von Trainer Hans Meyer de facto zu Absteigern beim Ligaletzten erklärt.

Vereine, die im Umgang mit ihrem Spielerpersonal vor derart rohen Sitten nicht zurückschrecken, handeln vielleicht aus der sportlichen oder wirtschaftlichen Not, sie verringern oder vernichten aber auch betriebseigenes Kapital, das praktisch stillgelegt und damit der Konkurrenz als Billigware feilgeboten wird. Für das Betriebsklima gedeihlich sind solche Brachialaktionen auch nicht gerade.

Meyers Neue verheißen nicht die Wende zum Besseren

Den Kampf gegen den Abstieg derart radikal anzugehen wie der Gladbacher Trainer Meyer, der die Personalpolitik seiner Vorgänger für nahezu wertlos hält, verlangt viel Gottvertrauen. Die vier Neuen nämlich, mit denen Meyer die Wende im Borussia-Park herbeiführen will, verheißen auf den ersten Blick auch nicht die große Umkehr zum Besseren.

Bei den vom Tabellengipfel weit wie seit Jahren nicht entfernten Schalkern darf sich Manager Andreas Müller unterdessen die Frage stellen, ob er selbst nicht vielleicht die falschen Spieler geholt habe, als er voller Hoffnung die zu ihrem „Traumverein“ Schalke gewechselten Profis Streit, Varela (Vertrag aufgelöst) oder Grossmüller (trainiert ebenfalls mit der zweiten Mannschaft) verpflichtete.

Dortmund zeigt den Ruhrrivalen, wie es besser geht

Wie man es besser machen kann, hat Borussia Dortmund den Ruhrrivalen vorgemacht. Dort trennte man sich geräuschlos von dem inzwischen 34 Jahre alten und dadurch nicht schneller gewordenen Stürmer Diego Klimowicz.

Für den Argentinier, der noch ein halbes Jahr beim BVB unter Vertrag gewesen wäre, bekam Dortmund rund 400.000 Euro Ablöse – gern gezahlt vom VfL Bochum, der beim Kampf um den Klassenverbleib auf die Treffer von Klimowicz hofft und daran glaubt, seinen ein Jahr älteren Kapitän guten Gewissens abschieben zu können.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche